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Mein Großvater Johann Fritsch, zuletzt Pionier im Pi.Btl.196 der 96.Inf-Div., verstarb kurz vor meinem vierten Geburtstag am 30.06.1971 im Alter von nur 61 Jahren. Er konnte mir daher leider niemals seine Erlebnisse als Soldat erzählen. Nach dem Tod meiner Großmutter und der daraus folgenden Auflösung des Hausstandes kam ich in den Besitz seines Wehrpasses, diverser Auszeichnungen und den zugehörigen Urkunden. Mein Interesse war geweckt.
Die Fragen, die ich daraufhin meiner Familie stellte, konnten oder wollten nicht beantwortet werden. Warum? Unwissenheit? Desinteresse? Ich weiß es nicht. So begann ich selbst zu recherchieren. Nach etlichen Anfragen bei Ämtern, lesen von Büchern, Berichten oder Tagebücher und vielen verbrachten Stunden in Internet, kann ich heute, bis auf wenige noch ungeklärte Zeitpunkte, die Dienstzeit meines Großvaters in der Wehrmacht nachvollziehen.
Nachdem ich für die Familie eine Gedenkschrift über die Soldatenzeit meines Großvaters erstellt habe, traf ich im Juni 2009 den Entschluss die Geschichte meines Großvaters als Soldat der Wehrmacht auf einer Website zu präsentieren. Da er den Großteil seiner Soldatenzeit als Watz- mann diente, wurde der Anteil an Informationen über die 96.Infanterie-Division, die für eine schlüssige Präsentation nötig waren, immer umfang- reicher. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Besucherzahlen der Website kräftig anstiegen – die Watzmänner waren bis dahin im Internet so gut wie nicht zu finden.
Im September 2009 reifte dann die Idee, die Website nicht nur meinem Großvater zu widmen, sondern auch an seine Kameraden der 96.Inf.Div. zu erinnern. So wurde aus dem „Projekt Soldat Großvater“ kurzerhand die „Großbaustelle 96.Infanterie Division“.
Die Resonanz auf meine Website über die Watzmänner bestätigt meinen Entschluss. Ich bin nicht der Einzige, der das Schicksal eines Watz- mannes aufklären möchte und evtl. händeringend nach Informationen sucht. Wenn die mittlerweile unzähligen Stunden, die ich hierfür investiert habe und meine Familie daher auf mich verzichten musste, nur ein Schicksal aufklären können, dann hat sich jede Stunde bezahlt gemacht. Was nützen uns heute vergriffene Bücher oder Archive zu denen man keinen Zugang hat? Die Deutsche Geschichte gehört uns allen, unverschlossen und kostenlos, auch wenn es einige Jahre davon besser nie gegeben hätte.
Unsere Väter und Großväter, die dem Regime des Dritten Reiches ihre Gesundheit oder gar ihr Leben opferten, haben es nicht verdient in Ver- gessenheit zu geraten - nur weil man über diese Zeit lieber den Mantel des Schweigens ausbreitet, als darüber offen zu reden und zu schreiben. Ihr Schicksal und das aller Opfer des NS-Regimes, egal welcher Nationalität, sollen und müssen uns ein mahnendes Beispiel sein, an das wir zu erinnern verpflichtet sind. Möge solch ein Unheil niemals wieder über uns alle hereinbrechen.
Den Anhängern der Ewiggestrigkeit, oder denen die mir dies aufgrund meiner Interessen hier unterstellen möchten, sei gesagt, dass diese Web- site nichts mit einer Verherrlichung der NS-Ideologie zu tun hat. Ganz im Gegenteil - hiervon möchte ich mich absolut distanzieren.