Silvester trafen sich die Gegner
Veteranen der 96. Infanterie Division berichten
(Quelle: Archiv der 96.ID. - Veröffentlicht in der Zeitschrift: Alte Kameraden - Heft 12 - Dezember 1969)
Am 21. September 1939 wird mi der Aufstellung des AR.196 in Bergen begonnen. Am 1. 11. 1939 sollte das Regiment einsatzbereit sein. Am 21. 9. 1939 trifft der Kommandeur, Oberst Holzhausen, in Bergen ein. Er findet nur erst Stabsveterinär Dr. Scholz an. Außerdem sind in dem Lager nur eine Reihe von Pferdekommandos mit den Pferden für die Division vorhanden. In den nächsten Tagen erst treffen dann Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ein. Die Mannschaften setzen sich aus Angehörigen der Ersatzreserven I und II der Wehrkreise II und VI und aus der Gegend Magdeburg und Hannover zusammen. Ein Teil kommt aus den Ersatzabteilungen. Von den Unteroffizieren und Gefreiten entstammen eine Anzahl aktiven Truppenteilen.
Bis zum 05. 10. ist die Aufstellung im Großen beendet. Es besteht eine Kanonenabteilung (I.) zwei leichte Haubitzabteilungen (II. u. III.) und eine schwere Haubitzabteilung (IV.). Die Geschütze sind, wie fast die ganze Ausrüstung, tschechischer Herkunft. Es ergeben sich daraus mancherlei Schwierigkeiten, in Beschirrung und Anspannung und in der Ausbildung der Mannschaften, da nur wenige mit dem Gerät vollständig vertraut sind. Die Pferde sind zumeist schwere und schwerste Zugpferde. Nur als Reitpferde stehen etwas leichtere Pferde zur Verfügung. Die Bekleidung kann erst in den nächsten Wochen vervollständigt werden. Ebenso werden erst in den nächsten Wochen Mängel in der Ausrüstung ausgeglichen. In der Ausbildung wurde wegen der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit Hauptwert auf die Ausbildung im Gelände gelegt. Schwierigkeiten ergeben sich dabei besonders, dadurch, dass die Vorbildung der Mannschaften sehr verschieden ist. Es sind Weltkriegsteilnehmer, Leute mit zweijähriger und achtwöchentlicher Ausbildung, ja auch ohne jede Ausbildung in buntem Gemisch verstreten. Besonders schwierig gestaltet sich die Reit- und Fahrausbildung, da ein großer Teil der Mannschaften noch keine Reitausbildung gehabt hat, ja viele überhaupt noch nie etwas mit Pferden zu tun gehabt haben. Außerdem sind die Pferde fast sämtlich noch gänzlich ungeritten. – Ende Oktober wird die Ausbildung mit einem Regiments-Schießen und einige Divisionsübungen abgeschlossen.
Am 06. 11. 1939 beginnt der Abtransport mit unbekanntem Ziel. In Maulbronn wird der Stab am 07. 11. ausgeladen. Die 96. Division löst die 215.ID. in der Besetzung der Oberrheinfront von Karlsruhe bis nördlich Ulm-Lichtenau ab. Mit Zwischenquartier in Stein marschiert der Stab nach Malsch, wo er am 11. 11. früh eintrifft. Hier wird der Gefechtsstand vom AR.215. übernommen. In Malsch befindet sich auch der Gefechtsstand der Division. Das Regiment wird eingesetzt: I. im Abschnitt Nord mit IR.284, II. und IV. im Abschnitt Mitte mit IR.283 und III. im Abschnitt Süd mit IR.287. Im Abschnitt Süd liegen außerdem noch zum Schutze des als besonders gefährdet angesehenen Greffener Bogens eine schwere Abteilung, die II./AR.61, und eine Stellungskanonenbatterie, die Grewa, die später nach Norden in die Nähe von Durmersheim gezogen wird. Es werden Feuerpläne für Sperrfeuer, Störungsfeuer, Feuerschlag rot und Zielpunkte ausgearbeitet; jedoch ist während der ganzen Zeit des Einsatzes kein Artillerieschuss abgegeben worden. Der Feind verhielt sich in der ganzen Zeit vollkommen ruhig. An einigen Stellen werden nur hin und wieder Gewehr- und MG-Schüsse von beiden Seiten abgegeben. Im Falle einer Feuereröffnung kommt nur Planschießen in Frage, da die Erdbeobachtung sehr schlecht ist. Die vorgeschobenen B-Stellen am Rhein haben nur ein sehr geringes Blickfeld über den Fluss. Die rückwärtigen B-Stellen auf den Kirchtürmen kommen in diesem Falle kaum noch in Frage: Die Sicht ist außerdem hier häufig durch schlechtes Wetter sehr beeinträchtigt. Einige vorgeschobene B-Stellen müssen außerdem, da bei Hochwasser die Bunker volllaufen, am 21. 11. für einige Zeit geräumt werden. Der Franzose muss dabei fast sämtliche Bunker verlassen.
