1.3. Einsatz des G.R.284 bei Esztergom

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht Kapitel - VII

Kapitel VII - 1 - Unterseiten

09.01.1945

Inzwischen hatte sich der Führer entschlossen, von Esztergom aus ein Sonderunternehmen auf der Straße an der Donau entlang auf Budapest anzusetzen, das wieder einmal unmittelbar vom Führerhauptquartier aus geleitet werden sollte.

G.R.284 (Major Magawly) wurde daher am 9.Januar aus der Front herausgezogen und durch das G.R.283 abgelöst. Im eigentlichen Divisions- abschnitt verblieben also 5 Bataillone, die sich entsprechend verbreiterten.

Kampfraum in Ungarn Januar-März 1945

Skizze 37 im Register

10.01.1945 - 11.01.1945

In der Nacht vom 9./10.Januar marschierte G.R.284 mit der II./A.R.196 (Hauptmann Weber) auf der Uferstraße nach Esztergom, die bei Tag wegen Feindeinsicht nicht benutzbar war. Major Magawly löste das Regiment des Oberst v. Bose der 711.Inf.Div. ab. Er selbst wurde zum „Kampfkommandanten“ von Esztergom bestimmt.

Das I.Btl. wurde zur Rundumverteidigung der Stadt eingesetzt, nach der Verwundung von Major Goede am 3.Januar hatte es Oberleutnant Schäfer vorübergehend geführt, bis es dann von Major Bensch übernommen wurde. Das II.Btl. wurde nach Osten zur stützpunktartigen Besetzung des „äußeren Verteidigungsringes“, d.h. bis zu den Ausläufern des bewaldeten Höhenzuges etwa 2 bis 3 km ostwärts der Stadt vorgeschoben. Hier wurde Hauptmann Troschke verwundet und Major Hillermann übernahm die Führung des Bataillons. Die Lage war wegen der flankierenden feindlichen Stellungen auf dem nördlichen Donauufer wenig erfreulich, nach Südwesten bestand kein Anschluss an eine durch- laufende Front.

Die Verbindungen des Regiments waren schwierig, am Tag waren Fahrten zur Division nicht durchführbar. Es bestand zunächst nur Funkver- bindung.

12.01.1945

Am 12.Januar wurde II./G.R.284 von Höhe 308, Magosch-Berg, nach rechts verschoben. Dem Btl.-Führer wurden die auf 308 liegenden Teile des Bataillons vom Panzer-Korps „Feldherrnhalle“ unterstellt, die Masse dieses Korps war in Budapest eingeschlossen. In diesen Tagen fiel Leutnant Witte vom II.Btl.

14.01.1945 - 15.01.1945

Unterweisung des Oberstleutnant Philip durch den Führer des G.R.284 am 14.Januar:

„G.R.284 mit unterstellter II./A.R.196 öffnet bis zum 15.januar die russische Sperrlinie ostwärts Esztergom und ermöglicht damit der „gepanzerten Gruppe Phillip“ das Vorgehen in Richtung auf Waitzen und den Entsatz der Festung Budapest. Besondere Fernsprechverbindung von 96.Inf.Div. (Tokod Mühle) zu G.R.284 wird in der Nacht 14./15.Januar von Nachrichtenabteilung 196 gelegt. Der Gang des Unternehmens ist halbstündlich zwecks unmittelbarer Weitergabe an das Führerhauptquartier zu melden.“

Ein flankierendes Aufrollen der russischen Stellungen zwischen der Uferstraße und dem Strom erwies sich als undurchführbar, da das Gelände sumpfig und schilfbewachsen war. Der Rgt.-Führer entschloss sich daher, dass II. durch Teile des I. Bataillons zu verstärken und südlich der Uferstraße mit zwei Kompanien vorne und der 5. In Reserve nach Osten anzugreifen. Er selbst verlegte seinen Gefechtsstand dicht hinter das II.Btl.

