96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel VI
02.10.1944 - 05.10.1944
Nach herausziehen aus der Front stand die 96.Inf.Div. zur Verfügung der 1.Panzerarmee in der Slowakei. Zunächst versammelte nach Ungarn vorgesehen, da der Div.Stab nach Ungvar in Marsch gesetzt wurde. Doch schon am 2.oktober kam ein anderer Befehl und die Watzmänner zogen wieder nach Norden, wo die Division bis zum 7.Oktober dem XXIV.Panzerkorps unterstellt war. Auf dem Schauplatz des Sonderunter- nehmens „Schwarzwald“ der Kampfgruppe Lorenz vom September erfolgte die Versammlung in und bei Stropkow und Svidnik. Das Wetter war herbstlich und unfreundlicher geworden.
Marsch in der Raum Gorlice-Dukla
Skizze 34 im Register
06.10.1944
Am 6.Oktober verlegte die Division nach Vysni Svidnik. Teile wurden vereinzelt als Sicherungstruppen abgestellt, so schon am 5.Oktober das G.R.287 nach Kruzlowa, 6 km nördlich von Svidnik, ohne das es zu Feindberührungen kam.
07.10.1944
Vom 7.Oktober an rollte die Division im Lkw.-Transport durch die karpatendeutschen Siedlungen von Bartfeld, auf Slowakisch; Bardejov, zu neuem Einsatz.
08.10.1944
Vom 8.Oktober an unterstand die Division innerhalb der 17.Armee (General d.Inf. Schulz) dem XI.SS-Panzerkorps (General d. Waffen-SS Kleinheisterkamp). Auftrag war die Verteidigung in der allgemeinen Linie Suchaniahöhe 585 bei Polany, Dianahöhe 696, Dorf Lysa Gora, Siedliska (ostwärts Zmigorod), Poraj. Der linke Flügel der Division lag damit etwa 30 km ostwärts von Gorlice an der Straße nach Dukla.
Es wurden eingesetzt: G.R.284 (Major Gunowski) mit I.Btl. (Hauptmann Goede) und II.Btl. (Hauptmann Sehnert) beiderseits der Suchaniahöhe bis zum Südhang der Dianahöhe, anschließend auf der Dianahöhe das dem G.R.287 unterstellte Gebirgsjägerbataillon 1136, daran schloss sich nach Norden G.R.287 (Oberstleutnant Lorenz) mit I.Btl. (Oberleutnant Hofmann) und II.Btl. (Hauptmann Dressel) beiderseits Lysa Gora an und schließlich im Norden bis Poraj G.R.283 (Oberstleutnant v. Boeltzig) mit I.Btl. (Hauptmann Berninger) und II.Btl. Das Füsilierbataillon, das für den verwundeten Hauptmann Pipo Hauptmann Troschke führte, stand zur Verfügung der Division.
Westlich der Infanteriestellungen standen die Batterien des A.R.196 (Oberst Voigt) mit dem Schwerpunkt im mittleren Abschnitt, Abteilungs- kommandeure waren für I. Major Franke, II. Hauptmann Weber, III. Hauptmann Utermarck und IV. Major Fietz. Unter Hauptmann Graf v. Hardenberg wurde aus der Sturmgeschützabteilung 1196 und der Pa.Jg.Kp.196 die Panzerjägerabteilung 196 neu gebildet; sie verfügte über drei neuzeitlich ausgerüstete Kompanien, davon die 1. mit 7,5-cm-Pak auf Selbstfahrlafette, die 2. aus Sturmgeschützen 7,5-cm, die 3. aus 2-cm-Pak, jeweils 12 Geschütze, dazu noch ein Sturmgeschütz-Begleitzug beim Abteilungsstab. Das Pi.Btl.196 wurde noch von Hauptmann Kopper geführt, die Nachr.Abt. von Hauptmann Kunze und das FEB 196 von Major Bensch. Führer des Versorgungsregiments 196 war Rittmeister Nennecke.
