1.1. Der Donauübergang bei Nyergesujfalu
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Übersicht Kapitel - VII
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30.12.1944 - 03.01.1945
In der Nacht vom 30./31.Dezember traf der Divisionsstab, der unter den ersten Transporten lief, im halbzerstörten Dorf Udvard (8 km ostwärts Neuhäusel = N.Zamky) ein. Da bis 4.30 Uhr weder ein Befehl noch irgend ein Offizier das Div.-Kommando erreichte, setzte sich Oberst Harrendorf mit Major i.G. Burchardt in seinen Wagen und hatte das Glück, in den frühen Morgenstunden das soeben aus Ostpreußen eingetroffene General-Kommando des IV.SS-Panzer-Korps (General der Waffen-SS Gille) zu finden. Auch hier war über Lage und Auftrag nichts Näheres bekannt. So fuhr der Div.Kdr. weiter und fand im Befehlszug der Heeresgruppe Süd nicht nur den Oberbefehlshaber, General Wöhler, sondern auch den Ober- befehlshaber der 6.Armee, General Balck. Die Lage mochte nicht sehr erfreulich sein, denn der Empfang durch die beiden Herren war reichlich frostig.
Die Einweisung durch den Chef des Stabes ergab folgenden Auftrag für das IV.SS-Pz.Korps, dem nun auch die 96.Inf.Div. unterstellt wurde. Die Panzerdivisionen sollten aus dem Raum bei und südlich Komorn (Komarom) den in das Vertes Gebirge eingedrungenen Feind frontal in ostwärtiger Richtung angreifen und zunächst auf die Waldberge hart westlich Budapest zurückwerfen, um dann die Stadt zu befreien. Die 96.Inf.Div. sollte den Vorteil der nördlich der Donau bis zum Gran vorspringenden eigenen Front ausnutzen, bei Süttö, Labatlan und Nyergesujfalu mit 100 Sturm- booten überraschend den Strom nach Süden überschreiten, um den Feind in die Flanke zu stoßen und dann hart nach Osten einschwenkend den Angriff der Panzerdivisionen zu unterstützen. Angriffsbeginn war für den 1.Januar vorgesehen, wurde aber auf die Nacht vom 1./2.Januar ver- schoben, weil die Transporte noch rollten.
Auch zu diesem Zeitpunkt war der Einsatz mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da zahlreiche Truppenteile unmittelbar von der Ausladung an den Strom vorgeführt werden mussten, so dass eine planmäßige Bereitstellung nicht möglich war. Verschiedene Einheiten mussten sogar erst nachgeführt werden. Es war bitterkalt, aber der Vollmond erleichterte die nächtlichen Bewegungen im fremden Gelände etwas.
Geländeerkundung und Kartenstudium ergaben folgendes Bild: Das Nordufer lag in einer Breite von etwa 8 km wesentlich tiefer als das Südufer. Die Uferstraße führte zumeist auf dem Hochwasserdamm. Ein größeres Waldstück gegenüber von Nyergesujfalu bot Deckungsmöglichkeiten, nur ein größeres Dorf, Karva, lag den zahlreichen Ortschaften und Industriebetrieben auf dem Südufer gegenüber. Der Strom war hier etwa 600 bis 800 m breit. Im Oberstrom von Süttö und Unterstrom von Nyergesujfalu gab es verschiedene Altwässer und Inseln. Auf dem Südufer stiegen schon dicht bei den Dörfern die Höhen auf 200 bis 250 m an, um dann nach Süden bald auf 400 bis 550 m anzusteigen, ein Waldgebirge mit wenigen und schlechten Wegeverbindungen, die meist in südostwärtiger Richtung liefen. Die höchste Erhebung war der bewaldete Gerecse mit 634 m Höhe. Dann fiel das Bergland allmählich ab zur Senke von Tatabanya und Felsögalla, wo die heißumkämpfte Straße von Komorn nach Budapest entlanglief. Etwas mehr als halbwegs zwischen der Donau und dieser Senke lagen die Dörfer Bajna, Heregh, Tarja, Tolna und Tardos, die im März eine Rolle spielen sollten.
Stromabwärts von der Übergangsstelle lag die Bischofsstadt Esztergom (Gran) mit der stattlichen Kathedrale. Südostwärts davon erstreckte sich im Donauknie ein Waldgebirge mit Höhen von durchschnittlich 400 bis 500 m und einzelnen Bergen bis über 700 m Höhe bis dicht vor Budapest hin. Zwischen diesen beiden Waldgebirgen lief eine Straße von Nyergesujfalu nach Südosten über Tat und Dorog, wo sie sich mit der Straße von Esztergom vereinigte, nach Budapest (35 km). In diesem Gelände mit den Dörfern Csolnog, Sari Sap, Nagy Sap und Tokod hielten sich die Höhen im Allgemeinen zwischen 300 und 400 Metern. Acker- und Weideland herrschte vor, dazwischen lagen mehr oder minder große Waldstücke. Wegeverbindungen in südostwärtiger Richtung waren die Regel, die Querverbindungen waren ausgesprochen schlecht. Hier lag der Kampfraum der Monate Januar und Februar. Die Dörfer waren zum Teil noch bewohnt.
