Unser General und die Partisanen

Veteranen der 96. Infanterie Division berichten

(Quelle: Der Watzmann - Nummer 108 - Dezember 2005)


In den Sommermonaten 1943 hatte Hauptmann Lorenz mit seinem I./GR 287 vorübergehend einen Sonderauftrag zur Partisanenbekämpfung im Raum Luga, ohne jedoch stärkere Partisanenverbände in den weiten Wäldern stellen zu können. Das Partisanenunwesen hatte auch im Nordabschnitt der Ostfront Ausmaße angenommen, denen mit den vorhandenen Sicherungsverbänden allein nicht mehr begegnet werden konnte.

Der Partisanenkrieg hinter der deutschen Front war nicht erst durch den Aufruf Stalins am 3.Juli 1941 eingeleitet, schon im Jahre 1937 von einem bis dahin unbekannten chinesischen Kommunisten Mao Tse Tung angeregt und seitdem planmäßig verbreitet worden. Nicht nur in den Wolchowsümpfen, dem größten Partisanengebiet im Norden Russlands, operierten Partisanenverbände, auch westlich Luga, beiderseits der Pljussa bis zum Peipussee, ostwärts Dno, bei Noworschew, Optschka und Sebesch, wie an vielen anderen wichtigen Orten und Straßen operierten sie, griffen Bahnsicherungen, Brückenwachen und kleinere Orte an, sprengten Eisenbahnschienen, Flussübergänge und Rollbahnen und störten den gesamten Nachschub zur Front erheblich. Viele Urlauber waren oft froh, wieder an der Front zu sein, wenn sie unterwegs oft stundenlang festlagen, weil die Bahnlinien am Tage manchmal bis zu zwanzigmal an verschiedenen Stellen gesprengt waren.

Schon an der Grenze wurden Verhaltungsmaßregeln und Sicherungsmaßnahmen für Eisenbahnzüge und Kraftfahrzeuge befohlen, vo denen letztere nur noch bewaffnet und im Konvoi fahren konnten. Im Verlaufe der letzten beiden Jahre hatten sich die Partisanen in so genannten "Otrjädi" zusammengeschlossen, Einheiten, die von einigen Dutzend bis zu etwa hundert Partisanen, Männer und auch Frauen, zählten, welche später in Gruppen, Züge und Kompanien gegliedert wurden und zu Bataillonen und Brigaden zusammengefasst worden sind. Diese führten dann befohlene Aktionen durch, bei denen sie von Partisanenkommandeuren geführt wurden. Sie unterstanden den Bezirkskomitees, Partisanenkommandos und dem Zentralen Partisanenstab im Moskau, seit Anfang 1942 unter Marshall Woroschiloiw als Chefkommandeur und Generalleutnant Ponomarenko als Stabschef.

Wenn auch der Partisanenkrieg hinter der Front erhebliche Schwierigkeiten bereitete, so standen die tatsächlichen Erfolge der "Otrjädi" jedoch nur selten im Verhältnis zu ihren nach Moskau gemeldeten Siegen. Aufgrund dieser meist übertriebenen Meldungen der Partisanen ist es zurückzuführen, dass General Ponomarenko später berichtete: *"Partisanen aus Leningrad zerstörten eine Anzahl feindlicher Lastwagen und töteten General R. von Wirtz mit seiner Leibwache". "... die Operationen der Leningrader Partisanen, die ihren Abschluss mit der Tötung des Generals von Wirtz und seiner Leibwache fanden ...", nannte Ponomarenko "Beispiele von Partisanenaktionen, die als glänzende Taten in die Geschichte des großen Patriotischen Krieges eingehen werden".

Generaloberst Lindemann und General Wirtz besichtigen den Ausbau der Kussinka-Stellung am Wolchow. 1943 - (Bildquelle: "Die Geschichte der 96. Infanterie Division, Podzun-Verlag, 1959)


Nun, General Wirtz erfreute sich zu der Zeit, als er in Moskau für tot erklärt wurde, als Divisionskommandeur der Watzmänner bester Gesundheit, und auch von der Tötung seiner "Leibwache" war ihm nichts bekannt. General Ponomarenko war später sowjetischer Botschafter in Warschau.

*Ponomarenko: "Behind the Front Line", zitiert von Dixon/Heilbrunn: Communist Guerilla Warfare (in deutscher Übersetzung: Partisanen, Seiten 22 und 44).