96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel IV

02.02.1943

Mit Recht gab sich die Truppe der Hoffnung hin, dass nun eine Zeit der wohlverdienten Ruhe und Auffrischung folgen werde, doch wurde diese bald zunichte. Die angespannte Lage der Front im Norden ließ das nicht zu. Die 18.Armee musste jede verfügbare Einheit irgendwo einsetzen, um Reserven für das Hauptkampfgebiet freizubekommen. Das bedeutete eine ausgesprochene Härte für die bis zum Äußersten beanspruchte Truppe und mancher wird damals geglaubt haben, dass die vorgesetzten Stellen die Nöte der Front nicht verstanden.

08.02.1943

Wie im vergangenen Winter wurden die Verbände auseinandergerissen und fremden Divisionen unterstellt. Zunächst wurden der Div.Stab und der Rgt.Stab des A.R.196 wenige Tage nach der Ablösung wieder in der Front eingesetzt und bezogen Gefechtsstände bei Tuchan und Samostje, dort übernahmen sie zunächst fremde Truppenteile und zwar 5 Bataillone und 7 Batterien im Abschnitt Smerdynia und "Klosterdorf" am Makarewskajamoor. Damit war man wieder am Pogostjekessel wie vor einem Jahr. Rechts war die 132.Inf.Div. eingesetzt, von der ein Teil der Einheiten dem Kdr. der 96.Inf.Div., General Noeldechen, unterstellt wurde. Als der Stab die artilleristische Führung übernahm, hatte Oberst Noack vom eigenen Regiment nur den Stab der IV.Abt. und die 12.Bttr., dazu die 12./A.R.132 und die 1./schw.Art.Abt.615, die II. und III./A.R.132, sowie Teile der Beob.Abt.26. Links von der 96.Inf.Div. lag die 69.Inf.Div. etwa in den alten Stellungen der Watzmänner vom Sommer und Herbst 1942. Die Division unterstand wieder dem XXVIII.A.K. (General d.Art. Loch).

Während ein Teil der Divisionstruppen noch beim XXVI.A.K. im Flaschenhals weiter eingesetzt blieb, wurden zunächst die Reste der G.R.284 herausgezogen, um in Belowo und Kostowo wieder aufgefüllt und einsatzbereit gemacht zu werden. Major Pfützner übernahm die Führung des Regiments, Hptm. Dr. Ratz leitete die Neuaufstellung des III.Btl., das als erstes wieder erstehen sollte. Aber schon am 08.02. wurde der Aufbau unterbrochen, da der Feind sich zwischen Smerdynia und dem Klosterdorf Makarjewskaja Pustiny zum Angriff bereitstellte. Unter Hptm. Hirthe wurde beschleunigt ein Einsatzbataillon zusammengestellt aus je einer gemischten Kompanie der G.R.283, 284 (Oberleutnant Raulfs) und 287 (Oberleutnant Hofmann), sowie einer schweren Kompanie aller drei Regimenter (Leutnant op de Hipt). Das einsatzbataillon wurde an "Sewastopolweg" südlich des Klosterdorfes eingesetzt.

Klosterdorf Februar 1943

10.02.1943

Noch eine weitere gemischte Kompanie vom G.R.284 (Leutnant Engler), die ebenfalls wie das übrige Einsatzbataillon der 96.Inf.Div. dem G.R.436 der 69.Inf.Div. unterstellt wurde. Sie stand bereits an 11.02. an der Einbruchstelle im Kampf und beteiligte sich beim Abriegeln. Es gab verlust- reiche Kämpfe, bei denen am 12.02., der Kompanieführer durch Verwundung ausfiel. Im "Mudralager" stellte Major Renz (Pi.Btl.196) eine gemischte Kampfgruppe zusammen, die Reste seines Bataillons wurden zu einer Kompanie zusammengefasst, die Oberleutnant Fuchs führte. (Anm.: Darunter befand sich auch mein Großvater Johann Fritsch.)