General Wirtz, der nach seiner schweren Erkrankung aus dem Lazarett entlassen war, führte wieder seine Division mit Oberstleutnant i.G. Heck und Major i.G. v. Heymann als Generalstabsoffizieren und Major Lieberkühn als Divisionsadjutant. Der Div.Gef.Std. befand sich in Zwierzowa Ruska, 8 km westlich Katy. Die San.Kp.196 richtete in Bartne einen HVP und im Schloss Siary, kurz vor Gorlice, ein Ortslazarett, sowie in Swiatkowa, in der Nähe des Div.Stabes, ein frontnahes Divisions-Erholungsheim ein.
Das Korps erwartete einen neuen Angriff in erster Linie mit Schwerpunkt aus der Gegend um Jaslo und südlich davon auf Gorlice. Große Sorge bereitete der Division die Frage, wie sie bei einem feindlichen Durchbruch auf Gorlice versorgt und zurückgenommen werden könnte. Die Versorgungsstraße führte über Zmirgorod auf Gorlice und war bei einem solchen Angriff bereits in kürzester Zeit gesperrt. Die von Katy auf Swiatkowa und weiter nach Westen führende Straße war an Swiatkowa ein ungefestigter Gebirgsweg, der für schwere Fahrzeuge nicht benutzbar war. Es wurde daher sofort mit dem Ausbau der Straße zunächst bis Petna begonnen.
In der Folgezeit begann für die Truppe wieder die übliche Kleinarbeit und die Einrichtung des Stellungskrieges mit weitgespannten Fronten. Das Wetter war um diese Jahreszeit schon wieder recht unfreundlich geworden.
15.10.1944 - 31.10.1944
Verschiedentlich flackerte der Kampf auch heftiger auf, besonders um die wichtigen Höhen im südlichen Teil der Stellung. Am 15.Oktober griff der Russe beim II./G.R.284, Hauptmann Goede, die Suchaniahöhe an und konnte sich vorübergehend in deren Besitz setzen. Unter Einsatz der Regimentsreserve gelang es, die Höhe wieder zu nehmen. Hierbei zeichnete sich der 19-jährige Gefreite Grote, M.G.-Schütze im Pionierzug des G.R.284, so durch hervorragende Tapferkeit aus, dass er am 16.Oktober namentlich im Wehrmachtsbericht erwähnt wurde.
Ein weiterer Brennpunkt heftiger Kämpfe war die Dianahöhe im Abschnitt des G.R.287 (Oberst Lorenz); sie wurde auch das „Totenköpfle“ genannt. Diese Höhe gewährte bei klarem Wetter einen Blick bis weit in das Hinterland und war daher für die Beobachtungen der Artillerie und der schweren Waffen von hoher Bedeutung. Bis über Dukla hinaus konnte man von dort aus beobachten. In russischem Besitz hätte sie für den Feind eine ähnliche Bedeutung gehabt. So entbrannten um dieses „Totenköpfle“ während der ganzen Zeit heftige Kämpfe. Oft wechselte es den Besitzer.
Einsatzraum Dukla-Gorlice
Skizze 35 im Register
Gespannte Ersatzlage
01.11.1944 - 31.12.1944
Gegen Ende Oktober traf auch Ersatz ein, seine Zusammensetzung zeigte, wie angespannt die Ersatzlage war. Die Männer, die nun kamen, gehörten vorwiegend den älteren Jahrgängen an, zudem kam ein Teil von ihnen aus Bereichen, von denen man eine besondere Begeisterung für einen Fronteinsatz nicht mehr erwarten durfte. Da kamen Soldaten aus dem Elsass und Saarlothringen, deren Heimat nun schon zum großen Teil wieder in Händen der Franzosen war. Darüber hinaus kamen Angehörige der sogenannten „Volksliste III“ aus den Ostgebieten und aus Slowenien. Als Oberst Lorenz einigen von diesen die üblichen Fragen nach dem Woher und dem Familienstand stellte, bekam er von einem die Antwort „Nix verstehn!“. Dass ein solcher Ersatz für einen harten Einsatz nicht viel versprach, stand bei manchem fest.
Gleich in der ersten Nacht wurden 2 Grenadiere vom Ersatz, die auf Doppelposten standen, vom Russen abgeholt. Es wurde daher befohlen, Männer dieses Ersatzes nur einzeln mit einem von den alten Leuten einzusetzen.
