96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel IV
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Die Armee erwartete in absehbarer Zeit am Flaschenhals südlich des Ladogasees und auf Mga einen erneuten Angriff des Russen, um den Ein- schließungsring um Leningrad zu sprengen, nachdem der Versuch dazu im Spätsommer fehl schlug. Hier wurde also die einzige Reservedivision der 18.Armee um Mga bereitgestellt und dem XXVI.A.K unter General d.Inf. v. Leyser zugeführt.
Der neue Raum
Der neue Raum war den Watzmännern nicht unbekannt. Der Div.Stab bezog in Gory Unterkunft und lag damit in der Nähe des Korpsgefechts- standes Woitolowo. Als südlichste Regimentsgruppe kam das G.R.287, das seit September von Oberstleutnant Dorff geführt wurde, um Sologubowka im Raum der 223.Inf.Div. unter. Das G.R.283 unter Oberst Andoy zog in den Wald zwischen Mga und Kelkolowo, wo der Gef.Std. der 227.Inf.Div. lag. Das G.R.284 unter Oberst Pohlman, das ursprünglich um Gory untergebracht werden sollte, wurde vorgezogen in den Wald am so genannten „Baltzerweg“ zwischen Kelkolowo und Sinjawino. Dieser schmale Waldweg war die Hauptverkehrsstraße für den ganzen Flaschenhals von Schlüsselburg. Hier fand das Regiment im Winterwald nichts weiter vor als die Bauteile zu einer Anzahl von Finnenzelten und zwei Baracken, so dass in mühseliger Arbeit bei tiefgefrorenem Boden ein neues Bunkerlager mit allem Zubehör wie Ställen, Brunnen, Bade- und Entlausungseinrichtungen und dergleichen geschaffen werden musste. Zum Teil wurde dies alles Mitte Dezember fertig.
Oberst Pohlman (284) und Hptm. Dr. Ratz (III/284) vor dem Einsatz des Regiments in der Ladogaseeschlacht. Winter 42/43. (Bild 15 im Register)
Das A.R.196 unter Oberst Noack bezog abteilungsweise zunächst mit I.Abt. (Hauptmann Reither), II.Abt. (Oberstleutnant Augustin), und einige Tage später auch mit der III.Abt. (Hauptmann Ballschmieter) und der VI.Abt. (Hauptmann Lieberkühn) Feuerstellungen zur Verstärkung der ein- gesetzten Divisionen. Die I.Abt., dem Arko 113 unterstellt, stand ostwärts Sinjawino mit Hauptschussrichtung Ost, wo sie bis 20.11. bleiben sollte. Die II.Abt. wurde ostwärts Michailowskij mit Schussrichtung Ost der 24.Inf.Div. unterstellt. Die IV.Abt. kam zur 170.Inf.Div. in den Raum Sinjawino, Mustolowo mit Schussrichtung West und die III.Abt. wurde von der 227.Inf.Div. ostwärts Sinjawino mit Schussrichtung Ost einge- setzt. Der Regimentsstab, zur Verfügung der eigenen Division, ging zunächst nach Porogeluschka und dann in ein Waldlager 1km westlich Kelkolowo. Die I.Abt. machte am 26.11. einen Stellungswechsel in den Bereich der 24.Inf.Div.
Vor dem Wohnbunker des Stabes der III.Abt./A.R.196 (Datum unbekannt - kann im März 1943 gewesen sein, da noch kein Gras wächst oder im Herbst 1943). Von links: Lt. Jübermann, Olt. Braune, Kdr. der III./A.R.196. Hauptmann Ballschmieter, Adjutant Olt. Hahne. - Der Bunker ist aus Baumstämmen tief in den Hang hinein gebaut. In der Tiefe sind es dickere Baumstämme als hier beim Eingang, insbesonders bei der Decke mehrere Lagen. Es war eine besondere Kunst, die Decke mit Erde so abzudichten, dass kein Regenwasser durchlief. Rechts der Eingang zur Vermittlung. (Bild 141)
Die Pioniere unter Major Renz im Wald nördlich Kelkolowo waren für Arbeiten zum Unterkunfts- und Wegebau eingespannt, die Baukp.196 war daran beteiligt. Von den rückwärtigen Diensten konnten Teile im alten Raum bleiben. Das Feldlazarett 196 verlegte von Pendikowo nach Sologubowka. Die San.Kp. 2/196 (Stabsarzt Dr. Bauszus) widmete sich in Mga mit großem Eifer und viel Geschick der dringend notwendigen Entlausung. Das Feldersatzbtl. 96/2 sollte um die Jahreswende wieder aufgelöst werden. Um die selbe Zeit wurde aus der Pz.Jg.Abt. 196 und der Radf.Aufklärungsschwadron 196 die Schnelle Abteilung 196 unter Major Pautz mit Stab, Radf.Aufkl.Schw., 1. und 2.Kp. gebildet.
