96.ID: Geschichte
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Mai 1942
Im Laufe des Monats Mai 1942 fand die 96.Inf.Div. allmählich wieder mit ihren zugehörigen Einheiten zusammen. General Frhr. v. Schleinitz konnte mit dem Ordnen der Verbände und ihrer Wiederherstellung, Auffüllung und Ausbildung beginnen. Dies wurde jedoch erschwert, da die zugeführten Teile sofort wieder in vorderer Linie eingesetzt werden mussten. Die angespannte Lage und die weit auseinander gedehnten, un- übersichtlichen Fronten boten keine Möglichkeit Reserven zu bilden oder gar die Division in ein Auffrischungsgebiet herauszuziehen. Die harten Winterkämpfe hatten der Division ernorme Verluste gekostet, so hatte das I.R.284 schon im März über 600 Tote und 1000 Verwundete gemeld- et, ohne die zahlreichen Abgänge durch Erfrierungen oder Krankheiten. Das II.Btl. war nur mit 40 Mann aus den Märzkämpfen an der Bahnlinie zwischen Schala und Pogostje und am Mercedesstern zurückgekehrt.
Der Wald der toten Bäume (Bild 102) - Granattrichter (Bild 103)
Panzerwrack (Bild 104) - Durchsiebt (Bild 105)
Die Ersatztransporte, die aus der Heimat eintrafen, reichten nicht aus, um die Regimenter auf einigermaßen Sollstärke aufzufüllen. An der ge- samten Ostfront musste bei fast jedem Infanterieregiment ein Bataillon aufgelöst werden. Auch die materiellen Verluste durch Feindeinwirkung und Witterung waren sehr hoch. So hatten beim A.R.196 verschiedene Batterien gar keine oder nur noch ein oder zwei Geschütze.
Die Lage im Nordabschnitt der Ostfront war um diese Zeit so, dass der Einschließungsring um Leningrad seit dem Spätherbst im Wesentlichen unverändert geblieben war. Er verlief von Schlüsselburg bis zur Tosnamündung, ging dann im Bogen um die Vororte Leningrads südlich Kolpino durch Zarskoje Selo (Puschkin) über Ligowo (Uritzk) den Finnischen Meerbusen zu erreichen. Weiter westlich hielt der Russe einen Brückenkopf um Oranienbaum.
Die Silhouette des Monate und Monate immer wieder heissumkämpften Brückenkopfes Kirischi (Bild 133)
Brückenkopf Grusino (Bild 135)
Die Stellungen der 18.Armee verliefen vom Brückenkopf Nowgorod den Wolchow abwärts bis Germanowa, dann als Landfront im alten Einbruchs- raum aus der Wolchowschlacht, westlich Ljubino Polje und Mostki, ostwärts Spaskaja Polist bist ostwärts Gluschiza wieder an den Wolchow heranreichend, vorbei am Brückenkopf Grusino in nördlicher Richtung bis zum berüchtigten Brückenkopf Kirischi. An verschiedenen Stellen hatte der Russe Brückenköpfe am westlichen Wolchowufer. Westlich Kirischi begann dann die Landfront in südwestlicher Richtung über die Orte Smerdynia, Makarewskaja Pustiny, dass ehemalige Klosterdorf, und Winjagolowo bis westlich Bahnhof Pogostje an Lodwa hinan. Von hier zog sich die Front durch das Maluksinskymoor über Woronowo, Tortolowo, Gaitolowo über Posjelok 8, an der Ostseite des „Flaschenhalses“ über Lipki bis an das Südufer des Ladogasees.
Sommer und Herbst 1942 bei Pogostje
Im nördlichen Abschnitt führte Oberst Andoy, Kdr. I.R.283, am Süd- und Westrand des Maluksinskymoores, sein Gef.Std. lag im Wald zwischen Stützpunkt „Baby“ und Station Nowo Maluksa. Nachdem sein II.Btl. das II./I.R.284 abgelöst hatte, war sein Regiment wieder unter seinem Befehl.
Der Div.Gef.Std. lag seit der Winterschlacht noch in Belowo. Dort blieb auch die 1b-Staffel, als der Div.Gef.Std. später in den Wald südlich Beresowka und zeitweilig in den Wald 2,5km südostwärts dieses Ortes vorgezogen wurde.
02.05.1942
Der Stab des A.R.196 konnte die Führung der Divisionsartillerie mit Gef.Std. in der Nähe des Div.Gef.Std. übernehmen. Oberst Noak verfügte bei der Übernahme noch über die III.Abt. mit zwei eigenen und einer fremden Batterie, I./A.R.269 mit 3 Batterien, 10./A.R.269, schw.Art.Abt.850 mit zwei s.F.H.-Batterien und schw.Art.Abt.615 mit zwei 21cm Mörserbatterien, die im Raum nördlich Winjagolowo, Bhf. Maluksa, Beresowka eingesetzt waren, dazu noch über die 3./Art.Abt.625 mit 15cm Kanonen bei Jersunowo für schweres Flachfeuer.
