96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht Kapitel - VII

Kapitel VII - 3 - Unterseiten

General Harrendorf hatte am 21.Februar seinen Gefechtsstand von Tokod Mühle in das landschaftlich schön gelegene Kloster Peliföld Szt. Kerszt westlich Tokod verlegt, um mehr hinter der Mitte des immer mehr nach Südwesten ausgedehnten Divisionsabschnitts zu sein. Die Mönche dieses mit vielen Flüchtlingen angefüllten Klosters waren rührend in ihrer Fürsorge und Gastfreundschaft. Hier konnte auch der tapfere Oberfeldwebel Backer (G.R.284) mit der Ehrenblattspange ausgezeichnet werden. Der Artillerie-Gefechtsstand wurde in ein Jagdschloss bei Bajna verlegt.

Das Kavallerie-Korps sollte zur Verwendung an anderer Stelle der ungarischen Front herausgezogen werden, unter den von der 96.Inf.Div. abgelösten Einheiten waren die 3.Kav.Brigade und das Reiter-Regiment 32. In dieser Zeit gab es keine durchlaufenden Fronten, die Kampf- führung war ein Mittelding zwischen Bewegungskrieg, allerdings meist mit kurzen Märschen, und Stellungskrieg. Die Abschnittsbreiten waren so groß, dass eine durchlaufende Besetzung nicht möglich war; es kam im Wesentlichen darauf an, die wichtigen Geländepunkte stützpunktartig auszubauen und zu verteidigen und das Zwischengelände tags mit Feuer und nachts mit Spähtrupps zu sichern. Diese Kampfart stellte erhebliche Anforderungen an die Truppe, zumal bei der meist recht ungünstigen Witterung.

G.R.287 verlegte um den 20.Februar nach Süden in die Gegend vom Szomor (16 km südlich von Tokod). Das Regiment hatte sich dort verschiedener russischer Angriffe zu erwehren. Für eine Woche war Oberstleutnant Magawly auch ein Regiment der 23.ungarischen Honved-Division unterstellt, das Verhältnis zu dessen verständnisvollem Kommandeur war ausgezeichnet.

Links von den 287ern war das Füs.Btl.96, das nun von Hauptmann Sehnert geführt wurde, eingesetzt. Der beherrschende Punkt der Stellung war der Spitzberg (337 m), zu ungarisch Kakuk h., hart südostwärts Szomor. Der Abschnitt war etwa 3,5 km breit, der linke Nachbar war ein Regiment der 711.Inf.div. Das Bataillon blieb in diesen Stellungen bis Mitte März. Der neue Kommandeur benutzte die Zeit, um sich das Bataillon an die Hand zu stellen.

Um den 24./25.Februar war auch für die 284er die kurze Ruhezeit wieder vorüber. Rechts von der 287ern löste Major Pipo das Reiter-Regiment 32 ab.

Im Höhengelände südlich von Szomor gab es hin- und herwogende Kämpfe, da der Feind immer wieder angriff und in Gegenangriffen von den Höhen geworfen werden musste. In diesen Kämpfen fielen Oberleutnant Bott (5.), Leutnant Rave, Batallionsadjutant II. und der Regiments-Pionierzug-Führer Leutnant Engelhardt; die Leutnante Bolling und Bormann wurden schwer verwundet. Diese Abwehrkämpfe zogen sich bis zum 8.März hin. G.R.283 hielt den Abschnitt Sari Sap – Dorog.

Die Truppe schlug sich weiterhin gut. Besonders anerkannt wurde auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit und gegenseitige „Nachbarhilfe“ mit der 711.Inf.Div. unter Generalleutnant Reichert und seinen tüchtigen Generalstabsoffizier Major Gerber. Am 28.Februar verabschiedete sich General Harteneck, der sich sehr anerkennend über die Leistungen der 96.Inf.Div. äußerte.

Der Hauptdruck des Russen in diesem Frontabschnitt lag immer mehr an der großen Straße Budapest – Komorn, zumal er durch die Eroberung von Budapest Kräfte freibekommen hatte. Infolgedessen verschob sich auch der Divisionsabschnitt immer mehr nach Südwesten und bezog auch das Kohlen- und Industriegebiet von Felsögalla, Tatabanja und Banhida mit ein.

Nach der Umgliederung Anfang März lag die Divisionsgrenze rechts zur 23.ungarischen Honved-Division hart westlich Felsögalla, links zur 711.Inf.Div. wie bisher etwa 2,5 km ostwärts Szomor. Der Divisionsgefechtsstand bezog den früheren Gefechtsstand des Kav.Korps in Heregh, das Artillerieregiment das Jagdschloss Tornyo, das auf einer Waldlichtung lag.

Es waren eingesetzt:
- Rechts G.R.283 in einer Waldstellung südlich Felögalla mit einem Btl. in Reserve
- Mitte G.R.284 im bewaldeten Berggelände etwa 8 km südlich Tarjan
- Links G.R.287 von Gegend Csabdi bis südlich Szomor
Dem G.R.287 war ein Hungaristen-Bataillon unter Major Szabo unterstellt. An G.R.287 schloss bis zu seiner Herauslösung zu anderer Verwendung noch das Füs.Btl.96 an.

Die Masse der Artillerie wurde im rechten Teil des Div.-Abschnitts eingesetzt, da hier der Hauptdruck des Feindes erwartet wurde.

