Ein "Vier-Sterne-Hotel"

Veteranen der 96. Infanterie Division berichten

(Quelle: Der Watzmann - Nummer 114 - Dezember 2008)


... war es zwar nicht, aber wir fühlten uns in unserem Bunker am Gefechtsstand des GR 283 an der Mga, kurz vor deren Einmündung in die Newa, im strengen Winter 1941/42 "sauwohl". Wir - das waren ein Unteroffizier und 4 Oberfunker des bespannten Zuges der I./NA 196. Wir waren mit einem Halbzug (2 Trupps) unter Leutnant Thümmler seit dem Beginn des Russlandfeldzuges beim Regimentsgefechtsstand für die Fernsprechverbindungen zur Division und zu den Nachbarregimentern verantwortlich, d.h. Bau und Entstören.

Unseren Bunker bauten wir auf einer Erhöhung unmittelbar an einer Mulde, auf die wir aus unserem Fenster sehen konnten. Schon das tiefe Ausschachten war für uns eine ungewohnte Arbeit. Aber -- wie die dicken Kiefernstämme, die uns vor leichteren Granattreffern und Splittern schützen sollten, auf das Dach bringen? Wir hatten Glück: Beim Pionierzug des Regiments war ein Zimmermann aus meinem Heimatdorf Hermannsburg. Er bewohnte mit einigen Kameraden den Nachbarbunker, und wir aßen abends oft zusammen, um vorn der Heimat zu klönen. Für diese "gestandenen Mannsleute" war das natürlich eine Kleinigkeit. Andere wunderten sich oft, wie die "Nachrichtler" sich einen solchen Bunker bauen konnten.

Wir nannten unseren Bunker "Taverne". Uffz Heinecke, von Beruf Grafiker, malte auf einer Sperrholzplatte ein tolles Bild mit diesem Namen, Weinflaschen u.a. und wir waren bald über die Grenzen des Gefechtsstandes als "Taverne" bekannt, zumal aus unserem Bunker an vielen Abenden über die Regimentsvermittlung Wunschkonzerte gesendet wurden, auch für Nachbartrupps unserer NA. Hans Heinecke war nämlich auch ein begabter Mundharmonikaspieler und verfügte über eine breites Repertoire aus dem Opern-, Operetten-, Schlager-, Konzert- und Volksmusikbereich. Wir durften ihn auf dem Kamm blasend begleiten.

Bei der Innenausstattung des Bunkers handelte es sich nicht um ein "Potemkinsches Dorf". In der Nähe der Newa befand sich ein Barackenlager, das wir "Lager der russischen Marine-HJ" nannten. Hier holten wir uns nicht nur Bretter zum Verschalen der Decke und Wände, sondern auch einen Tisch, eine Bank, 3 Stühle und einen Eimer. Den kleinen Herd, der zugleich unser Ofen war, mauerte Hans Heinecke, der auch über erstaunliche handwerkliche Fähigkeiten verfügte, selbst. Darüber schrieb er: "Eigener Herd ist Goldes wert"

Auf dem oberen Bild sehen wir hinter dem Tisch 2 Doppelbetten und rechts ein erhöhtes Einzelbett für den Uffz., unter dem hinter einer Zeltbahn das Holz zum Trockenen lag. Ein nicht so warmer Schlafplatz! Rechts davor die Gewehre und darüber die Gasmasken. An der Wand links vom Tisch auf einem kleinen Bord der überaus wichtige Feldfernsprecher für die "Rund-um-die-Uhr"-Meldungen über Leitungsstörungen.


So sah unser "Winterquartier" 1941/42 aus!


Auf dem unterem Bild blicken wir in die Mulde, in der sich unser "Donnerbalken" befand. In der Fensterbank stand der Wecker und unter ihr hingen 5 Brotbeutel mit Feldflaschen. Hinter dem Herd war Brennholz aufgeschichtet (schon etwas trockener) und darüber befand sich ein Bord mit den Aluminiumtellern des Mannschaftskochgeschirrs, das jeder Trupp in seinem Bauwagen mitführte, um sich gegebenenfalls ohne Feldküche verpflegen zu können. Rechts hinten vor dem Fenster ist die Tür zum Windfang, durch den man zur Außentür und ins Freie gelangte. Bei der großen und ungewohnten Kälte (mehr als -40 Grad) war das schon erforderlich. Vor dem Fenster sehen wir noch einen kleinen russischen Eimer, der uns vor allem als "Waschbecken" diente. Wir hatten am Gefechtsstand aber auch eine richtige Sauna.