Erst bis Anfang November hatte sich die Ersatzlage an Personal und Material so gestaltet, dass die Gren.-Regimenter wieder voll aufgestellt werden konnten. Bis dahin hatte man sich mit Zusammenlegung von Kompanien behelfen müssen. Selbst jetzt konnte natürlich die Sollstärke auch nicht annähernd erreicht werden. Aufschluss hierüber gibt ein Regimentsbefehl des G.R.284: „für die Wiederaufstellung des Regiments“ vom 06.11.44. Es ist anzunehmen, dass die Verhältnisse bei den anderen Gren.-Regimentern und Füsilierbataillon ähnlich lagen.
Das Regiment verfügte über 31 Offiziere einschl. der Sanitäts- und Veterinäroffiziere und der Offiziere im Truppensonderdienst (TSD), wie die Zahlmeister nun benannt wurden.
Die beiden Bataillone gliederten sich in je drei Schützenkompanien mit Kompanietrupp, Panzervernichtungstrupp, Scharfschützentrupp, zwei Züge und eine Verfügungsgruppe sowie Tross und eine schwere Kompanie (4. und 8.) mit ein bis zwei s.M.G.-Zügen (4 M.G.), einem mittleren Granatwerfer-Zug und Tross.
An Regimentseinheiten waren vorhanden:
Eine 13. (Infanteriegeschütz) Kompanie, voll bespannt, mit drei leichten Zügen (2 le.I.G.), einem schweren Zug (2 s.I.G.), einem schweren Granatwerfer-Zug ( 4 12-cm Gr.W.) und Tross, eine 14. (Panzerjäger) Kompanie, voll bespannt, mit einem Pz.Jg.-Zug (2-3 7,5-cm-Pak) und einem Panzerzerstörer-Zug, ausgerüstet mit „Panzerschreck“, dazu Tross, eine Stabskompanie mit Nachrichtenzug, Pionier-Zug mit einem gemischten Aufklärungs-Zug (je 1 Reiter- und Radfahrer-Halbzug) sowie Tross, dabei eine Instandsetzungsstaffel.
Die Masse der Trosse waren bespannte Fahrzeuge dabei viele Panjefahrzeuge. Das Personal der Trosse war durch strenge Befehle zahlenmäßig beschränkt, soweit möglich waren Fahrer- und ähnliche Stellen mit Hilfswilligen (Hiwis) besetzt.
Selbstverständlich spielten sich an der ganzen Front wiederholt Stoßtruppunternehmen ab, um Gefangene einzubringen und damit wichtige Nachrichten über gegenüberliegende Truppen, Feindabsichten und dergleichen einzuziehen. Mitte November setzten die ersten Schneefälle ein. Da gab es zunächst viel Matsch, erst mit Einsetzen des Frostes wurde das Gelände wieder erträglicher. Anfang Dezember wurde der Abschnitt weiter nach Norden ausgedehnt, so dass auch ein zweiter HVP in Pielgrzymka (8 km westlich Zmirgorod) notwendig wurde. Die beiden Flügel- regimente tauschten ihre Stellungen, damit lagen in der letzten Zeit das G.R.283 (Oberstleutnant v. Boeltzig) im Süden und das G.R.284 (Major Gunowski) im Norden.
Durch die dreimalige Nennung im Wehrmachtsbericht im Jahr 1944 hatte sich die 96.Inf.Div. in der Heimat einen guten Namen gemacht. Dies mag ein Grund gewesen sein, warum sie Ende November einen sogenannten „Stoßtrupp“ von Soldaten mit höchsten Tapferkeitsauszeichnungen auf Einladung der Gauleitung nach Hannover zu entsenden hatte. Den „Stoßtrupp“ führte Oberst Lorenz, der Eichenlaubträger, und 10 Unteroffiziere und gefreite gehörten dazu. Für alle Teilnehmer war es einmal ein sehr angenehmes „Stoßtruppunternehmen“, und verbunden damit war ein dreiwöchiger Urlaub.
"Stoßtrupp der Tapferen"
Der Eichenlaubträger Oberst Lorenz mit dem "Stoßtrupp der Tapferen" beim Wehrbereichskommando XI in Hannover im Dezember 1944. Links neben ihm General Lichel.