Nachdem der Russe an der neuen HKL im Norden beiderseits der Sinjawinohöhe keine wesentlichen Fortschritte mehr machen konnte, beab- sichtigte er nun, wie aus erbeuteten Befehlen hervorging, mit seiner 4.Armee einen Zangenangriff aus dem Südwestteil des Pogostjekessels nach Westen und mit der 42.Armee aus dem südlichen Vorstädten Leningrads von Kolpino aus über Krasny Bor nach Südosten durchzuführen.

11.02.1943

Der Russe griff nach starker Artillerie- und Granatwerfervorbereitung an, brach mit 20 Panzern in die HKL am "Sewastopolweg" ein und setzte auch noch am folgenden Tag seinen Angriff gegen den "Klosterweg" fort. Es waren krisenvolle, verlustreiche Waldkämpfe, die von der erschöpften Truppe das Letzte forderten.
(Anm.: Bei diesen Kämpfen wurde mein Großvater Johann Fritsch am 11.02. verwundet.)

Pogostjekessel Februar 1943

12.02.1943

Die rechts eingesetzte Kompanie Hofmann (287) konnte einen russischen Stoßtrupp von etwa 50 Mann mit eigenen Kräften aus ihrer Stellung hinauswerfen, wobei sich Unteroffizier Lattauschke (4./287) besonders auszeichnete. Bei den beiden anderen Kompanien konnte der Gegner einbrechen und Gelände gewinnen. Oberleutnant Raulfs wurde tödlich verwundet, nach Verwundung vom Hptm. Hirthe übernahm Oberleutnant Ruprecht das Einsatzbataillon. Als erste Artillerie traf am 12.02. die I.Abt. beim Regiment ein und ging sofort in Feuerstellung, II. und III.Abt. folgten am 14.02.

13.02.1943

Trotz heftiger Gegenwehr gelang es dem Russen am dritten Angriffstag den Einbruchsraum zu erweitern. Sein erstes Angriffsziel, die Straße von Ljuban nach Schapki, erreichte er aber bei Weitem nicht. Immerhin war eine unangenehme Einbuchtung in der deutschn HKL entstanden. In diesen Kämpfen hatte sich der vorgeschoben Beobachter der 3./A.R.196, Wachtmeister Vierke, durch erfolgreiche Feuerleitung besonders aus- gezeichnet, bis er in vorderer Linie fiel.

14.02.1943 - 15.02.1943

An den beiden Tagen setzte der Russe seine heftigen Vorstöße mit Panzern fort. Major Renz mit verschiedenen Einheiten, darunter seine Pioniere unter Oberleutnant Fuchs, hielt zäh beim "Mudralager".

Hauptmann Kölbl hatte die Panzerjäger-Abteilung übernommen. In zwei Ruhetagen in Schapki wurden die Reste geordnet, Trosse und Fahr- personal ausgekämmt und die Radfahrschwadron herangezogen. Dann wurde die Abteilung an der Einbruchstelle eingesetzt. Ohne geeignete panzerbrechende Waffen führten Kölbls Männer einen ungleichen Kampf.

16.02.1943

Der Schwerpunkt der Feindangriffe lag nun am Südrand der Einbruchstelle entlang der Holzbahn. Um das "Mudralager" und am "Klosterweg" tobten die Kämpfe weiter. An dieser Stelle wurde nun auch der Stab des G.R.287 (Oberst Dorff) mit zusammengewürfelten Kräften ins Gefecht geworfen.

17.02.1943

Die Kampfgruppe des Hauptmanne Albrecht mit dem II./G.R.287 und dem II/.G.R.283 (Oberleutnant Dumke) traf endlich von der Newa her bei der Division ein. Die bewährten Newakämpfer hatten diesmal etwas Glück, als sie schon am 19.02. wieder bei der 69.Inf.Div. im Abschnitt Winjagowolo - Maluksa ein Bataillon dieser Division abzulösen hatten. In ihrem Abschnitt blieb es ruhig und so konnten sie sich ein wenig erholen.