16.01.1945

In der Nacht vom 15./16.Januar traf Oberstleutnant Philip beim G.R.284 ein. Er war für dieses Unternehmen von Hitler persönlich bestimmt worden und hatte sein Panzer-Regiment 1 zu diesem Zweck abgegeben. Seine „gepanzerte Gruppe“ bestand aus 3 Sturmgeschützen und einem Panzer, die aus den SS-Divisionen Wiking und Totenkopf herausgezogen waren. Die „Panzergrenadiere“ bildeten zwei Kompanien eines Marsch- bataillons des Pz.Korps „Feldherrnhalle“, bestand aus ganz jungen Soldaten ohne jede Kampferfahrung auf Kettenkrädern und Volkswagen. Über die Aussichten dieses Unternehmens bestanden bei den fronterfahrenen Stabsoffizieren keine Meinungsverschiedenheiten, angesichts des „Führerbefehls“ enthielten sie sich der Kritik.

Noch in der Dunkelheit des frühen Morgens des 16.januar trat das I./G.R.284 zum Angriff an und erzielte, gut unterstützt durch die II./A.R.196 einen beachtlichen Anfangserfolg, aber schon gegen Mittag trat der Feind zum Gegenstoß an und damit trat eine Krise ein. Oberst Harrendorf stellte dem Regimentsführer aus eigener Verantwortung Teile der Panzergrenadiere zur Verfügung, falls es die Lage erfordere. Dieser Notfall trat schon gegen 14 Uhr ein. Major Magawly stieß bei seinem Vorgehen mit Oberleutnant Ritters 5./G.R.284 und den Trupps der Panzergrenadiere auf zurückgehende Teile des II.Btl., fing sie auf und führte sie wieder vor. Hauptmann Weber mit einem Funktrupp der II.Abteilung begleitete ihn, um die Wirkung seiner Batterien sicherzustellen.

Durch Zufall stieß Major Magawly in ein Lücke beim Russen und konnte zwei vorgehende Kompanien der Russen von der Flanke her überraschen. Was übrig blieb flüchtete unter Hinterlassung des gesamten Geräts. Hierbei zeichnete sich Oberleutnant Ritter durch Geistesgegenwart und Tatkraft aus. Major Magawly wurde verwundet, Oberleutnant Ritter führte den Angriff weiter. Nun trat Oberstleutnant Philips mit seine „Panzergruppe“ an. Leider fuhren die Sturmgeschütze auf eigene Faust zu weit vor, ohne das Räumen der Minen abzuwarten, so fielen zwei von ihnen aus.

17.01.1945

Noch in der Nacht zum 17.Januar trat der Feind zum Gegenangriff an, doch wurde er von Major Hillermann mit dem II.Btl. abgewehrt. Der Rest der Gruppe Philipp ging ebenfalls zur Verteidigung über. Für die Befreiung von Budapest war es belanglos, ob das Unternehmen 5 oder 10 km ostwärts von Esztergom scheiterte, es war sowieso mit vollkommen unzulänglichen Kräften angesetzt worden.

Als Kommandant von Esztergom benutzte Oberstleutnant Hupe mit seinem Adjutanten, Oberleutnant Rattay und Hauptmann v. Goßler die Gelegenheit, dem Kardinal Fürstprimas Midzenty, dem nach der ungarischen Rangordnung zweithöchsten Mann im Staat, eine Aufwartung zu machen. Die Offiziere waren stark beeindruckt von der aufrechten und tapferen Haltung dieses Mannes, der mitten im Kampfgebiet in der Stadt seines Amtssitzes ausharrte, obwohl er schon die Schrecken der ersten russischen Besetzung durchgemacht hatte.

Die Besatzung von Budapest hatte inzwischen das ostwärtige Donauufer und den Stadtteil Pest aufgeben müssen und verteidigte sich hartnäckig im Westteil Buda der Stadt um die Burg. Ihre Versorgung aus der Luft wurde immer schwieriger, die dort noch zahlreich in Lazaretten liegenden Verwundeten und die Neuanfälle konnten nun nicht mehr ausgeflogen werden.