Der Stromübergang begann um 20 Uhr und machte erhebliche technische Schwierigkeiten. Von den bei G.R.287 angesetzten 20 Sturmbooten für den ersten Übergang erreichten 3 das südliche Ufer, alle anderen fielen durch Frostschäden aus oder trieben ab. So saßen vom Regiment 18 Grenadiere vereinsamt vor Nyergesujfalu und warteten sehnlich auf die anderen Kameraden. In höchster Eile wurde unter Artilleriebeschuss eine große Fähre zusammengebaut und ab Mitternacht das weitere Übersetzen begonnen. G.R.283 rechts nahm Süttö, G.R.287 links Nyergesujfalu; der Ort musste im Häuserkampf gestürmt werden. Es gelang, das Dorf zu nehmen und gegen Angriffe des Feindes zu halten, bis das Eintreffen von Teilen der Panzerjägerabteilung die Lage festigte. Als erste schwere Waffe am Südufer hatte Unteroffizier Hamboch (14.G.R.287) mit seiner 7,5-cm-Pak die Grenadiere unterstützt. Major Franke mit seinen Kanonieren der I./A.R.196 zeichnete sich an diesem Tag besonders aus.
Sehr heftig war der Kampf an der Straßengabel der Uferstraße mit der Abzweigung nach Bajot – Bajna, auf der der Stoß der SS-Pz.Division „Totenkopf“ vorgetragen werden sollte. Ihre vordersten Teile trafen gegen Mittag von Süttö her anrollend in Nyergesujfalu ein. Gegen Abend konnte der Fährverkehr von 24 t auf 70 t verstärkt werden.
Rührend war der Empfang, den die Dorfbewohner den Watzmännern bereiteten. Sie fielen ihnen um den Hals und weinten vor Freude, erschütternd waren ihre Berichte von den Untaten der Rotarmisten, besonders den Frauen und Mädchen gegenüber.
G.R.284, als letztes Regiment in der transportbewegung, marschierte von Neuhäusel im Fußmarsch nach Komorn, über die dortige Donaubrücke und dann nach Osten zunächst als Divisionsreserve über Szöny bis Nyergesujfalu. Von dort aus wurde es in Richtung Bajot eingedreht.
Am Nachmittag setzte die 96.Inf.Div. mit G.R.283 rechts und G.R.287 links den Angriff nach Osten fort, rechts neben ihr gingen Panzer der SS-Division nach Südosten vor. Oberst Lorenz hatte sein Regiment beiderseits der Straße Nyergesujfalu – Tat eingesetzt, rechts I.Btl. (Hofmann) links II.Btl. (Sturm). Bei diesen Kämpfen nahm Unteroffizier Hamboch mit Obergefr. Zobel und einigen anderen Männern der 14./G.R.287 eine russische 7,62-cm-Pak im Sturm.
Der Angriff kam wegen starkem Feindwiderstandes ostwärts des Dorfes zum Stehen, er wurde dann nach Anbruch der Dunkelheit fortgesetzt. In der Nacht zum 3.Januar nahmen die 287er Tat; ihr nächstes Ziel war Öröktarna-bny und Bahnhof Tokod.
Der Westrand von Öröktarna war stark besetzt und mit Pak-Nestern gespickt. Der weitere Angriff konnte daher auch erst nach planmäßiger Bereitstellung und mit ausreichender Unterstützung durch Artillerie und Sturmgeschütze unter Hauptmann Graf. v. Hardenberg fortgesetzt werden. Um 14 Uhr begann der Angriff mit einem kräftigen Feuerschlag. In dem offenen Gelände musste der Angriff in aufgelockerter Form vorgetragen werden, es war ein Bild wie ein schulmäßiger Angriff auf dem Truppenübungsplatz. Am Spätnachmittag wurde Öröktarna genommen und viel Kriegsmaterial erbeutet. Leider gingen zwei Sturmgeschütze durch Pak-Beschuss verloren.
G.R.283 unter Oberstleutnant v. Boeltzig und Füs.Btl.96 unter Hauptmann Pipo waren rechts von den 287ern eingesetzt. Die Füsiliere hatten noch in der Nacht einen feindlichen Gegenangriff südlich Tat abgewiesen.
04.01.1945
Am 4.Januar setzte Oberst Harrendorf den Angriff seiner Division mit allen drei Regimentern in vorderer Linie fort, die 287er kamen bis etwa 1 km ostwärts Öröktarna, die 284er gingen über Annavölgyi-bny in Richtung auf Sari Sap vor. Zwischen den beiden Regimentern war G.R.283 eingesetzt.
Bei der höheren Führung, die von Hitler gedrängt wurde, hatte man wohl ein schnelleres Vortragen des Angriffs erwartet und General Wöhler brachte dies auch bei einem Besuch auf dem Div.Gef.Std. zum Ausdruck. Aber die Truppe wusste ja selbst, dass es um die Rettung der Kameraden in Budapest ging, sie hatte auch wiederholt in Kesseln gekämpft und auf die Kameraden von draußen gehofft; so gab sie ihr Bestes.
Links von der 96.Inf.Div. war die 711.Division des Generalleutnant Reichert eingesetzt. Sie hatte Esztergom und die Höhen hart ostwärts und südlich der Stadt in Besitz genommen und schützte damit die Ostflanke der Watzmänner.