Unglaubliches Jagdglück
Veteranen der 96. Infanterie Division berichten
(Quelle: Archiv der 96.ID. - Veröffentlicht in der Zeitschrift: Alte Kameraden - Heft 2 - Februar 1972)
Langweilig war es im Spätherbst 1939 schon, im Wechsel mit den anderen Truppkameraden 24 Stunden hindurch Posten zu schieben. Tagaus, tagein, wochen- und monatelang. „Wovon kann der Landser denn schon träumen?“ Dieser Schlager hatte damals, nicht nur am Oberrhein, schon seinen ganz realen Sinn! Wenn also einer hinter und neben dem Bunker stundenlang seine dreißig bis vierzig Schritte mal in der einen Richtung, mal in der anderen so immer hin und her ging, dann fing er spätestens nach einer halben Stunde an zu träumen, zu spinnen. Und da in unserer Bunker-Kolonie eben nichts, aber auch wirklich gar nichts passierte, konnte jeder seinen Wünschen und Träumen nachgehen. Nicht so unser Florian. Er beobachtete immer, war stets hellwach, hörte in die Dunkelheit hinein und hielt seine Augen offen bei Tag und Nacht. Eines Spätnachmittags, im Dezember wird es ja nach 16 Uhr schon dunkel und war gerade um 18 Uhr abgelöst worden von seiner Postenrunde, kam unser Florian ganz aufgeregt, wie wir ihn sonst gar nicht kannten, in den Bunker zurück. Nachdem er sein Sprüchlein „Auf Posten nichts Neues!“ dem Wachthabenden, unserem Truppführer und Bunkerkommandanten, aufgesagt hatte, sprudelte es aus ihm heraus, kam eine ganz große Neuigkeit ans Licht, die ihn sehr beschäftigte und aufregte.
Hier muss eingeführt werden, dass Florian von Hause aus Bauer, aber vom Temperament her auch Jäger war. Ob Wildererblut in seinen Adern floss? Wir vermuteten es nur. Jedenfalls erzählte er, dass nur wenige Schritte von seinem Postengang entfernt auf der jetzt kahlen Linie ein Fasan „aufgebaumt“, also dort seien Schlafplatz gefunden hatte. Florian bat für den nächsten Tag um die gleiche Postenzeit für sich. Der Tausch mit einem anderen Kameraden wurde eingerichtet. Wir hatten am nächsten Nachmittag alles weitgehend vergessen. Da, wir trauten unseren Augen nicht, kommt kurz nach 17 Uhr unser Florian zur Bunkertür herein, bittet schnell eine Ablösung, nach draußen zu gehen, geht selbst mit hinaus und kommt mit einem toten Fasan in der Hand wieder zurück in den Bunker. Wir hatten keinen Schuss gehört, aber der Fasan war tot, mausetot. Florian „berichtete“: Als er draußen zwischen Bunker und Sappengraben auf seinem Postengang so immer entlang schlenderte – mal hin, mal her – da war wieder zu gleichen Zeit wie am Vortag der Fasan auf einem Lindenast niedergegangen.
Da hatte er einfach Steine genommen und nach dem Vogel geworfen. Schon der zweite Wurf war ein Volltreffer, den ersten fehlgegangenen Stein hatte der Vogel wohl nicht bemerkt. Der zweite aber hatte ihn am Kopf getroffen. Florian konnte seine Jagdbeute vom Boden auflesen. Für den nächsten Vormittag bat er um Ausgang zur Feldküche, um sich dort nach Zubereitung eine schmackhafte Fasanensuppe mit Nudeln als Einlage kochen zu lassen, die gerade als Kostprobe für jedes Truppmitglied ausreichte. – Niemand wollte diese Geschichte glauben. Aber wir hatten ja ihr „happy end“ direkt gekostet.