96.ID: Johann Fritsch
Dieser Bereich der Website "www.96id.de" ist meinem Großvater Johann Fritsch gewidmet.
Viele Jahre lang wurde über die Zeit des Dritten Reiches von den Nachkriegsgenerationen geschwiegen. Darüber sprach man einfach nicht, im Schulunterricht erfuhr man mehr über Etrusker, Römer und Griechen, als über die Zeit, in der Deutschland ganz Europa ins Unheil stürzte. Die Geschichte endete im Schulunterricht zu meiner Zeit spätestens 1918 und begann wieder mit dem Wirtschaftswunder. Dazwischen war einfach nichts Erwähnenswertes geschehen über das man hätte unterrichten können oder vielleicht auch wollen. Ja, es gab einen Hitler, aber darüber wurde im Geschichtsunterricht nicht gesprochen. Warum frage ich mich bis heute.
Über sechzig Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges hat sich dies ein wenig geändert. Die Deutschen dürfen wieder Fähnchen schwenken, wie zur Fußballweltmeisterschaft 2006 im eigenen Land, und zeigen, dass sie stolz auf ihr Vaterland sind. Einige Weltfremde sehen darin schon wieder den Beginn eines aufkommenden Nationalstolzes der Deutschen und stolz dürfen die Deutschen als ehemaliger Kriegstreiber nicht sein.
Die Menschen, die die Schreckenszeit des Dritten Reiches erleben und erleiden mussten, ihre Gesundheit verloren oder ihr Leben ließen, haben allesamt nicht verdient, dass wir den Mantel des Schweigens über sie legen. Dies gilt nicht nur für die Opfer des Naziregimes, sondern auch für die deutschen Soldaten, die für ihr Vaterland in den Krieg zogen.
Auch mein Großvater meldete sich im Jahr 1935 als junger Mann freiwillig zum Wehrdienst. Damals ahnte er sicherlich nicht, dass er eines Tages zum Spielball gnadenloser, mordlustiger Fanatiker werden würde und ihm noch viele schwere und bittere Jahre bevorstehen. Knapp fünf Jahre seines Lebens, die er nicht mit seiner Familie verbringen konnte und die ihm seine Gesundheit kosteten, opferte er einem Machtsystem, dass es besser niemals gegeben hätte und hoffentlich nie mehr geben wird.
Mein Großvater Johann Fritsch verstarb in Alter von 61 Jahren am 30.06.1971 als ich knapp vier Jahre alt war. Ich konnte nie mit ihm über seine Kriegserlebnisse sprechen. Mir blieben nur sehr wenige Bilder, Bücher und Unterlagen, die seine Zeit in der Wehrmacht dokumentieren und mich immer daran erinnern, dass auch er ein Opfer des zweiten Weltkrieges ist, wenn auch viele Jahre später.
An meinen Großvater, seine Kameraden und alle Opfer die diese schreckliche Zeit gefordert hat, möchte ich hiermit erinnern – statt sie und ihr Schicksal in Vergessenheit geraten zu lassen.
Sieben Jahre (links: 1939 - rechts: 1946) liegen zwischen beiden Aufnahmen. Ein Gesicht, dass Bände spricht ...
Großvater beim Erzählen ... ist dies der Gesichtsausdruck zum berühmten "Hurra!" der Watzmänner beim Sturmangriff?
Eines der wenigen erhaltenen Bildern, die mich mit meinem Großvater zeigen ... ob noch Bier in der Flasche war?
Ein nachdenklicher Großvater kurz vor seinem Tod im Jahr 1971.