96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel IV
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Wolchow - Tigoda
In der ersten Hälfte des März fand sich die Division allmählich am Wolchow wieder zusammen, um hier eingesetzt zu werden, immer noch beim XXVIII.A.K. unter General Loch.
Wolchow - Ein Begriff eigener Art für jeden Soldaten im Nordabschnitt. Schon bald nach Verlassen des Ilmensees bei Nowgorod hat er eine Breite von 350m, die auf den etwa 220km seines Laufes nach Norden bis zur Einmündung in den Ladogasee bei Normalpegelstand auf 650m anwächst. Nahe der Mündung der Tigoda beträgt sie durchschnittlich 250m bei einer Wassertiefe bis zu 16m. Der Wolchow durchfließt ein Gebiet von wasserundurchlässigem Ton, so sind Sumpf und Moor sein Begleiter. Ungepflegte Wälder, von Flüssen und Bachläufen durchzogen, bedecken vor allem den Boden. Gelegentlich findet man kleine Dörfer, an den Bahnlinien einzelne kleine Städte. Das ist alles, was dieses Land bietet. "Die braugrüne Front" nannte man diese: Das Grün der Wälder, unterbrochen von dem in allen Farbtönen schillernden Braun des moorigen Wassers.
Der wehrhafte Biberbau (Bild links) - Landschaft des Krieges - gespenstisch tot (Bild mitte) - Schneeschmelze in der Wolchow-Stellung (Bild rechts) - (Bild 148)
Schlammperiode an Wolchow und Tigoda (Bild 20)
Der Fluss ist im Winter monatelang zugefroren und bildet dann kein Hinderniss für Panzer. Wenn dann im Frühjahr die Schneeschmelze kommt, sind weite Uferstrecken überschwemmt wie eine Seenlandschaft. Der Verkehr ist dann nur noch zu Wasser möglich - die Bunker standen tief unter Wasser - und die Sanddünen bilden Inseln. Im Sommer setzt dann die Mückenplage ein, für einen Mitteleuropäer unvorstellbar.
Viele Eigenheiten des Stellungskrieges, wie sie am Pogostjekessel 1942 erlebt worden waren, wiederholten sich auch hier, hinzu kam nur die Rolle, die die Wasserwege spielten. Die Verkehrswege waren in diesem Land am Wolchow recht übel. Die Bahnlinie von Gatschina über Tossno, Ljuban, Pomeranje, Babino bis Tschudowo war die rückwärtige Verbindung zur Heimat. Auf ihr rollte der Nachschub, kamen die Ersatztransporte der Genesenen und Neuen heran, rollten die Verwundeten der Heimat zu.
Einsatzraum ab März 1943 bis Januar 1944
Karte 9 im Register
Ende Februar 1943
Nun lagen die Watzmänner, wie im Sommer 1941 die 287-er, direkt vorn an jenem Strom, auf dem einst die Drachenboote der Waräger heraufgefahren kamen.
Der Div.Stab bezog Ende Februar seinen neuen Gef.Std. in Dedelowo an der Tigoda, ohne dass man ahnen konnte, wie lange er seine Wirkungsstätte bleiben sollte. Etwa 3km flußabwärts richtete das A.R.196 seinen Rgt.Gef.Std. in Sajkewo ein. Hier lagen beide Stäbe am Hauptverkehrsweg, der von Bahnhof Babino in den Raum der Division führte.
Schlammperiode an Wolchow und Tigoda. (Bild 21 im Register)
Im Frühjahr sind die Wolchow-Kämpfer Insulaner - das Schlauchboot ist unentbehrlich (Bild 149)
Die Divisionsfront wurde in drei Regimentsabschnitte eingeteilt:
Der Abschnitt "Süd" grenzte halbwegs zwischen Wodoßje und Lesno an die 227.Inf.Div., meist G.R.386 (Oberst Wengler). Das eine Btl. hielt die Wolchowfront besonders gegenüber dem "Kommissar"-Stützpunkt und am "Handtuchwald", das andere die Südfront am "Tigoda-Einbruch"; der Rgt.Gef.Std. war in der Gegend Kurnikoff Ostroff.
Der Abschnitt "Mitte" umfasste die Bahndammstellung, den Nordrand des "Tigoda-Einbruchs" einschließlich des "Fingers" oder "Daumens" und zog sich dann bis zur Tigodamündung am Wolchow hin, der Rgt.Gef.Std. war südlich von Kussino.
Der Abschnitt "Nord" begann mit dem Tigoda-Stützpunkt "Räuber" am rechten Flügel und zog sich am Ufer des Wolchow entlang bis zur Grenze zur 61.Inf.Div. mit dem G.R.151 zwischen dem "Großen Pfennigwald" und Irssa, gekennzeichnet durch ein Stück West-Ostlauf des Possolka, der rückwärts der HKL von Süden nach Norden fließt, um schließlich bei Kirischi in den Wolchow zu münden. Der Rgt.Gef.Std. lag im Wald südostwärts von Mjagry.
Alles in allem betrug die Frontlänge etwa 28km. Die unruhigsten Stellen waren ostwärts Lesno, am "Handtuchwald", um den "Tigoda-Einbruch" und vor allen Dingen am "Finger" oder "Daumen", der ständig unter dem Kreuzfeuer von drei Seiten lag und fast täglich Verluste kostete.
Dedelewo
Schlammperiode März 1943
Das Eintreffen der Division zog sich über eine Reihe von Wochen hin, so wie die Kräfte von ihrem bisherigen Einsatz herausgezogen werden konnten. Die Ablösung ließ sich auch nicht sofort in der beabsichtigten klaren Gliederung durchführen, sondern es musste wiederholt noch ein Austausch von Bataillonen stattfinden, bis endlich etwas Ruhe und Gleichmäßigkeit einzog. Die vorgefundene Stellungsbesatzung war ein Notbehelf, wie ihn das dauernde Herausziehen von Kräften aus nicht angegriffenen Frontabschnitten für die Winterschlacht erfordert hatte. In der Stellung lagen das Sicherungsbataillon Brock, Alarmeinheiten von Nachschubtruppen und Baubataillone, die durch Kampfunerfahrenheit mancherlei unötige Verluste, auch an Gefangenen, gehabt hatten.