3.1. Kampf um Zborow

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16.07.1944

Neue schwere Kämpfe um Zborow standen den Watzmännern bevor, hier, wo vor genau 27 Jahren, im Juli 1917, eine deutsche 96.Inf.Div. im Kampf gegen die Russen gestanden hatte.

Nördlich von Zlozow und bei Brody war die ganze Front ins Wanken gekommen. Schon am 16.Juli hatte der Feind den oberen Bug erreicht, am 22. stieß er auf Lemberg zu. Damit war die tiefe Flanke der Gruppe Wirtz mit 96. Und 357.Inf.Div. bedroht. Aber zunächst musste sie mit Rücksicht auf die Front weiter südlich bei Zborow als Eckpfeiler stehen bleiben. Dieser Auftrag stellte noch einmal hohe Anforderungen an die Standfestigkeit der Watzmänner.

Rückzugsweg Zborow - Stryj

Skizze 30 im Register

17.07.1944

In den Morgenstunden liefen die Bewegungen der Nacht vom 16. zum 17.Juli aus und die Truppenteile rückten in die befohlene Verteidigungs- stellung in Linie Podhrebce, Zborow, Tuustoglowy, Höhe 411, Bykow. Der rechte Flügel mit G.R.287 stand hinter der Strypa bei Podhrebce. Das FEB 196 stand zunächst noch vorwärts der Strypa bei den ostwärtigen Vororten von Zborow. Hier griff der Russe schon am Morgen an. Die blutjungen und mangelhaft ausgebildeten Rekruten waren diesen schweren Eindrücken nicht gewachsen, so dass es vor allem bei der 3.Kp. zu einem fluchtartigen Zurückgehen kam. Major Bensch fing die zurückgehenden Teile mit seinem II./G.R.287 in Zborow auf. Das FEB 196 wurde dann am Bahndamm nördlich des Ortes wieder eingesetzt.

Das G.R.284 mit unterstellten Füsilieren war nach 25 km Nachtmarsch beim Bahnhof Zborow, 4 km nördlich des Ortes, eingetroffen. Ihm war die Stellung zwischen Tostoglowy und Höhe 411, 2 km nördlich des Bahnhofes, zugewiesen worden. Es waren von der Ortskommandatur Stellungen ausgebaut worden, die Gräben aber noch nicht tief genug. Ein Graben zog sich durch die Getreidefelder auf den Höhen zwischen der Strypa und der Mala Strypa. Dort lag die vom Korps befohlene HKL. Das II.Btl. musste sich schon die Gräben der Höhenstellung von eingesickerten Rot- armisten freikämpfen und kam beim Freimachen des Schussfeldes in das Feuer der schweren Waffen des Feindes vom anderen Ufer. Der Regimentskommandeur war damit einverstanden, dass das Btl. gar nicht erst versuchte, die tief gelegenen, ungünstigen Stellungen an der Mala Strypa in Besitz zu nehmen, während der Divisionskommandeur auf Durchführung des Korpsbefehls drang. Doch die Verhältnisse waren stärker, es blieb bei der Höhenstellung.

Das G.R.283 (Clausen) war im letzten Teil des Divisionsabschnittes zur Abwehr eingesetzt. Links herausgestaffelt sicherten die Panzerjäger der Division südlich Zlozow. Um das Loslösen der 357.Inf.Div. vom Feind zu erleichtern, setzte General Wirtz eine schwere Pz.Abt. mit „Elefanten“ über Bahnhof Zborow bei Höhe 411, wo das Füs.Btl.96 stand, ein. Die „Elefanten“ waren ein nur in geringer Zahl vorhandener deutscher Panzertyp schwerster Art von 60 t mit verlängerter 8,8-cm-Kanone. Diese Panzer konnten das Feuer schon auf weite Entfernung eröffnen und waren allen russischen Panzern überlegen, so dass diese den Kampf mit ihnen gerne vermieden. Die „Elefanten“ stießen mehrfach nach Norden vor und erleichterten des Absetzten der 357.Inf.Div. sehr. Den ganzen Vormittag des 17.Juli regnete es, aber das nahm man gern in Kauf, da man Ruhe vor der russischen Luftwaffe hatte. Als es dann mittags aufklärte, waren die Störenfriede bald wieder da.

