Wie der OGefr Willi Lublow das Ritterkreuz erwarb
Veteranen der 96. Infanterie Division berichten
(Quelle: Der Watzmann - Nummer 108 - Dezember 2005)
Ritterkreuz des Eisernes Kreuzes
Willi Lublow
Ritterkreuz am 27. Juli 1944
als Obergefreiter und Gruppenführer in der 14./G.R.284
96. Infanterie Division
geb.: 12.02.1914 in Falkenhagen/Potsdam
gest.: 01.02.1945 bei Esztergom/Ungarn ertrunken
letzter Dienstgrad: Unteroffizier
Willi Lublow erhielt seinen Einberufungsbescheid zur Wehrmacht bereits vor Ausbruch des 2.Weltkrieges. Aus nicht ermittelbaren Gründen deser- tierte er 1939 mit einem Kameraden in die Tschechoslowakei, wo er aufgegriffen und zum Tode verurteilt wurde. Als dann am 1.September 1939 der Polenfeldzug begann, wurde Lublow begnadigt und zu einer Bewährungskompanie abkommandiert.
Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde die hannoversche 96.ID. (Watzmann-Division) ab dem 25.September 1939 auf dem Truppenübungs- platz Bergen bei Celle aus jüngeren und älteren Soldaten sowie aus Reservisten, aufgestellt. In dieser Division fand Lublow nunmehr seine mili- tärische Heimat.
Bereits nach 8 Wochen intensiver Ausbildungszeit verlegte die 96.Infanterie Division in den Raum zwischen Karlsruhe und Rastatt und übernahm Grenzsicherungsaufgaben am Rhein. Mit Beginn des Westfeldzuges am 10.Mai 1940 führte ihr Vormarschweg über den Hunsrück ins Moseltal bei Trier und über Belgien nach Frankreich. Der Waffenstillstand erreichte die 96.ID bei Bourges, in der Mitte Frankreichs. Für besondere Tapferkeit vor dem Feind wurden die erworbenen Auszeichnungen teilweise erst am 26.August 1940 an die verdienten Soldaten verliehen, so auch an Willi Lublow, der mit dem Eisernen Kreuz II.Klasse ausgezeichnet wurde.
Erst einige Wochen nach dem Beginn des Russlandfeldzuges nahm die 96.Inf.Div. an diesem teil. Anfang Juli 1941 wurde die Reichsgrenze in Ost- preußen überschritten. Marschziel war der Ladogasee. Wiederholte Kämpfe mit Partisanen säumten den Vormarschweg, und im August 1941 be- stand die 96.ID. ihre ersten erfolgreichen Angriffskämpfe gegen die Sowjets westlich des Ilmensees. Im September 41 wurde der Befestigungs- ring von Leningrad zwischen Newa und Wolchow erreicht.
Hier kämpften die tapferen Soldaten der 96.ID. gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind mit den Unbilden der Witterung, dem barbar- ischen Frost mit Schnee und Eis, dem Tauwetter mit Schlamm und Sumpf und der sommerlichen Hitze mit ihrer Ungezieferplage. Nach einem 2 1/4 Jahre andauernden Fronteinsatz kämpfte Willi Lublow zuletzt im Nordteil des Divisionsabschnitts in der 14. Kompanie des GR 284 bei Lesno. Im "Handtuchwald" hatte das Regiment heftige sowjetische Vorstöße abzuwehren. Bei diesen Kämpfen bewährte sich Willi Lublow mit besonderer Tapferkeit, und er wurde am 7.Dezember 1943 mit Eisernen Kreuz I.Klasse ausgezeichnet.
Im Januar 1944 verlegte die 96.ID. nach Süden in die Ukraine in die Gegend von Schepetowka an die Rollbahn von Lemberg nach Kiew, wo der Gegner seit einigen Monaten sehr offensiv war. Im März 1944 stand der Gegner bei Tarnopol plötzlich im Rücken der 96.ID. Nur in südlicher Richtung war noch ein Ausweichen möglich, um nicht eingekesselt zu werden. So geriet die 96.ID. in den wandernden "Hube-Kessel". Bei Kamenez-Podolsk gelang dann der Durchbruch nach Westen, dem sich im April 1944 Kämpfe um den Sereth-Brückenkopf und sodann am Dnjestr-Ufer bei der Strypa-Mündung anschlossen. Ab dem 9.Mai 1944 erfolgten länger anhaltende Kampfeinsätze bei Jezierna und Zborow, an der Rollbahn Tarnopol-Lemberg gelegen. Hier wurde in Ruhezeiten des Stellungskrieges und zugleich erfolgter Auffrischung ein tief geglieder- tes Grabensystem zur Verteidigung angelegt. Am 16.Juli 1944 griff der überlegene Gegner mit Panzerunterstützung die deutschen Stellungen an, wobei der Schwerpunkt seines Angriffs beim GR 284 lag., wo auch der Obergefreite Willi Lublow zur infanteristischen Abwehr bereitstand. Im Laufe der Kämpfe wuchs Willi Lublow jedoch über sich selbst hinaus. Mindestens sechs Feindpanzer vernichtete er mit Nahkampfmitteln. Damit erwarb er sich zugleich ein goldenes und ein silbernes "Panzervernichtungsabzeichen".
Unter schonungslosem Einsatz seiner Person und durch sein ausdauerndes, unerschrockenes und tapferes Verhalten konnte er einen wesent- lichen Anteil bei der Zerschlagung des Feindangriffs für sich in Anspruch nehmen. Aufgrund des Verleihungsvorschlages für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verlieh ihm der OB der Wehrmacht am 27.Juli 1944 die hohe Auszeichnung.
Bei Esztergom/Ungarn ist Willi Lublow als Unteroffizier bei der Überquerung der Donau mit einem Boot, in dem sich auch noch einige seiner Kameraden befanden, am 01.Februar 1945 gekentert und dabei ertrunken. Seine Leiche konnte nicht geborgen werden.