19.02.1943

Die IV./A.R.196 hatte südlich Samostje sehr bedauerliche Verluste, als durch einen Bombenangriff 4 Portepeeunteroffiziere und je 2 Unter- offiziere und Funker fielen.

März 1943 am Wolchow; Batt. Chef Olt. Paul Utermarck und Lt. Sievers vor einem Munitionsbunker der 7.Batt./A.R.196. Diese Bunker standen Ganz nahe neben den Geschützen und konnten wegen des hohen Grundwassers nicht tiefer eingelassen werden. Der Bunker bestand aus mitteldicken Kiefern- oder Birkenstämmchen (links sichtbar), wurde mit Erde abgedeckt und dann noch getarnt, um die Konturen zu verschleiern, was hier nicht der Fall ist. In einen solchen Bunker, aber unter Schnee, gingen die Einschläge, die ich in meinem Buch im Kommentar zum 20.01.1943 erwähne. (Bild 140)

20.02.1943 - 10.03.1943

Zunächst wiederholte der Russe fast täglich seine Angriffe, wenn auch mit vermindeter Kraft, dann ging er allmählich sellbst zur Verteidigung über und schanzte eifrig. Die eigenen Infanterie drängte den Feind schrittwesie zurück, kämpfte den "Klosterweg" in seinem ganzen Verlauf wieder frei und verbesserte an verschiedenen Stellen die HKL.

Vom 03.03. an wurden die Artilleriestellungen durch das A.R.121 allmählich abgelöst, zum Schluss am 08.03. die 10.Bttr. Zwei Tage später verließ der Regimentsstab als letzter Teil der 96.Inf.Div. den Pogostjekessel.

Die Winterschlacht im Januar/Februar 1943 am Ladogasee und am Pogostjekessel hatte schwere Verluste von der ganzen Division gefordert:

- 137 Offiziere und rund 4.000 Unteroffiziere und Männer gefallen, vermisst oder verwundet

Besonders hoch waren die Verluste der G.R.284 und 287, die an einem der Schwerpunkte der russischen Angriffe eingesetzt waren. Zu dieser Zeit betrugen die Gesamtverluste des G.R.284 seit Beginn des Ostfeldzuges:

- 88 Offiziere und 3261 Unteroffiziere und Mann, davon 24 - 811 tot und 2 - 115 vermisst

Von der Härte der Kämpfe sprechen auch folgende Zahlen: Im Bereich der 18.Armee waren 675 feindliche Panzer vernichtet und 693 Flugzeuge abgeschossen oder zerstört worden. Beim G.R.284 konnten nach der Schlacht 16 Panzervernichtungsabzeichen verliehen werden, davon 3 an Offiziere, entsprechend auch bei den anderen Regimentern, Bataillonen und Abteilungen der Division.

Abschied vom Pogostjekessel

Ein ganzes Jahr lang hat der Pogostjekessel die Watzmänner in seinem Bann gehalten. Überall im winterlichen Wald, an der Bahnlinie bei Schala, am Mercedesstern, bei Konduja und Senino hinter der jetzigen russischen Front und vom Maluksinskymoor über Winjagolowo bis herunter nach Smerdynia im Süden und wieder hinauf nach Schapki bleiben die Gräber der Kameraden zurück, wo General Frhr. v. Schleinitz mitten unter seinen Soldaten ruhte, denen sein ganzes Herz gehörte. Im Schatten der großen, entscheidungssuchenden Schlachten, deren Namen jedermann in der Heimat kannte, hatte sich hier tapferes Kämpfen und getreues Ausharren in Frost und Nässe, in Eis und Schlamm wie in sommerlicher Mückenplage bewährt, bestes deutsches Soldatentum, das seine Pflicht tat, wo immer auch das Kriegsschicksal die Watzmänner hinführte. So durften sie mit Stolz an den Pogostjekessel zurückdenken und an die vielen Kameraden, welche dort an ihrer Stelle fielen.