96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel VI

Ein neuer Auftrag für die Watzmänner ergab sich daraus, dass die sowjetische 371.Schützendivision in die Karpaten eingebrochen war und den wichtigen Gebirgsübergang von Stryj über Skole, Munkatsch in die ungarische Tiefebene bedrohte. Es handele sich hierbei um einen einzelnen vorgeprellten Verband in den Waldbergen zwischen Bolechow und Skole, der mit seinen vordersten Teilen bei Truchanow bis auf etwa 5 km an die Eisenbahnlinie und Straße herangekommen war.

General Wirtz verlegte seinen Div.Gef.Std. nach Skole und machte diesen reizvoll zwischen 1000 m und 1300 m hohen Bergen gelegenen Kurort zur Basis des ganzen Unternehmens. Auch der Hauptverbandsplatz der San.Kp. 1/196 wurde hier eingerichtet. Bis hierher konnten die Verbände im Lkw-Transport oder Fußmarsch auf brauchbarer Straße herangezogen werden. Alle weiteren Bewegungen von da an führten in ein typisches Mittelgebirgsgelände mit wenigen und sehr schlechten Wegeverbindungen und nur vereinzelten Dörfern in den Tälern. Gerade in diesen Tagen gab es zahlreiche Gewitter, die die Wege oft in Gebirgsbäche verwandelten.

Von Nordosten, Norden und Nordwesten waren Teile anderer Divisionen zur Einkesselung eingesetzt. General Wirtz entschloss sich daher, über Kazienka, Braza, Sloboda-Bolechowska, Roztoczki auf Kalna vorzugehen, um diese feindliche Division in Flanke und Rücken anzugreifen und zu vernichten. Von diesem Vormarschweg sollte ständig nach Norden aufgeklärt werden, um Fühlung mit dem Feind zu bekommen. Im Zuge des Vorgehens richtete der Ia, Oberstleutnant i.G. Heck, einen vorgeschobenen Gefechtsstand in Braza ein, zu dem die Nachr.Abt.196 Fern- sprechleitungen legte.

In der frühe des 1.August trat Oberstleutnant Lorenz mit dem G.R.287 als Vorhut auf diesem Wege an, es folgten Füs.Btl.96, FEB 196 und G.R.283 unter Major Clausen. Oberstleutnant Gehrke wurde mit seinen 284ern am Westrand des Kessels eingesetzt, er sollte aus dem Oportal heraus den Feind nach Westen drängen.

Das A.R.196 folgte zunächst ein Stück, blieb dann aber in seinen Feuerstellungen stehen, da die Wege unbenutzbar für Fahrzeuge wurden und schoss bis zur Ausnutzung der höchsten Schussweiten. Sogar die schweren Infanteriewaffen, soweit sie nicht tragbar waren, blieben zurück und ihre Bedienungen wurden als Schützen eingesetzt.

Skole Anfang August 1944

Skizze 31 im Register

Die vom Marschweg nach Norden zur Aufklärung vorstoßenden Einheiten kamen bald in Gefechtsberührung mit dem Feinde, so dass FEB 196 (Major Schlegel) bei dem deutschen Siedlerdorf Jammerstal und das Füs.Btl.96.

Am frühen Morgen des 2.August setzte die Truppe den Vormarsch fort. Auf engen und schlechten wegen mit erheblicher Steigung arbeiteten sich die Watzmänner vorwärts, nass bis auf die Haut vom Gewitterregen. Das G.R.287 erreichte von Braza aus Sloboda-Bolechowska und griff dann weiter mit I.Btl. und FEB 196 auf Roztoczki und mit II.Btl. auf Kalna an. Füs.Btl.96 und G.R.283 drehten schon früher nach Norden ein in die Täler und auf die Waldberge. Das G.R.284 ging in west-östlicher Richtung auf Truchanow vor.

Es kam wiederholt zu heftigen Kämpfen mit dem Feind, der aus dem sich immer enger schließenden Kessel auszubrechen versuchte, zumal der Druck von Norden her für ihn stärker fühlbar wurde. Die 371.Sch.Div. drängte sich allmählich im Raum Cerkowna und Stankowce zusammen. Ihr Ziel war offensichtlich, nach Süden auszubrechen, um wieder Anschluss an die eigenen Front zu bekommen.

