Guter Stahlhelm
Veteranen der 96. Infanterie Division berichten
(Quelle: Archiv der 96.ID. - Veröffentlicht in der Zeitschrift: Alte Kameraden - Heft 11 - November 1971)
Da waren wir also in Stellung gegangen. Aus Garnison- und Ausbildungstruppe waren Feldsoldaten geworden. Nach nächtelangen Märschen quer durch den oberen Schwarzwald („AK“ 4 und 5/69) waren die Bunker am Oberrhein unsere neue Heimat geworden.
Es war an sich ja Krieg. Wir merkten aber – außer, dass wir im Bunker wohnen mussten – nichts davon. Es war ruhig, es blieb ruhig. Man richtete sich auf das erste Kriegsweihnachten ein. Es wurden Urlaubspläne geschmiedet. Das war das weitaus Wichtigste der Stunde. Natürlich liefen auch die in solcher Situation üblichen Parolen um: Franzosen und Engländer wollen ja gar keinen Krieg. Die Polen sind erledigt, die Russen mit uns verbündet. Die Westalliierten werden doch nicht so dumm sein und jetzt mit uns eine Orlog anfangen. Passt auf, Ostern, spätestens Pfingsten, sind wir wieder zuhause. Wenn es so ist, dann können wir ja unseren Skat in der Gartenlaube hinter unserem Bunker in aller Ruhe weiterspielen! Was macht denn sonst eine Truppe, die im Krieg ist und nichts, wirklich nichts zu tun hat? Hin und wieder muss ja auch mal etwas Kriegerisches geschehen; abgesehen vom Gewehrreinigen. Geschossen wurde ja nicht; also konnte man höchstens mal Bunkerstaub aus dem Lauf pusten, dazwischen Wache schieben, natürlich 24 Stunden am Tage. Für zehn Mann einer Gruppe keine aufregende Sache.
Aber: Alarm! Natürlich nur, damit die Truppe nicht einrostet, damit Hirn und Beine beweglich bleiben für die „Wacht am Rhein“. Das musste ja für den A-Fall immer klappen. Sirenenton (Handsirene natürlich), alsdann „Maskenball“: „Konfirmationsanzug“ an, Koppel um, Gasmaske an dasselbe, Knarre zur Hand, Stahlhelm auf, Handgranaten dabei, raus aus der „Guten Stube“, durch die Gartenlaube, die hinten am Bunker klebte – Verschönerungsvereine früherer Einheiten hatten sie gebaut – zweimal rechts in die Kurve, aber mit Affenzahn, rein in den MG-Stand, dessen Tür nur 1,20 Meter hoch und mit einem hübschen Stahlrahmen versehen ist. Es hat mal einer den Versuch gemacht, weil er es nicht so wichtig nahm, bei Alarm ohne den Stahlhut, nur mit dem Käppi, in die Kurve zum MG-Stand zu flitzen. Was glaubt ihr wohl, wie laut der nachher das Lied vom guten Stahlhelm gesungen hat als seine Birne mit dem Stahlrahmen der Tür Bekanntschaft gemacht hatte!?