96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel VI
04.08.1944 - 08.08.1944
Nachdem die rückwärtigen Dienste der Division sich zum Teil bereits auf dem Marsch in den neuen Einsatzraum befanden, erfolgte nach am 5.August die Verladung der fechtenden Teile auf Lkw-Kolonnen. Marschziel war der Raum südlich Sanok.
Die Bewegungen vollzogen sich im Wesentlichen auf zwei verschiedenen Marschstraßen. Die fechtenden Teile rollten auf Lkw-Kolonnen ostwärts der Kammlinie des Gebirges über Tuchalko, Matkow, Komarniki, Turka, Lomna, Ustryka, Lesko nach Tarnawa. Unterwegs besuchte General Wirtz die Truppen und sprach ihnen seine Anerkennung für die Leistungen bei der Vernichtung der 371.Schützendivision aus. Die anderen Teile über- querten die Karpaten in der Karptoukraine über Szolyva und fuhren über Munkatsch am Nordrand der ungarischen Tiefebene entlang und kamen über Ungvar in Ungarn nach Michalovce in der Slowakei, wo sie nach Norden in das Laboratal einbogen, um über den Medzilaborzapass den Raum Sanok zu erreichen.
09.08.1944
Vom 9.August an traf die Division südlich Sanok ein und wurde hier vom Pz.AOK 1 dem XXIV.Pz.K. (General d.Pz.T. Nehring) unterstellt. Der Div.Gef.Std. wurde in Tarnawa eingerichtet, wo er bis zum 11.August bleiben sollte.
Hier erhielt die Division vom Generalkommando den Auftrag, sich in der allgemeinen Linie Zagorz (nahe der Mündung der Oslawa in den San), Höhen hart südlich Sanok, Markowce, Dudynce zur Verteidigung einzurichten. Das Gelände war ein im Osten stärker, im Westen weniger bewaldetes Hügelland mit Höhenunterschieden von 50 bis 100 Meter zwischen Täler und Höhen. Nach Süden zu stieg es weiter an; etwa 16 – 20 km hinter der HKL erstreckte sich, fast gleichlaufend mit ihr, der bewaldete Mittelgebirgszug der Bucowice mit Höhenzahlen um 750 m als vorderster Rand der Karpaten, 20 km südlich davon lag der Medzölaborzapass.
12.08.1944
Am 12.August gingen die Gefechtsstände der Division und des A.R.196 nach Rokowsko an die Nahtstelle des mittleren und linken Abschnitts der Division, wo sie bis zum 6.September blieben.
Während die Division sogleich mit der Ablösung der im neuen Einsatzraum befindlichen Teile begann, wurde das G.R.287 vom 8. bis 11.August der 1.Pz.Div. (Generalmajor Marcks) unterstellt. Oberstleutnant Lorenz löste nördlich des San, etwa 10 km ostwärts von Sanok an der Passstraße nördlich Zalluz, Teile dieser Panzerdivision ab. Bald nach der Ablösung, noch am 9.August, hatte das Regiment schwere feindliche Angriffe abzu- wehren. In der Nacht setzte es sich nach Südosten auf das Höhengelände nördlich Monasterce ab, wo es am 10. Wiederum alle Angriffe ab- schlug. Am 11.August kam es noch bei Bezmichowa zu kleineren Gefechten.
Am nächsten Tag wurde das Regiment zur Division entlassen und löste auf dem rechten Flügel Teile der 208.Inf.Div. ab. Es waren jetzt in der neuen Stellung eingesetzt: rechts die der 96.Inf.Div. unterstellte 18.SS-Gren.Brig. (SS-Oberführer Trabandt) beiderseits Zagorz am San, an- schließend G.R.297 (Oberstleutnant Lorenz) nördlich Zahutyn, beiderseits Stoze Ml., in der Mitte G.R.284 (Oberstleutnant Gehrke) anschließend bis Markowce, links bis an den Wald westlich Pielna G.R.283 (Oberst Koboldt), der mit einer Kampfgruppe zur 96.Inf.Div. gestoßen war und nun das Regiment übernahm; dort bestand Anschluss an die 68.Inf.Div. mit deren G.R.169. Das Füs.Btl.96 stand meist in Wolica als Div.-Reserve und wurde als „Feuerwehr“ bald hier, bald da nach Bedarf eingesetzt.
Das A.R.196 hatte seine Abteilungen in breiter Front in der Tiefe des Kampffeldes eingesetzt, je eine auf Zusammenarbeit mit den Grenadier- regimentern angewiesen; die schwere IV.Abteilung überlagerte. Feuerzusammenfassungen der Mehrzahl der Batterien vor die einzelnen Ab- schnitte war vorbereitet. Die St.Gesch.Abt.1196 (Hauptmann Graf v. Hardenberg) und die Pz.Jg.Kp.196 (Hauptmann Kölbl) standen zur Ver- fügung der Division und bereiteten alle Einsatzmöglichkeiten vor.
