96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht Kapitel - VII

Inzwischen liefen die Vorbereitungen für die Bereinigung des russischen Gran-Brückenkopfes. Die Artillerie richtete verstärkt Beobachtungsstellen nach Norden ein, die das Gelände bis nördlich der Dörfer Ebed und Muszla einsehen konnten. Bei Tat gingen 21-cm-Mörser und Nebelwerfer in Stellung. Der Angriff des verstärkten G.R.284 war als unterstützender Flankenangriff gedacht. Den Hauptstoß führten Panzerkräfte des IV.SS-Pz.-Korps, die über die allgemeine Linie Komorn – Neuhäusel nach Osten angriffen und bis zum Gran vorstoßen sollten.

17.02.1945

In der Frühe des 17.Februar war starker Gefechtslärm aus dem Raum nördlich der Donau zu hören, der sich allmählich näherte. Auf dem Strom und auf den Wiesen lag dichter Nebel, der das Artillerie- und M.G.-Feuer näher klingen ließ, als es tatsächlich war. Aber noch war es zu früh für ein Eingreifen.

G.R.284 unter Oberstleutnant Hupe und das II./G.R.287 unter Hauptmann Dressel waren einige Tage zuvor aus der Front herausgezogen worden und hatten eine kurze Ruhezeit in den Dörfern an der Donau genießen dürfen. In den Abendstunden des 17.Februar stellte sich das Regiment bereit. Sturmboote, Floßsäcke und Fähren von Koppers Pionieren lagen in den Altwässern zwischen den Inseln bereit. Die Rohre von Kochs Batterien, der Verstärkungsartillerie und der Nebelwerfer waren nach Norden gerichtet, aber sie schwiegen. Ein Vorbereitungsfeuer sollte nicht geschossen werden, um den Feind zu überraschen.

Kämpfe um Ebed im Februar 1945

Skizze 38 im Register

18.02.1945

Kurz nach Mitternacht stiegen II./G.R.284, Major Hillermann und II./G.R.287, Hauptmann Dressel, als erste Welle in die Fahrzeuge. Zwischen treibenden Eisschollen ging es durch die dunkle Nacht über den Strom. Spannung auf allen Gesichtern: „Wird die Überraschung gelingen?“ Die Grenadiere der ersten Welle stiegen an Land, wateten durch die versumpften Wiesen und drangen in die russischen Gräben der Uferbefesti- gungen ein. Kein Schuss fiel aus verlassenen M.G.-Nestern. Stille ringsum, nur unterbrochen durch das Knattern der Sturmbootmotoren und das Rauschen des Stromes. Erleichtertes Aufatmen! Die Kompanien sammelten sich und traten in schnellem Marsch auf Ebed an, während Major Bensch mit seinem I.Btl. übersetzte; ihm folgten dann Hardenbergs Sturmgeschütze und Teile des A.R.196.

Erst später stellte sich heraus, wie sehr das Soldatenglück diesmal bei den Watzmännern gewesen war. Die bisher am Ufer eingesetzte Garde-Division sollte abgelöst werden, um im Westen des Gran-Brückenkopfes gegen die deutschen Panzer-Divisionen eingesetzt zu werden. Da die Ablösung nicht pünktlich eintraf, glaubte der Russe sich auf das starke Stromhindernis für einige Stunden verlassen zu können – und war ver- lassen!

Am Dorfeingang gab es noch eine kurze Schießerei mit den Sicherungen und dann ein befreites auflachen. Rotarmisten, von unseren Grenadieren unsanft geweckt, versuchten im Hemd davon zu laufen, wurden aber gepackt und gefangen. Einige Panzerfahrzeuge, die zu entkommen ver- suchten, wurden mit Panzerfäusten erledigt. In zwanzig Minuten war Ebed in den Händen der Grenadiere.

Oberstleutnant Hupe setzte seine Bataillone in einem weiten Halbkreis ein, der sich vom Donau-Ufer bis zur Bahnlinie und zurück zum Strom erstreckte. Hier mussten sie halten, bis die eigenen Panzer von Westen herankamen und den zurückgehenden Russen den Weg verlegen. Seinen Gefechtsstand richtete das Regiment im größten Haus an der Kirche ein, also an auffallender Stelle, was sich leider bald bitter rächen sollte. II./G.R.284 übernahm des Ostteil des Bogens, I./G.R.283 den Westteil. Eine Kompanie des II./G.R.287 mit Teilen der 8. wurde zwischen den beiden Bataillonen vom G.R.284 eingeschoben, eine weitere am linken Flügel eingesetzt, ebenfalls mit Teilen der 8. und die dritte Kompanie blieb zur Verfügung des Regimentskommandeurs.