Nachdem Oberst Lorenz am 29.November sein Regiment an Oberst Voigt, den Kommandeur des A.R.196, als Vertreter übergeben hatte, meldete er sich mit seinem „Stoßtrupp“ am 30. November bei General Wirtz ab. Zunächst wurden Ersatztruppenteile des Wehrkreises Hannover und HJ-einheiten des Gebietes Niedersachsen in Hannover, Hameln, Holzminden und Goslar besucht, dann fuhren die 10 Teilnehmer auf Urlaub, um Weih- nachten im Kreise ihrer Familien zu verleben. Nur Oberst Lorenz wurde diese Freude durch einen Wermuts- tropfen getrübt, nach Beendigung dieses Unternehmens lag beim Stellv. Generalkommando in Hannover bereits ein Fernschreiben für ihn vor, das ihn sofort zur Truppe zurückrief. Ein neuer Einsatz der Division stand bevor.
Anfang Dezember erfolgte bei der Division ein Wechsel im Kommando. General Wirtz, der eineinhalb Jahre an der Spitze der 96.Inf.Div gestanden und sie in vielen harten Kämpfen geführt hatte, wurde versetzt, um in seiner alten Stammwaffe als General der Pioniere im Stab des Feldmarschall Model an der Westfront Verwendung zu finden. Sein Nachfolger wurde ein bewährter Frontoffizier der Infanterie, der sich schon 1942 als Bataillons- kommandeur in I.R.469 der „69.Inf.Div. bei Lodwa unweit Pogostje des Ritterkreuz verdient hatte. Oberst Harrendorf traf am 4.Dezember ein und übernahm sofort die Führung, wobei er sehr schnell Fühlung mit seinen Offizieren und der Truppe bekam. Fast gleichzeitig wurde auch Oberstleutnant i.G. Heck, der hochbewährte 1.Generalstabsoffizier zur Verwendung in gleicher Stelle zu einer neu aufgestellten Marine-Division versetzt. Sein Nachfolger wurde Major i.G. Burchardt.
Am 12.Dezember fand in Siwerz eine Kommandeursbesprechung statt unter Leitung des Oberbefehlshabers der 17.Armee, General Schulz. Hier wurden zum ersten Mal die gewaltigen Aufmarschvorbereitungen des Russen im Weichselbogen besprochen, die man nur mit größter Besorgnis aufnehmen konnte. Dort braute sich der Anfang vom Ende zusammen!
Am 14.Dezember gab Major Gunowski das G.R.284, das er nur kurze Zeit geführt hatte, an Major Magawly ab, der nach seiner schweren Ver- wundung nun wieder zur Division zurückgekommen war. Am gleichen Tag konnte der Divisionskommandeur dem Obergefreiten Gerdts, 3./A.R.196, das wohlverdiente Ritterkreuz umlegen.
Zur Belohnung für den pausenlosen Einsatz in Jahr 1944 sollte die 96.Inf.Div. Mitte Dezember abgelöst werden und die Weihnachtszeit in Ruhe- quartieren um Tarnow, rund 75 Kilometer ostwärts Krakau, verbringen. Der Befehl hierzu traf am 17.Dezember ein und schon am folgenden Tag konnte der Div.Stab nach Zythowska Gora nahe bei Tarnow verlegen. Die Bataillone wurden nach und nach aus den Stellungen gezogen, die letzten am 24.Dezember.
So konnten die Watzmänner das letzte Kriegsweihnachten noch einmal in Ruhestellungen feiern. Die Gedanken der „Alten“ gingen zurück zu den vergangenen Weihnachtsfeiern: 1939 am Oberrhein, 1940 in der Heimat, 1941 an der Newa, 1942 im „Flaschenhals“ bei Schlüsselburg und 1943 am Wolchow. Und jedes Mal sei 1941 das Fest am Vorabend neuer Kämpfe und Einsätze gestanden, der Gedanke lag auch diesmal nahe. Aber nun gab man sich erst einmal wieder der Lebensfreude hin. Die Zuteilungen waren noch erfreulich groß und in den Kompanien, Batterien, Kolonnen und Stäben herrschte rechte Festfreude. Man genoss nach Soldatenart die Gegenwart und machte sich keine unnütze Sorge um die nahe Zukunft. Und die neue Verwendung sollte nicht lange auf sich warten lassen.