Als das II./G.R.287 sich am 3.August in Kalna festgesetzt hatte, war auch der letzte Talweg nach Südosten versperrt. Der ganze Druck aus dem Kessel heraus lag jetzt auf der südlichen Einschließungsgruppe, rechts dem G.R.287 und links dem FEB 196 und dem G.R.283. Die beiden Regimentsgefechtsstände befanden sich unmittelbar am Kesselrand.

Am Nachmittag versuchte der Russe dort einen Ausbruch. Mit unerhörtem Einsatz von Granatwerfern, die er offensichtlich zu diesem Zweck massiert in Stellung gebracht hatte, und unter gleichzeitigen „Urräh“-rufen brach von einer Höhe nördlich der Gefechtsstände in Gegend Roztoczki in dichten Rudeln aus einem Waldgelände heraus und versuchte, über die Straße einer Höhe südlich davon zu erreichen. Die Grena- diere brauchten nur mit Gewehr und M.G. dazwischen zu halten. Aber der Russe stürzte unaufhaltsam wie blind darauf los. Die letzten Angreifer wurden buchstäblich vor den Mündungen der deutschen Waffen niedergemacht. Nur wenigen gelang es durchzuschlüpfen. In etwa 10 minuten war der ganze „Spuk“ vorbei. Das Vorgelände war dicht besät mit gefallenen und verwundeten Rotarmisten, die Verwundeten schrien um Hilfe und Betreuung, einige erhoben die Hände. Nachdem kein Angriff mehr zu befürchten war, wurden die Verwundeten eingesammelt und durch die deutschen Sanitätsoffiziere und –dienstgrade versorgt.

Ähnliche Abwehrkämpfe spielten sich im Nordteil von Roztoczki ab, wo das I./G.R.287 untermischt mit Teilen des FEB 196 den Gegner abwies, während Major Schlegel mit seinem Stab und einigen Gruppen die Höhe 682 hielt. Auch bei Kalna wies das II./G.R.287 heftige Ausbruchsver- suche ab. Nur schwache Teile des Feindes konnten sich unter Zurücklassung allen Kriegsgeräts durch Lücken im Einschließungsring durch die Wälder retten.

Am Westrand des Kessels, beim G.R.284, war die Division bis in die Artilleriestellungen und Sanitätseinrichtungen des Russen gestoßen. Leider konnte das Material nicht geborgen werden, da noch am Abend des 3.August der Befehl zum Rückmarsch eintraf. Die Truppe konnte jedoch wertvolle Pferde als willkommene Beute mitführen, auch reichlich Bestände an Verpflegung wurden vorgefunden und kamen der Truppe zugute.

Dieser Waffenerfolg fand seine besondere Anerkennung durch Nennung der 96.Inf.Div. im Wehrmachtsbericht.

Schon in der Nacht zum 4.August begann der Rückmarsch nach Skole auf den gleichen Wegen. Die San.Kp. 1/196 hatte wieder einen erheb- lichen Verwundetenanfall zu versorgen.

Allgemein wurde bedauert, dass die Ruhe in diesem freundlichen Gebirgsstädtchen nicht länger sein konnte. Es standen schon wieder neue Aufgaben an einer anderen Frontstelle in Aussicht. Trosse und Kolonnen waren schon in Bewegung. Das FEB 196 gab seinen ganzen Bestand mit Ausnahme des Stammpersonals an die Regimenter zum Auffüllen ab. Major Schlegel führ mit dem Stamm zur Armee-Waffen-Schule nach Munkatsch, um dort sein Btl. neu aufzufüllen. Das Ergänzungspersonal, das er dort während des Monats August eingliedern und ausbilden sollte, entstammte aufgelösten Divisionen aus dem Kessel nordwestlich Zlozow vom XIII.A.K. mit der Korpsgruppe C, es waren die 340., 349. und 361.Inf.Div.