96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel IV
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12.01.1943
Um 7:20 Uhr setzte am Flaschenhals von Schlüsselburg schlagartig das Trommelfeuer der russischen Artillerie von Osten und Westen ein, unter- stützt von Stalinorgeln und zahlreichen Granatwerfern. Es lag auf den vorderen Stellungen, den Batterien den Gefechtsständen, Waldlagern der Reserven und Anmarschwegen wie auch auf der Sinjawinohöhe in einer Stärke, wie sie die Watzmänner noch nie erlebt hatten. Um 10 Uhr be- gann der Infanterieangriff unterstützt von Panzern, im Osten von Woronowo, über die Höhen von Tortolowo und Gaitolowo, im Torfmoor beider- seits Posjelok 8 bis nach Lipki am Südufer des Ladogasees, im Westen von Schlüsselburg das Newaufer entlang bis zum Brückenkopf von Dubrowka - der erst entstanden war, nachdem die Division im Februar 42 die Newafront verlassen hatte -, die Schwerpunkte waren zwischen Gaitolowo und Lipki, im Westen zwischen Marino und Gorodok.
Als erste Teile der 96.Inf.Div. wurde das der 170.Inf.Div. unterstellte G.R.284 (Oberst Pohlman) in die Schlacht gezogen. Hauptmann Dresp mit dem II.Btl. war von der 227.Inf.Div. von Sinjawino über P 5 auf P 3 nach Norden in Marsch gesetzt worden, so dass es bereits dunkel war, bis der Rgt.Kdr. das Btl. in den befohlenen Bereitstellungsraum an der „Ringstraße“ heranziehen konnte. Oberleutnant Ruprecht stelle mit Späh- trupps seines III.Btl. schon vormittags fest, dass der Russe beim G.R.401 bis zum „Ifflandlager“ eingebrochen war und auch die Uferstellungen des Aufkl.Btl.240 an den Datschen nördlich Gorodok überrannt hatte, so dass er sich beiderseits der "Ringstraße" am Westrand des „Scheidies- waldes“ zur Verteidigung einrichten musste.
Schon am Nachmittag hatte das XXVI.A.K. erkannt, dass der gefährlichste Einbruch des Feindes mit 2 Divisionen, 1 Schützenbrigade und 1 Skibrigade, sowie zahlreichen Panzern am Newaufer zwischen Marino und Gorodok erfolgt war, während an den übrigen angegriffenen Fronten außer geringfügigen Einbrüchen gehalten wurde. So erhielt General Noeldechen den Befehl, mit Masse der Division am 13.01.43 zum Gegenangriff in nordwestlicher Richtung anzutreten und den Feind über die Newa zurückzuwerfen.
Leider standen ihm nur noch 5 Grenadierbataillone zur Verfügung: Das G.R.283, das wieder unterstellte G.R.284 und das I./G.R.287, denn Teile waren schon der 227.Inf.Div. zur Verfügung gestellt worden, das II./G.R.287 zum Einsatz bei G.R.412 am Seeufer bei Lipki und die Schnelle Abteilung 196 bei G.R.328 am „Pommernlager“ südwestlich Schlüsselburg, denen das Pi.Btl.196 am nächsten Tag zur Sinjawinohöhe folgen sollte.
Nach schwierigen Nachtmärschen bei 28 Grad Frost auf verstopften und unter Beschuss liegenden Wegen erreichte die Division den Bereit- stellungsraum in der Linie „Scheidieslager“, Gorodok. Eingesetzt waren:
- rechts das G.R.284 mit III./G.R.284, I./G.R.287 und II./G.R.284
- links das G.R.283 mit III./G.R.283 und II./G.R.283
Dem A.R.196 waren nur die II. und III./A.R.270 der 170.Inf.Div. unterstellt, doch wurden noch von der 170.Inf.Div. angewiesen: IV./A.R.196, 9./A.R.196, 3./schw.Art.Abt.641 und II./Flak-R.36. Außerdem stand die 1./Pz.Abt.502 mit Tigerpanzern zum Einsatz zunächst bei G.R.283 zur Verfügung.