Bei allen Einheiten wurde die Zeit eingehend zur Ausbildung ausgenutzt, soweit es die kurzen Tage erlaubten, denn bis 9 Uhr war es und ab 15 Uhr wieder dunkel. Dazu kam eine erhebliche Beanspruchung der Truppe durch Arbeitsdienst, vor allem bei G.R.284, dass sich vollkommen neue Unterkünfte schaffen musste. Gruppen- und Zugausbildung im Gelände, Alarmübungen mit Märschen und Bereitstellungen im Bataillons- und Regimentsverband, Ausbildung in der Panzernahbekämpfung an den zahlreichen verlassenen russischen Panzern, Gefechtsschießen, Unterricht und Offiziers- und Unterführerausbildung in Besprechungen und Planspielen boten ein reiches Programm. Kommandeure, Offiziere und Unter- offiziere erkundeten eingehend das Gelände bis zu den vorderen Stellungen bei allen im Flaschenhals eingesetzten Divisionen, um Wege, Gelände und eingesetzte Truppen für Gegenangriffe kenn zu lernen. So mancher feierte ein Wiedersehen mit alten Gefechtskameraden des vorigen Herbstes und Winters.
Bereitstellungsraum November 42 - Januar 43
Karte 3 im Register
Auf dem Schlachtfeld von Sommer im Raum Mga, Tortolowo, Gaitolowo, Sinjawino, das bis unmittelbar an das Lager des G.R.284 heranreichte, war noch die ganze Schwere der Kämpfe der 11.Armee an den Unmengen gefallener Rotarmisten, dem herumliegenden Material und dem gelich- teten Wald zu erkennen. Hier wurden Erkundungstrupps wiederholt von versprengten Sowjetsoldaten angeschossen, die noch im Raum ihr Leben fristeten, so dass das G.R.284 beim planmäßigen Durchkämmen noch eine Anzahl Gefangener machte, auch Partisanentrupps, meist auf dem Rückweg zur russischen Front, wurden mehrfach gestellt, darunter auch bewaffnete Frauen.
Die gesamte fechtende Truppe erhielt eine zweckmäßige warme Winterkleidung, deren eine Seite einen weißen Tarnbezug hatte. Bei jedem Regiment wurden wieder Teile winterbeweglich ausgerüstet und besonders ausgebildet.
Was an Fürsorgemaßnahmen geleistet werden konnte, wurde getan. Die Verpflegung wurde durch Zulagen aufgebessert, besonders in der Weihnachtszeit, wo außerdem eine reichliche Zuteilung an guten, alkoholischen Getränken erfolgte, die manches fröhliche Fest bei Kompanie- feiern und im Kreise der Unteroffiziere und Offiziere ermöglichte. Die Musikkorps der Regimenter spielten in den Lagern, KdF-Vorstellungen und Kino boten Abwechslung und Entspannung. Eine beachtliche Zahl von Urlaubern konnte in die Heimat fahren. Sehr wesentlich war auch, dass die Truppe endlich zu eingehender Körperpflege und zu geregelter uns ausreichender Nachtruhe kam.
Wiederholt kam es in dieser Zeit zu lebhaften Artilleriekämpfen, wobei besonders unangenehm war, dass das feindliche Feuer von Osten und Westen den Flaschenhals mit seinen wenigen Nordsüdverbindungen überlagerte. Auch die Rote Luftwaffe war ziemlich lebhaft.