Wie der OGefr Hans Gerdts das Ritterkreuz erwarb
Veteranen der 96. Infanterie Division berichten
(Quelle: Der Watzmann - Nummer 116 - November 2009)
Ritterkreuz des Eisernes Kreuzes
Hans Gerdts
Ritterkreuz am 9. Dezember 1944
als Obergefreiter und Funker in der 3./A.R.196
96. Infanterie Division
geb.: 15.11.1913 in Bremervörde
gest.: 24.04.1946 in Hemslingen/Soltau (im Lazarett)
letzter Dienstgrad: Unteroffizier
Hans Gerdts
Hans Gerdts war beruflich in der Holzbranche tätig, bis er als Rekrut eines bereits älteren Jahrgangs (1913) zur Wehrmacht eingezogen wurde. Nach Ausbildung zum Funker bei der Artillerie nahm er seinen Dienst in der 3./A.R.196 auf.
Während der Kämpfe am Wolchow (Heeresgruppe Nord) bewährte sich der Gefreite Gerdts durch besondere Tapferkeit vor dem Feind.
Er wurde am 01.04.1942 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Im April 1944 befand sich die 96.Inf.Div. im Rahmen der Heeresgruppe Nordukraine und im Juli 1944 bei den Abwehr- und Stellungskämpfen mit den Sowjets im Raum Lemberg. Dort zeichnete sich der inzwischen zum Obergefreiten beförderte Hans Gerdts wieder durch besondere Tapferkeit aus.
Am 20.Juli 1944 wurde ihm das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.
Als die Division von den Sowjets weiter in Richtung Westen in das Grenzgebiet der östlichen Tschechoslowakei zurückgedrängt wurde, versah der Melder Gerdts auf einer Anhöhe bei der 3.Batterie des A.R.196 seinen Dienst. Die Batterie stand in vorderster Feuerstellung, denn bei dem ständig anwachsenden Feinddruck musste die HKL zwangsläufig zurückgenommen werden.
Nachdem verschiedene Feindangriffe erfolgreich abgewehrt werden konnte, erfolgte in den Morgenstunden des 19.09.1944 ein weiterer Angriff mit Panzern und begleitender Infanterie links der Batteriestellung. Wegen der Flankenbedrohung erhielt der Obergefreite Gerdts den Befehl, zwei in Bereitstellung stehende Sturmgeschütze heranzuführen und links von der Batterie einzusetzen.
Auf seinem Weg dorthin erkannte er, dass die Sowjets sich anschickten, die Anhöhe einzukesseln. Die drohende Gefahr erkennend dirigierte Gerdts die zwei Sturmgeschütze aus eigenem Entschluss und entgegen dem ihm erteilten Befehl zur Abwehr dieses Angriffs nach rechts um in der Hoffnung, das die 3.Batterie mit dem Angriff von links allein fertig würde. Glücklicherweise konnten durch diese gefechtsentscheidende Handlung die Feindangriffe links und rechts der 3.Batterie mit Erfolg abgewehrt werden.
Als dem neuen Ritterkreuzträger Hans Gerdts vom Oberbefehlshaber der Wehrmacht am 09.12.1944 diese hohe Auszeichnung für seine aus freiem Entschluss heraus erfolgte Tapferkeitstat verliehen wurde, war er sich selbst der Tragweite seiner instinktiv richtigen Handlung gar nicht bewusst und hielt sie im täglichen Frontalltag für selbstverständlich, weil sie auch der Entschluss der Kameraden seiner 3.Batterie galt.
Die Überreichung des Ritterkreuzes nahm der Kommandierende General des XI. SS-Armeekorps, SS-OGrpFhr. Matthias Kleinheisterkamp einige Tage später vor.