Am 21. 11. wird die II./AR.61 durch die II./71 abgelöst. Am 20. 12. wird eine Umstellung von 3. auf den 2. Gitterstreifen befohlen. Alle Pläne müssen neu gezeichnet werden. Am Weihnachtsabend begrüßen sich an vielen Stellen Franzosen und Deutsche durch Zurufe und singen sich gegenseitig Lieder vor. – Silvester findet eine Begegnung von Franzosen und deutschen Infanteristen und Artilleristen unter Führung von Rittmeister Sachenbacher statt. Sie unterhalten sich dabei und tauschen Schokolade, Zigaretten, Zeitungen, Kaffee und Brot aus. Am 7. Januar 1940 wird die 96.ID. durch die 246.ID am Oberrhein abgelöst. Sie kommt in Ruhestellung. Das AR.196 zieht in die Umgebung von Bruchsal. Der Stab kommt in die Dragonerkaserne. Der Marsch über Karlsruhe nach Bruchsal wird durch Glatteis un große Kälte äußerst erschwert. Die Zeit in der Ruhestellung soll vornehmlich der Ausbildung dienen. Infolge der anhaltenden Kälte ist das jedoch nur in beschränktem Maße möglich.
Im Alten Abschnitt
Als Reserve der Heeresgruppe C ist alles gespannt auf eine neue Verwendung. Da wird am 24. 1. plötzlich befohlen, dass die Division in den alten Stellungen am Oberrhein wieder eingesetzt wird. Der Stab AR.196 kommt jedoch nach Rastatt in die Artillerie-Kaserne, Gefechtsstand im Unteroffiziers-Kasino der Panzerabwehr-Kaserne. Der Divisionsabschnitt wird nach Süden etwas erweitert bis nach Freistett. In diesem südlichen Abschnitt werden die II. Abteilungen und die 11. Batterie eingesetzt, die I. übernimmt die früheren Stellungen der II., die anderen beiden Abteilungen gehen in die alten Stellungen. Die Grewa bleibt zunächst in der alten Stellung, wird später aber in die Nähe von Sandweier gezogen. Die Arbeit auf taktischem Gebiet besteht wieder hauptsächlich darin, immer neue Feuerpläne zu entwerfen. Der Gegner ist weiterhin im Allgemeinen ruhig. Hin und wieder flackert an einzelnen Stellen MG- oder Pak-Feuer auf. Die Zeit wird ausgefüllt mit Ausbildung und Übungen. Am 19. 3. findet eine Beobachtungsübung bei Malsch statt. Anfang März bricht bei der II. Rotlaufseuche und bei der III. Brustseuche aus, unter der die Pferde sehr leiden. Nachdem schon einige Männer der II. auf der B-Stelle durch Infanterie-Feuer verwundet waren, wird am 29. 3. der Gefreite Zöllich der 10./196. tödlich getroffen. Schon Anfang März tauchten Gerüchte über eine Ablösung au. Am 09. 03. wird der Ausbau neuer Stellungen für die 555. ID., die uns ablösen soll, befohlen. Am 01. 04. wird als erste Einheit der 555.ID. die B-Abteilung 555 eingesetzt und uns unterstellt. Am 17. 04. wird die 96.ID. von der 555. Division abgelöst. Das AR.196 bleibt jedoch noch eingesetzt. Allmählich gehen auch die Batterien des AR.555 in die ausgebauten Stellungen. Am 27. 04. wird das beschleunigte Herausziehen des AR. 196 befohlen. Die 96.ID. wird Heeresreserve und dem AOK. direkt unterstellt. Am 2. 05. übergibt Oberst Holzhausen den Befehl an Oberst Seydlitz. Das Regiment bezieht Unterkunft in der Umgebung von Karlsruhe, Stab und II. werden in Karlsruhe in der Artillerie-Kaserne untergebracht.