Die "Watz"-Wassermänner

Veteranen der 96. Infanterie Division berichten

(Quelle: Archiv der 96.ID. - Veröffentlicht in der Zeitschrift: Alte Kameraden - Heft 12 - Dezember 1978)


Im Frühjahr 1941 lagen wir in Vouziers, einem kleinen Städtchen in den Argonnen. Unsere 1. Kompanie des Regiments 283 war in einer Schule untergebracht. Eines Tages war der Wasserspiegel der Aisne beachtlich angestiegen, wohl nach Gewitter in der Nähe. Die Straßenbrücke war gesprengt, ihr Mittelteil lag im Fluss und nur ein Stück Geländer ragte aus den Fluten. An diesem Mittag nun war ich zur Brückenwache eingeteilt. Während dieser kamen drei Kameraden, stiegen zum Ufer hinunter, machten dort ein altes Ruderboot los und ruderten über den Fluss. Als Paddel diente eine alte Schaufel. Nach kurzer Zeit kam der Oberschütze Weiß allein zurück. Er machte das Boot an unserer Uferseite fest und ging ins Quartier. Ich sah ihm kopfschüttelnd nach. Später erschienen auch die beiden anderen Kameraden und riefen, ich möge sich doch mit dem Boot holen. Bald kam meine Ablösung, ich hing meinen Karabiner über die Schulter stieg ins Boot und wollte nach drüben paddeln. Doch das Wasser musste inzwischen noch mehr gestiegen sein, denn als ich zur Mitte des Flusses kam, wo das Mittelstück der Brücke im Wasser lag, wurde ich von der Strömung gepackt und fortgerissen. Die Kameraden waren noch ein Stück am Ufer hinterhergelaufen und schrien mir etwas zu, was ich aber nicht verstand. Nun bekam ich es mit der Angst, denn weiter unten lag noch eine Brücke im Wasser. Mit aller Kraft paddelte ich und kam endlich in ruhigeres Wasser, leider an der falschen Uferseite. Mir war das aber gleichgültig: Nur erst einmal an Land! An herunterhängenden Weidenzweigen zog ich mich ans Ufer, band den Kahn fest und legte mich erst einmal hin. Nachdem ich mich erholt hatte, machte ich mich auf den Weg flussaufwärts. Weit kam ich aber nicht, denn auf einmal stand ich vor einem breiten Bach, der dort in den Fluss mündete. Mir blieb nichts anderes übrig, als an ihm entlang zu gehen bis zu dem Nachbarort, aus dem meine Kameraden gerade herkamen. Auf der Landstraße ging es dann zurück zur Brücke. Dort herrschte große Aufregung über meinen Verbleib. Alle waren heilfroh, als sie mich gesund auftauchen sahen. Nun hatten wir aber kein Boot mehr. So blieb nur übrig, den Weg über die zerstörte Brücke zu nehmen. Am Geländer hangelten wir uns hinunter. Das ging so weit ganz gut, schwierig wurde es in der Mitte, dort reichte uns das Wasser bis unter die Nase. Die andere Hälfte herauf ging es dann mit Hilfe der Kameraden wieder etwas besser. Unteroffizier Klein war inzwischen auch schon zur Brücke gekommen, er hatte mich nach der Ablösung vermisst. Nun ging es im Laufschritt ins Quartier. Uns drei „Wassermännern“ wurden die nassen Sachen heruntergezogen und dann wurden wir ins Bett gesteckt. Für ein Bad im Mai war es doch noch etwas zu kalt! Als Abschluss gab es schließlich einen zünftigen Anpfiff unseres Korporals und später einen kleinen Schupfen. Bald war die ganze Sache wieder vergessen und am Wochenende ging es wieder zurück nach Vouziers ins Stammquartier.