96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht Kapitel - VII

Kapitel VII - 1 - Unterseiten

Als das schicksalhafte Jahr 1944 zu Ende ging, rollten die Transporte der 96.Inf.Div. aus dem Raum um Tarnow in Galizien zunächst nach Westen zu neuer Verwendung. Wie immer begann die Reise als „Fahrt ins Blaue“ und doch war der Divisionskommandeur erstaunt, als man von Oberschlesien nicht nach Norden sondern nach Süden durch die Mährische Pforte über Preßburg in den Raum nördlicher Donau zwischen den Flüssen Waag und Gran fuhr. Schon Mitte Dezember hatte er beim Armeeoberkommando der 17.Armee (General Schulz) von den gewaltigen Kräfteansammlungen der Russen am Weichselbrückenkopf von Baranow erfahren, die einen Großangriff in Richtung Schlesien erwarten ließen. So lag der Gedanke eines Einsatzes an diesem Gefahrenpunkt nahe und nun war man auf einmal in Ungarn. Was war geschehen?

Während die Division in Galizien gekämpft hatte, war im August 1944 die rumänische Front (6.Armee) vollständig zusammengebrochen. Die russischen Divisionen der 2. und 3. Ukrainischen Front strömten über die Transsilvanischen Alpen und beiderseits der unteren und mittleren Donau in die Ungarische Tiefebene. Die neu aufgestellte 6.Armee, die 3.Ungarische Armee und die 8.Armee stemmten sich ihnen entgegen und standen nach harten Kämpfen Mitte Dezember in der Linie Plattensee – Budapest – Erlau – Kaschau.

Da brachen die Russen Mitte Dezember bei der 8.Armee beiderseits des Bözörmeny Gebirges mit starken Panzerkräften durch und stießen bis zum Gran vor, wo sie von deutschen Reserven nach vergeblichen Gegenangriffen zum Stehen gebracht wurden. Schon am 19.12. folgte ein weitere Stoß der Russen westlich an Budapest vorbei, der sie bis an die Donau bei Esztergom (Gran) und Labatlan, in des Vertes Gebirge um Felsögalla und Tata sowie den Bakony Wald führte. Am Weihnachtsabend war die tapfere Besatzung von Budapest endgültig eingeschlossen, die deutsche Front zwischen Plattensee und Velence See war zerbrochen.

Lage in Ungarn am 01.Januar 1945

Skizze 36 im Register

Noch am Weihnachtsabend befahl Hitler über den Kopf seines Generalstabschefs hinweg den Abtransport des IV.SS-Panzer-Korps aus den bedrohten Ostpreußen und der 96.Inf.Div. aus Galizien nach Ungarn, um durch einen Gegenangriff die hartbedrängte Besatzung von Budapest zu befreien, die sich in schweren Straßenkämpfen zunächst beiderseits der Donau und später auf dem Westufer im Stadtteil Buda mit der Burg tapfer verteidigte.

General von Tippelskirch schreibt dazu in seinem Buch „Geschichte des zweiten Weltkrieges“ folgendes:

„Die Befreiung der Stadt und des westungarischen Raumes wurden für Hitler zu einer fixen Idee, der er alle anderen Erwägungen unterordnete und die er bald mit außenpolitischen Gründen, bald mit der Notwendigkeit begründete, ohne die eine Fortführung des Krieges nach dem Verlust des rumänischen Öls und bei der fortschreitenden Zerstörung der deutschen Hydrierwerke durch feindliche Luftangriffe nicht möglich sei. Doch was nutze der Treibstoff, wenn die übrigen Fronten nicht zu halten waren und inzwischen Oberschlesien und das Saargebiet mit ihren Kohlen- revieren verloren gingen? Da Hitler auch nach dem Verlust dieser für die deutsche Wirtschaft unentbehrlichen Kraftquellen unverrückbar an der Behauptung des ungarischen Ölgebietes und des Donauraumes festhielt, liegt der Gedanke nahe, dass er den letzten ihm verbliebenen Bundesgenossen aus Prestigegründen nicht preisgeben wollte und sich diesem Raum und dem dahinter liegenden Wien innerlich verbundener fühlte als den anderen deutschen Gauen.“

Hier liegt also wohl der tiefere Grund dafür, dass die 96.Inf.Div. am Neujahrstag 1945 sich unerwartet in Ungarn an der Donau befand.