03.05.1942
Die zur Division zurückehrende II.Abt. löste die I./A.R.269 ab und übernahm deren Geschütze. Die 9.Battr. fand sich vom Wolchowkessel eben- falls wieder ein.
06.05.1942
Die 11.Battr. kam ohne Geschütze von der Newafront.
10.05.1942
Der Führer des I.R.287, Oberstleutnant Dr. Mülbe, übernahm den mittleren Abschnitt am Kowriginamoor, am Bachlauf des Dubok, am Stützpunkt „Fidele Laus“, am so genannten „Sichelmoor“ und am Bahndamm westlich Pogostje mit II./I.R.287, II./I.R.385 der 223.Inf.Div. und I./S.R.25 der 12.Pz.Div., mit Gef.Std. im Wald etwa 1,2km nördlich Winjagolowo.
Beide Kan.Sch.Bttr.196. trafen ebenfalls ein.
15.05.1942
Im Kriegstagebuch wird zum ersten Mal wieder die I.Abt. im Abschnitt des I.R.284 erwähnt.
17.05.1942
Der Stab der IV./A.R.196 trifft von Senino kommend ein, wurde aber zunächst nicht eingesetzt.
Der Knüppeldamm ist die Lebensader des gesamten Nachschubs im Kampfgebiet (Bild 136)
Ende Mai
Das I. und III./I.R.287 kehrte mit Teilen der 13. und 14.Kp. von ihrem Einsatz beim I. A.K. am Nordostrand des Wolchowkessels zu ihrem Regi- ment zurück. Das I./I.R.287 löste das III./I.R.385 ab. Die Stabskompanie des I.R.287 beklagte den Tod ihres Chefs Hauptmann Margale, der am 27.05. von Partisanen erschossen wurde.
Da während der wärmeren Jahreszeit in den Sumpfwäldern mit einem stärkeren Panzereinsatz des Russen nicht zu rechnen war, fand die Pz.Jg.Abt.196 (Major Pautz) meist infanteristischer Verwendung erst am Makarjewskajamoor, später am Maluksinskymoor, zeitweilig auch als Divisionsreserve. Ihr unterstand die Radfahr-Aufklärungsschwadron 196, wie die Radf.Schw.196 inzwischen vorübergehend hieß.
Das Pi.Btl.196 (Oberleutnant Schliep) hatte außerordentlich vielseitige Aufgaben. Von seinem Bunkerlager nördlich Beresowka aus waren die Kompanien immer wieder geschlossen oder zugweise eingesetzt. Unter erheblichen Verlusten räumten sie die im Winter vielfach planlos verlegten Minen und legten neue Minenfelder an oder beteiligten sich an Stoßtruppunternehmen der Infanterie. Unter Heranziehung von Arbeitskräften aus Trossen und Kolonnen, sowie von einheimischen Hilfswilligen bauten sie Knüppeldämme, Brücken und Unterkünfte und halfen am Ausbau rück- wärtiger Stellungen, woran auch die Baukp.196 beteiligt war. Besonders die Schlammperiode stellte außerordentliche Anforderungen an ihre Arbeitskraft.
Die Nachr.Abt.196 (Major Behm) baute und betrieb in Zusammenarbeit mit den Nachrichtenzügen der Truppe ein umfangreiches Fernsprech- und Funknetz. Immer wieder waren Leitungen durch Artilleriefeuer oder Witterungsschäden gestört und mussten instand gesetzt werden. Zahlen für einen Anhalt: Das .I.R.284 hatte bis zum Herbst im mittleren Abschnitt der Division ein truppeneigenes Netz von 53km eingebautem Kabel mit 58 Sprechstellen.
Der Divisionsarzt, Oberarzt Dr, Hoffmann, hatte das Feldlazarett 196 in Pendikowo eingesetzt und mit den SanKp. 1 und 2/196 Hauptverbands- plätze in Schapki, Beresowka und im Lager „Wallenstein“ 2,5km nördlich Winjagolowo eingerichtet.
Hinter der Front war in zahllosen Trosslagern und Unterkünften von Fahrkolonnen der Div. Nachschubführers und sonstigen rückw. Diensten bis nach Uschaki, an der Rollbahn von Tschudowo nach Leningrad, sowie Nurma, Schapki und Mga hin ein reges Leben für die Versorgung der kämpfenden Truppe mit Verpflegung, Futter, Betriebsstoff, Waffen, Munition, Gerät und sonstigen Bedarf. Bis zum 27.06. konnte die Bäckerei- Kompanie 196 ihr 5-Millionstes Kommissbrot aus dem Backofen ziehen.
In jenem Gebiet wurde auch in den Waffenmeistereien und Instandsetzungswerkstätten gearbeitet, Stellungsbau- und Straßenbaumaterial her- gestellt, Holzkohle für die Bunker in vorderer Linie gebrannt. Das Pferdelazarett der Veterinärkp.196 und Pferdeerholungsheime sorgten für die vierbeinigen Kameraden.
Als letztes Glied in der Kette der Fürsorgemaßnahmen hatte die Division noch ein Erholungsheim in dem idyllischen Städtchen Fellin in Estland, wo so mancher Watzmann zwei erholsame Wochen verbringen konnte.