Jagdpanzer VI - Elefant (Sd. Kfz 184)

Erhebliche Schwierigkeiten machte das Absetzen der Sanitätseinrichtungen, der Kolonnen und Trosse sowie anschließend der zahlreichen Batterien und Gefechtsfahrzeuge. Beide Divisionen waren auf die einzig brauchbare Rückzugsstraße Pomorzany, Dunajow, Przemyslany ange- wiesen. Zu den Bewegungen der Truppen kamen noch Flüchtlingstrecks der Bevölkerung. Pomorzany war zeitweise so verstopft, das es nur der Energie der Verkehrsregelungsorgane zu verdanken war, dass die Bewegung wieder in Fluss kam. Einige schwere Geschütze mussten gesprengt werden, weil die Zugmaschinen ausgefallen waren. Für das Pi.Btl.196 gab es reichlich Aufgaben an den verschiedenen Flussübergängen, besonders an zwei Armen der Zlota Lipa und der Gnila. Der Div.Gef.Std. befand sich vom 17. bis 20.Juli in Zloby.

Die drei Tage auf den Höhen nördlich Zborow wurde für das G.R.284 und das Füs.Btl.96 zu Kampftagen von höchster Beanspruchung und Bewährung. Dauernd lag schwerstes Feuer des Gegners auf den Stellungen und dem Hintergelände. Immer wieder rannte seine Infanterie an, drang in die Höhenstellung ein und wurde im Gegenstoß wieder geworfen. Die Höhen mussten um jeden Preis gehalten werden und diese Aufgabe konnte nur durch eine sehr wendige und bewegliche Verteidigung gelöst werden.

18.07.1944

Am 18.Juli wog der Kampf auf dem Höhengelände nördlich Zborow wild hin und her. Der Russe arbeitete sich am Bahndamm und durch die Mulden vorwärts, unterstützt vom Feuer seiner Artillerie und Granatwerfer. Die Höhe ging verloren, die Verteidiger krallten sich am Bahndamm fest. Oberstleutnant Gehrke schickte seinem II./G.R.284 zwei Sturmgeschütze, mit ihnen trat das Bataillon zum Gegenangriff an, Hauptmann Sehnert selbst mit Männern seines Stabes bei der 7.Kp., in der Mitte die 6. Unter Feldwebel Voß und links die 5. Unter Leutnant Ottensmeier. Sie machten ihre Sache hervorragend wie bei einer Besichtigung. Graben für Graben wurde dem zäh verteidigenden Russen genommen, die Verluste waren auf beiden Seiten erheblich, doch das Btl. brachte eine größere Anzahl von Gefangenen ein. Etwa gleichzeitig spielte sich der Kampf beim I./G.R.284 und beim Füs.Btl.96 ab. Die Grenadiere und Füsiliere hielten unerschütterlich. Es waren Ehrentage des Grenadierregiments 284 und des Füsilierbataillons 96 auf diesen Höhen zwischen der Mala Strypa und der Strypa.

Weniger erfreulich entwickelte sich die Lage nördlich des Regiments. Bei Kabarowce brach der Russe ein und stieß in die Nordflanke, gegen Abend näherte er sich von rückwärts schon dem Rgt.Gef.Std. auf wenige hundert Meter. Schon wieder zeichnete sich die Gefahr der Ein- kesselung ab. Der Nordflügel der Gruppe Wirtz stand bei Rykow an der Straße Zlozow – Zborow. Auch das G.R.287 hatte an diesem Tag heftige Kämpfe zu bestehen. Die 3./FEB 196 wurde auf dem linken Flügel des Regiments eingeschoben. Für Lorenz lag die Hauptsorge bei seinem rechten Nachbarn, dem G.R.949, das vom Feind hart bedrängt wurde.