Die Division unterstand nun dem Kgl.Ung.Armee Oberkommando 3 des Generaloberst Vitesz Heslenyi, eines hervorragenden klugen und ritterlichen Offiziers, der noch aus der alten k.u.k.-österreich-ungarischen Armee stammte. Sein Führung war sicher und großzügig, die Zusammenarbeit mit ihm und seinem Stab ausgezeichnet.

Auch in diesem Zeitabschnitt spielten sich die Kämpfe nicht in starken Fronten ab. Angriffe und Gegenangriffe um wichtige Höhenstellungen wechselten mit ruhigeren Tagen. Bei den 284ern waren die Tage bis zum 4.März, der 8. und der 13. lebhafte Kampftage. Am 4.März war der Oberbefehlshaber, der ungarische Generaloberst Vitesz Heslenyi, beim Regiment und erkundete mit Major Pipo, Major Bensch und Hauptmann Hillermann die 2.Stellung.

Oberstleutnant Magawly hatte seinen Gefechtsstand in Gyarmat Puszta. Er hatte das Hungaristen-Bataillon zwischen seine beiden Bataillone eingeschoben. Die Ungarn waren durchweg Freiwillige, meist junge Leute mit kurzer Ausbildung aber von ausgesprochenen Einsatzfreudigkeit. Die Kompanien hatten 10 und mehr Offiziere und Fähnriche aber fast keine Unteroffiziere. Die einzige deutsche Verständigung ging über den Adjutanten, Oberleutnant Garamwöry, dessen Eltern aus Hamburg stammten und noch den ehrenwerten deutschen Namen Gramböck getragen haben. Das Verhältnis zum ungarischen Bataillon war sehr gut und die Männer schlugen sich Tapfer.

Bei den 287ern war besonders die Höhe 304 westlich Csabdi heiß umkämpft. Der Versuch der Ungarn, sie nach Verlust selbständig wieder zu nehmen, scheiterte unter Verlust von etwa 30% des Bestandes. Auch die dann eingesetzte 7./G.R.287 schaffte es nicht ganz. Oberstleutnant Magawly setzte sodann einen planmäßigen Angriff am 10.März an, der von der 5./G.R.287 unter Oberleutnant Gotzner unter Zusammenfassung der schweren Waffen des Regiments, zweier Sturmgeschütze und der verstärkten III./A.R.196 des Hauptmann Utermarck gelang. Oberleutnant Gotzner und mehrere seiner Männer fielen. Ein tatkräftiger Unteroffizier, dessen Name leider nicht ermittelt werden konnte, ergriff in diesem kritischen Augenblick die Initiative, setzte sich an die Spitze der Kompanie und riss sie zum Einbruch vorwärts. Bis zum Beginn der Absetz- bewegung am 17.März wurde die Höhe gehalten.

An anderen Stellen der Divisionsfront war es zeitweilig auch ruhiger, so dass es möglich war, Einheiten in Reserve zu nehmen und deren Männer auch gelegentlich etwas Erholung und Ausspannung zu bieten. In Tatabanja war sogar ein Theater wieder in Betrieb genommen worden. II./G.R.283 lag in Reserve in Banhida und Tahabanya.

Der Russe wurde Mitte März in seiner Kampfführung immer lebhafter. Der Raum um Felsögalla lag oft unter schwerem Artilleriefeuer. Ein Nieder- kämpfen der zahlreichen russischen Batterien gelang auch durch das zusammengefasste Feuer aller Batterien des A.R.196 nicht. Am 14.März schossen die schweren Batterien mit äußerster Schussweite auf die Stadt Bicske, einen für den Feind wichtigen Straßenknotenpunkt. Die II./A.R.52, eine motorisierte schwere Abt., war zeitweise dem A.R.196 unterstellt. Die hin- und herwogenden Kämpfe zwangen häufig die B-Stellen zu raschem Stellungswechsel. Auf dem rechten Flügel hob der Feind eines Tages zwei vorgeschobene Beobachter aus und verschwand mit ihnen.

Der Frost war inzwischen einer regnerischen, nassen Witterung gewichen. Noch einmal hatte Hitler einen großen Angriff stärkerer Panzerkräfte in Ungarn befohlen, obwohl die Russen nun schon an der Oder standen und Berlin bedrohten. Der Schwerpunkt lag beiderseits des Platten-Sees (Balaton-See). Der Angriff, der am 9.März begonnen hatte, erzielte zunächst bei Stuhlweißenburg Anfangserfolge, dann blieb er aber bald in dem aufgeweichten Boden stecken, die überforderte Truppe war am Ende ihrer Kraft und es kam zu erheblichen Rückschlägen. Die 96.Inf.Div. und ihre Nachbarn waren an diesem Angriff nicht beteiligt, bei ihnen wirkte er sich nur dadurch aus, dass eigenen Kräfte aus ihrem Raum abgezogen waren. Sie fehlten, als nun am 17.März der russische Angriff mit Schwerpunkt beiderseits der Straße Budapest – Felsögalla – Komorn losbrach und in wenigen Tagen über Tata bis an die Donau beiderseits Komorn durchdrang. Damit steckte die 96.Inf.Div. mit ihren beiden Nachbarn, der 23.ung. und 711.Inf.Div. wieder einmal in einem Kessel, dem Brückenkopf von Labatlan.