Noch ehe der eigene Gegenagriff beginnen konnte, setzte der Russe seinen Angriff gegen 8 Uhr unter starkem Artilleriefeuer fort. Sein Hauptstoß zielte durch den Scheidieswald auf P 5. Dort standen ihm nur noch Trümmer und Alarmeinheiten des G.R.401 der 170.Inf.Div. gegenüber, so dass sehr bald die Batteriestellungen der IV./A.R.196 gefährdet wurden. Oberleutnant Freytag, Chef der 11.Battr., musste seine Feuerstellung, unter- stützt von der 12.Battr., im Nahkampf vom Feind säubern.
Um 9:30 Uhr traten 5 Grenadierbataillone zum Angriff durch den tiefen Schnee und unübersichtliches Wald- und Kusselgelände an. Hierbei machte es wiederholt Schwierigkeiten, Verbindung zwischen den Bataillonen zu halten. Gegen Mittag wurde die so genannte Ringstraße westlich des Scheidieswaldes erreicht und in heftigen Kämpfen mit feindlicher Infanterie und Panzern vom I./G.R.287 und II./G.R.284 überschritten.
Sperrfeuer gegen einen russischen Nachtangriff (Bild 18 im Register)
Auf Anforderung von Oberst Pohlman rollten 8 eigene Panzer an der Ringstraße vor und entschieden den Kampf am Südrand des Beljajewskoje- moores. Bei diesen Kämpfen fielen Leutnant Kiesewetter, Führer der 2./G.R.287, Leutnant Krüger, Führer der 4./G.R.287 und Oberleutnant Honig, Chef der 8./G.R.284, drei weitere Offiziere der 3 Bataillone wurden verwundet.
Während Oberst Pohlman den Kampf um die Ringstraße persönlich leitete, traf ein schwerer Bombenangriff seinen Rgt.Gef.Std., wobei der be- währte Führer des Radfahrzuges des G.R.284, Oberleutnant Stahlhut, mit 23 Männern seines Zuges und des Regimentsstabes 284 den Soldaten- tod fanden. Im Scheidieswald führte Ruprecht tatkräftig den unübersichtlichen Waldkampf, inzwischen trug Dresp den Angriff bis zum „Dreiecks- wald“ vor.
Oberst Andoy G.R.283 nahm das Elektrizitätswerk, „E-Werk“, von Gorodok im Sturm und befreite die eingeschlossene Besatzung des heißum- strittenen Krankenhausblocks bestehend aus Grenadieren und Pionieren der 170.Inf.Div. Auch die frühe Dunkelheit machte dem Kampf kein Ende.
Winterschlacht 1943
13.01.1943
Der tiefe Einbruch des Feindes in Richtung P 5 veranlasste die Division, das I./G.R.287 in der Nacht vom 13.01. auf den 14.01. herauszuziehen und rechts neben dem III./G.R.284 am Ostrand des Scheidieswaldes unter den Kdr. des G.R.287, Oberst Dorff, einzusetzen, um die Verbindung mit dem Gef.Std. des G.R.374 an diesem wichtigen Punkt zu halten. Dies war umso wichtiger, als der Russe im Osten im Torfmoor beiderseits P 8 bei den Grenadierregimentern 366 und 374 eingebrochen war, denn über P 5 lief der einzige Verbindungsweg von der Sinjawinohöhe zum See- ufer. Nun war aber die Kampflinie der Division so dünn geworden, dass am 14.01. an eine Fortsetzung des Angriffs gegen den mehrfach über- legenen Feind nicht mehr zu denken war. Über Reserven verfügte General Noeldechen nicht mehr.
Das Generalkommando des XXVI.A.K. und AOK 18 fingen schon an, aus nicht angegriffenen Divisionen einzelne Bataillone herauszuziehen, um sie in den Brennpunkt der Schlacht zu werfen. So war es schon im vergangenen Winter gewesen und so sollte es an der von der höchsten Führung überforderten Ostfront bleiben, wie sehr auch Truppe und Führung an der Front diese „Flickschusterei“ hassten, focht doch jeder am liebsten im Rahmen des angestammten Truppenverbandes. Aber den Oberbefehlshabern der Armeen blieb gar keine andere Wahl, auf ihnen lag die volle Ver- antwortung und auch diese ihnen selbst verhassten Notlösungen mussten unter den Händen ihrer geschulten Generalstabsoffiziere zu „Meister- stücken“ werden. Dafür gehörte auch Generaloberst Lindemann das Vertrauen seiner 18.Armee und nicht zuletzt der Watzmänner.