Das Pi.Bt.196 unter Hauptmann Kopper arbeitete an der Verstärkung der Brücken für schwere Lasten und Panzer, Tarnung der Annäherungs- wege gegen Sicht, Erkundung und Bezeichnung neuer Wege und Ausbau der rückwärtigen Stellung.
In Plonna hinter der Mitte des Div.-Abschnitts richtete die San.Kp. 1/196 den HVP ein, der Verwundetenabschub lief über Szczawne, wo die Umschlagstelle der San.Kp. 1/196 lag.
Marschweg Skole - Sanok
Skizze 32 im Register
Gleich in den ersten Tagen begann der Russe im ganzen Div.-Abschnitt die Front abzutasten. Bei den Gren.-Regimentern 287 und 284 wurden kleinere Angriffe im Wesentlichen abgewehrt und einzelne Einbrüche im Gegenstoß bereinigt, mehrmals wurde hierzu auch das Füs.Btl.96 (Hauptmann Fastenrat) herangezogen. Anders war es beim G.R.283. Beim linken Nachbarn, der 68.Inf.Div., war dem Feind Mitte August ein größerer Einbruch gelungen. Er drehte dann mit Teilen ein, stieß in die Flanke des G.R.283 und nahm das Dorf Dudynce. Auf Befehl der Division bereitete Oberst Koboldt einen planmäßigen Gegenangriff mit starker Feuerunterstützung durch zahlreiche Batterien des A.R.196 vor. Die Bereitstellung erfolgte im Wald ostwärts der Höhe 541. Der Angriff hatte vollen Erfolg, es gelang, den Russen bis nahe an die große Straße Sanok, Besko zurückzuwerfen.
Bis zum Beginn des nächsten großen Feindangriffs am 8.September spielte sich nun wieder der übliche Kleinkrieg des Stellungskampfes ab. Beide Parteien betrieben eine rege Späh- und Stoßtrupptätigkeit, es gab kleinere Angriffe und Artilleriekampf. Viele Einzeltapferkeitstaten wurden in dieser Zeit in stiller, treuer Pflichterfüllung getan, so von dem Ritterkreuzträger Feldwebel Knaul vom Füs.Btl.96 und Oberfähnrich Kunze von der 14./G.R.287, die zeitweise infanteristisch eingesetzt waren, wie auch von manchen anderen.
In diese Zeit der Stellungskämpfe fielen eine ganze Anzahl organisatorischer Maßnahmen. Für die Division trat die Stärkenachweisung und Gliederung einer Infanterie-Division „neuer Art 44“ in Kraft. Das Soll wurde auf 12352 Köpfe, davon 387 Offiziere, festgesetzt. Bei der Aufstellung 1939 hatte die Stärke etwa 17200 betragen. Es sei bemerkt, dass die neue Sollstärke niemals erreicht wurde. Die Feuerkraft wurde durch vermehrte Zuführung von Schnellfeuerwaffen und eine wesentliche Verstärkung der Panzerabwehr gehoben. Bei den Grenadierregimentern fielen die dritten Bataillone endgültig fort, doch das war praktisch schon seit Frühjahr 1942 der Fall. Die Panzerjägerkompanien der Gren.-Regimenter erhielten wieder 7,5-cm-Pak und der Bestand der Infanterie-Geschütz-Kompanien wurde ergänzt. Die Gliederung des Artillerieregiments blieb im Wesentlichen die gleiche, nämlich 36 leichte Feldhaubitzen 10,5-cm in den 9 Batterien der 3 leichten Abteilungen und 12 schwere Feldhaubitzen 15-cm in den 3 Batterien der schweren Abteilung; alle Geschütze waren pferdebespannt.
Die Panzerjägerkompanie 196 wurde mit 7,5-cm-Pak auf Selbstfahrlafette ausgerüstet in 3 Zügen zu je 4 Kanonen. Die aus Ostpreußen zuge- führte Sturmgeschützabteilung 1196 führte 12 Sturmgeschütze 7,5-cm.
Die Versorgungstruppen wurden unter dem bisherigen Divisionsnachschubführer im Versorgungsregiment 196 zusammengefasst. Hierbei wurden aus den beiden Kraftfahrkolonnen und der Betriebsstoffkolonne eine Kraftfahrkompanie und aus den Fahrkolonnen zwei Fahrschwadronen gebildet, dazu blieben Nachschubkompanie, Feldzeugkompanie und die bisherigen Instandsetzungsdienste bestehen.