OKH Lage Ost vom 22.05.1942
Karte 5 im Register
Im Lauf des Sommers und im Zug der Herauslösung divisionsfremder Einheiten wurde der Einsatz im Divisionsabschnitt allmählich neu geregelt. Mitte Juli hatte das A.R.196 erst wieder seine volle Geschützzahl. Als letzte fremde Einheit verließ das I./S.R.25 seine Stellung beiderseits der „Fidelen Laus“. Die neue Besetzung der Front:
Rechts I.R.283, Mitte I.R.283, Links I.R.287. Jedes Regiment hatte seine beiden Bataillone in vorderer Linie eingesetzt, dahinter in Feuerstell- ungen die schweren Regimentseinheiten, I.G. und Pak. Als einzige Reserve verfügten die Rgt.Kdr. nur über ihre Radfahr- und Pionierzüge der Stabskompanien bei den Rgt.Gef.Std. Auch die Division hatte unzureichende Reserven, sie verfügte nur über die Pz.Jg.Abt.196 mit unterstellter Radf.Aufkl.Schw.196, die gelegentlich das Herausziehen eines Infanteriebataillons ermöglichte.
Im Div.-Abschnitt hielt das I.R.283 unter Oberst Andoy mit Gef.Std. im Wald am, „Kottbuser Weg“ mit dem II.Btl. (Hptm Nowakowski) und dem III.Btl. (Hptm Gehrke) die Front vom Nordrand des Klostermoores, im Mgatal, am Rand des „Nordwaldes“ und im Frontbogen südlich Winjagolowo bis zum „Fingerwald“ am Kowriginamoor. Ihm gegenüber stand der Feind im „Maulwald“ und „Oberkiefer“, „Südwald“, „Halbmond“ und „Daumen“ sowie auf der Moorinsel.
Das I.R.284 übernahm am 01.08. für den zu anderer Verwendung in der Heimat versetzten Oberst v. Chappuis Oberst Pohlman. Er hatte seinen Gef.Std. im Wald 2km nördlich Winjagolowo. Rechts lag das III.Btl. (Hptm Dr. Ratz) am Kowriginamoor von der „Wasserschneise“ an und dann in sehr naher Feindberührung bis nördlich der Mga an der Mündung des Dubok. Das II.Btl. (Hptm Silbernagel) lag mit seiner rechten Hälfte hart westlich des Dubok und bildete mit der linken in der ostwärtigen Bachniederung mit den Stützpunkten „Kleist“ und „Fidele Laus“, die der Kommandierende Generals des XXVIII.A.K. General Loch, als übelste Ecken seines ganzen Korpsabschnittes bezeichnete, einen Brückenkopf, wo der Gegner 80 bis 200 Meter gegenüber lag.
Das I.R.287, das nach der Versetzung des Oberstleutnants Dr. Mülbe vorübergehend von Generalstabsoffizieren des Korps vertretungsweise geführt wurde, hatte den Gef.Std. in einem Waldstück zwischen Lager „Wallenstein“ und dem Stützpunkt „Baby“. Das rechte Btl., zunächst des I. (Hptm Rogahlen), dann das II. (Oberleutnant Mensing), schloss am so genannten „Sichelmoor“ an die „Fidele Laus“ an und bog dann am Sappenkopf vor dem Bhf. Pogostje scharf nach Westen, am Bahndamm entlang, um. Von der „Zigarrenkiste“ an staffelte sich die Stellung des linken Btl., nacheinander das III./I.R.284, das /II./I.R.297, die Pz.Jg.Abt.196 und das I./I.R.287, vor den Südrand des Maluksinskymoores und in den besonders feuchten Stellungen im „Zeppelinwald“ und im „Fingerwald“. Hier lag der Feind am „Entenschnabel“ gegenüber, um dann seine Stellungen am Ostrand des Maluksinskymoores fortzusetzen, während am Westrand des Moores bereits die Stellungen der benachbarten 223.Inf.Div. begannen.
Juni 1942
Oberleutnant Lorenz in der Maluksa-Stellung
Die Artillerie (Hptm Reither) blieb bis auf vereinzelte Stellungswechsel einzelner Batterien im selben Raum.
Seit dem 03.07. führte Major Renz als neuer Kommandeur das Pi.Btl.196.
Zunächst war der Frontbogen von Winjagolowo – Pogostje vom Makarewskajamoor bis zum Maluksinskjmoor südlich Lodwa der Kampfabschnitt der Division.
Den südlichen Abschnitt hatte Oberst v. Chappuis, Kdr. I.R.284 mit Gef.Std. in einem Waldlager westlich Winjagolowo, das man Annenskoje genannt hatte, übernommen. Der Abschnitt verlief von der Kapelle am Klostermoor (Nachr.Schützen.Komp.196), am Nordwestrand des Moores entlang (Pz.Jg.Abt.196), durch das Mgatal am Nordwald (III./I.R.284) und dann im spitzen Bogen südlich um die Dorftrümmer von Winjagolowo herum (II./I.R.284).