Noch war die Sonne nicht ganz über den Waldbergen des Bözörmeny Gebirges jenseits des Gran aufgegangen, als von Westen her Panzer und Infanterie auftauchten. Doch bald war zu erkennen, dass es nicht die erwarteten eigenen Kräfte waren, sondern Russen, Reserven, die einge- setzt waren, um die 284er über den Strom zurückzuwerfen. Jetzt machte sich die ausgezeichnete taktische Vorbereitung und die Bereitstellung von reichlich Munition für Geschütze und Werfer bezahlt.

Das war mal wieder eine Lust – wie der Adjutant des I./G.R.284. Leutnant Kornfeld schreibt – Artillerieunterstützung anzufordern. Es genügte die Ortsangabe und dann rauschte es wenige Sekunden später durch die Luft und schlug mit eiserner Faust beim Feind ein.

Das gute Fliegerwetter kam leider der weit überlegenen russischen Luftwaffe zugute, immer wieder griffen die Schlachtflieger mit Bomben und Bordwaffen in den Kampf ein, besonders gegen das Dorf Ebed.

19.02.1945

Der 19.Februar brachte erneute heftige Gegenangriffe des Russen. Am Vormittag hatte der 1.Gen.Stabs.Off., Major Burchhardt, gerade den Gefechtsstand des G.R.284 verlassen, als ein erneuter Bombenangriff auf Ebed erfolgte und den Gefechtsstand traf. Die gesamte Führungs- abteilung des Regimentsstabes wurde außer Gefecht gesetzt. Der tapfere Oberstleutnant Hupe, seine bewährter Adjutant Oberleutnant Rattay und der Ordonanzoffizier Leutnant Haffner fielen mit 5 Unteroffizieren und Mannschaften. Das war ein schwerer Verlust für die Division. Major Bensch übernahm zunächst mit dem Stab des I.Btl. die Führung, bis am nächsten Tag der Füsilier-Kommandeur, Major Pipo, trotz seiner Jugend – er war erst 1938 Leutnant geworden – die Führung des Regiments und behielt sie bis zum Kriegsende. Oberleutnant Schulze wurde Rgts.Adj., die Füsiliere übernahm Hauptmann Sehnert, einer von den alten 284ern.

Trotz pausenloser starker Angriffe mit Panzer- und Fliegerunterstützung konnte das G.R.284 Ebed behaupten, wenn auch zeitweilig die Russen- panzer bis an den Dorfrand rollten. Zwischen die Häuser trauten sie sich nicht, die Panzerfäuste und „Ofenrohre“ der Grenadiere schreckten sie ab. Am Abend lagen Hunderte tote Russen und Dutzende von Panzerwracks vor dem Dorf und die Stellungen waren wieder in der Hand der 284er.

Der Oberbefehlshaber der 8.Armee, General Kreysing, sprach sich bei seinem Besuch bei der Division sehr anerkennend über die Leistungen der Truppe aus ebenso wie auch General Balck, der Oberbefehlshaber der 6.Armee.

20.02.1945

Auch der 20.Februar brachte verzweifelte Angriffe der Russen, deren sich das Regiment tapfer erwehrte. Gegen Mitternacht wurden erneut starke Panzergeräusche von Westen gemeldet. Sollte der Feind es nochmals versuchen? Alles atmete auf, als man die Spitzen der eigenen SS-Panzer-Div. Erkannte und begeistert fielen die Grenadiere den ersten Panzermännern um den Hals. G.R.284 hatte seine Aufgabe – wenn auch mit schmerzlichen Verlusten – erfüllt. Endlich durften die Grenadiere wieder ausruhen Die Panzer trugen inzwischen den Angriff weiter vor bis auf Parkany gegenüber von Esztergom und an den Gran.

21.02.1945

Die am Donauübergang beteiligten Bataillone wurden am 21.Februar über den Strom zurückgeführt und durften einige Ruhetage in den Dörfern an der Donau in Gegend Labatlan verbringen.

24.02.1945

Vom Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd traf ein anerkennendes Fernschreiben bei der Division ein.

Die Anerkennung durch der Kdr.Gen. des Kav.Korps lautete:

„Ich spreche der 96.Inf.Div. und der Kampfgruppe Hupe meinen Dank und meinen besondere Anerkennung aus über den hervorragend angelegten und durchgeführten Angriff über die Donau, der zum erfolgreichen Freikämpfen des nördlichen Donau-Ufers wesentlich beigetragen hat."
gez. Harteneck