Die Sanitätsdienste wurden ebenfalls ungegliedert. Die San.kp. 2/196 schied aus dem Divisionsverband aus und wurde abgegeben. Die San.Kp.196 hatte nun die gesamte Verwundetenversorgung zu leisten, bisher nur teilmotorisiert, wurde sie nun vollmotorisiert. Der II. und III.Zug wurden so ausgestattet, dass sie selbständige HVPs bilden konnten. Die Krankenkraftwagenkompanie wurde auf einen Zug zurück- gebildet. Vorübergehend übernahm Oberstabsarzt Dr. Baas vom A.R.196 die Führung der San.Kp.196, bis Ende des Monats August Oberstabsarzt Dr. Gratz ihr Chef wurde.
In den ersten Septembertagen wurde auch das neu aufgestellte Feldersatzbataillon wieder an die Front herangezogen. Major Schlegel gab es an Major Bensch ab, als er selbst in Vertretung das G.R.283 übernahm.
Die Grenadierregimenter und besonders das wiederum stark geschwächte G.R.283 wurden personell von anderen aufgelösten Einheiten aufge- füllt. Die 357.Inf.Div., die von Zborow her bekannt war, stellte einen erheblichen Anteil, dabei befand sich Oberleutnant Wanzenberg.
Das stark zusammengeschossene Füsilierbataillon wurde auch wieder einmal aufgefüllt. Das II./G.R.1070 (Hauptmann Mengerle) wurde Anfang September eingegliedert. Es war ursprünglich ein rein bayrischer Truppenteil der „Walküre“-Formationen gewesen und seit Juli bei der HGr Nordukraine im Einsatz.
Das Pionierbataillon hatte zu seinen drei Kompanien seit Ende 1943 als 4.Kp. die sogenannte „Ostlandkompanie“ hinzubekommen. Diese Bezeichnung sollte hinfort nicht mehr geführt werden, da ihr auch andere Hilfswillige als nur aus den Ostvölkern angehörten. Diese Kompanie, die während der Kämpfe im Juni/Juli beim Holzeinschlag im Raum Biale Podlaska für das dortige Sägewerk zur Herstellung von Bunkerhölzern für den Stellungsbau eingesetzt war, befand sich im August in der Karpaten bei Wegeausbesserungen und nun im Stellungs- und Straßenbau.
Es war verständlich, dass am Ausgang des fünften Kriegsjahres und nach den ungeheueren Materialverlusten an der Ostfront und neuerdings auch an der Westfront, wo die angloamerikanische Invasion geglückt war sowie an der Front in Italien auch materiell die Sollstärken nicht erreicht wurden. Aus Aufzeichnungen, die ein Sachbearbeiter der Abt. Ib des Divisionsstabes am 6.September gemacht hat, seien einige Zahlen zur Kennzeichnung der Kraftfahrzeuglage genannt:
Typ: Bestand (Soll)
Kräder: 51 (153)
Mit Beiwagen: 7 (35)
Leichte geländegängige Pkw: 10 (120)
Leichte Lkw: 27 (27)
Instandsetzungskraftwagen: 0 (8)
Mittlere Lkw offen: 59 (135)
Mittlere geländegängige Lkw: 2 (38)
Kettenkräder: 2 (19)
Raupenschlepper Ost: 8 (58)
Krankenkraftwagen: 16 (16)
…
Nachdem die 18.SS-Gren.-Brig. wieder herausgezogen und im Zusammenhang mit dem Sonderunternehmen „Schwarzwald“ weiter Kräfte abgegeben werden mussten, streckten sich die Abschnitte der Regimenter immer mehr. Ende August wurde daher das Füs.Btl.96 auf dem rechten Flügel der Division eingesetzt, unmittelbar am San-Ufer.
Zu Beginn des Monats September erkrankte General Wirtz schwer an Gelbsucht und Wolhynischem Fieber, er musste ins Lazarett. Für zwei Tage vertrat ihn Oberst Koboldt, am 7.September übernahm Generalmajor Dürking die Führung der 96.Inf.Div. in Vertretung.
Der Stellungskrieg brachte auch laufend Verluste. Die San.Kp.196 hatte in der Zeit vom 1. bis 31.August 587 Verwundete zu betreuen, was auf etwa 120 bis 150 Gefallene schließen lässt.
Die allgemeine Kriegslage war jetzt an der gesamten Ostfront vom Schwarzen Meer über die Karpaten, die Weichsel beiderseits Warschau bis nach Ostpreußen und zum abgesplitterten Kampfraum in Kurland, also der mittleren Ostsee, ausgesprochen angespannt. Mit weiteren russischen Angriffen war zu rechnen.