Für die Sanitätseinheiten begannen ebenfalls recht schwere Tage. Der Verwundetenanfall war schon seit dem 14.Juli sehr stark, doch hatte man die Versorgung und Unterbringung beim Verbandsplatz in Podhrebce noch in vorbereiteten, gedeckten Bunkern durchführen können und der Abschub war eingespielt. Nun begann die Wanderschaft wieder, alle ein oder zwei Tage mussten die Verbandsplätze gewechselt, alle Ein- richtungen improvisiert werden. San.-Formationen und ihre Verwundeten waren dem Beschuss und den Fliegerangriffen ausgesetzt, der Ab- transport der Verwundeten auf überfüllten Straßen brauchte viel Zeit und Kräfte.

19.07.1944

Der 19.Juli wurde erneut ein heißer Kampftag, Gehrkes Grenadiere und Füsiliere schmolzen zusammen, aber sie hielten eisern als Eckpfeiler nördlich von Zborow. Dabei waren sie sich bewusst, dass es höchste Zeit wurde, wenn man sich der Umklammerung noch entziehen wollte, denn die Umfassung des Nordflügels wurde immer spürbarer. Auf dem Südflügel der Division hatte der Russe die Strypa überschritten und bedrohte die einzige Rückmarschstraße. Das G.R.283 mit dem Stab und der 1.Kp. des FEB 196 bezog eine Aufnahmestellung bei Jezierzanka; Major Schlegel fing die zurückgehenden Bataillone des G.R.949 auf und setzte sie wieder ein, rechts beiderseits der Höhe 391 das I./G.R.949 und anschließend nach Nordosten seine 1./G.R.283, daneben das II./G.R.949.

Inzwischen wurde in aller Eile eine neue Stellung in der allgemeinen Linie Pomorzany, Krasnosielce ausgehoben, auf die die Gruppe Wirtz zurück- gehen sollte. Zu einer Verteidigung dieser Stellung sollte es aber nicht mehr kommen, da durch einen neuen Funkspruch die Zurücknahme auf die gut ausgebauten Stellungen hinter der Zlota Lipa und der Gnila befohlen wurde.

20.07.1944

Im Morgengrauen des 20.Juli löste sich das G.R.284 in fast letzter Minute vom Feind und ging zusammen mit dem Füs.Btl.96 über die Strypa auf die Höhen entlang der Straße Zborow, Zlozow zurück. Wieder standen rechts das II., links das I.Btl. mit dem Füs.Btl.96. Rechts vom II.Btl. waren Teile des FEB 196 eingesetzt. An der Naht zwischen diesen beiden Bataillonen gingen am Vormittag 2 „Elefanten“ in Stellung, die sehr bald den vorgehenden Feind auf den Höhen um Tustoglowy unter wirkungsvolles Feuer nahmen. Bald nach Mittag wurden die beiden schweren Panzer zu anderer Verwendung herausgezogen. Im Übrigen waren die Watzmänner froh, dass dieser Tag wesentlich ruhiger verlief als die vergangenen. Man spürte allerdings, dass des Bleibens hier nicht lange sein konnte, wenn gleich die Artilleristen sehr eifrig im Einrichten von B-Stellen und Nachrichtenverbindungen waren. Am Nachmittag traf auch der Befehl zum Absetzen um 22 Uhr ein.

Am Spätnachmittag setzte dann noch ein Feindangriff ein, der sich von Mlynowce her entwickelte und sich besonders gegen Mitte und linken Flügel des G.R.284 richtete. Es entwickelte sich bis zum Einbruch der Dunkelheit ein erbittertes Gefecht, das erst kurz vor dem Absetzen im Nahkampf entschieden werden konnte und der Einsatz der letzten Handgranatenvorräte. Nun konnte der Abmarsch ungestört angetreten werden, nachdem die Kompanien des FEB 196 schon früher ihre Stellungen verlassen hatten.

Durch die dunkle, mondlose Nacht zogen die Watzmänner nach Westen ab, voraus die letzten Batterien, die noch am Feind geblieben waren, hinter ihnen die Infanterie. Sie ahnten nichts von dem, was sich an diesem Tag im Führerhauptquartier und in Berlin abgespielt hatte. Und was sie in den nächsten Tagen hörten, beeindruckte sie nicht stark, weil sie die Zusammenhänge nicht übersahen und vor allem, weil sie sehr viel näherliegende Sorgen hatten und das sollte die ganze nächste Zeit so bleiben.