2.1. Einsatz bei Jezierna
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Kapitel VI - 2 - Unterseiten
11.05.1944
Es wurde ein gemischter Transport. Die pferdebespannten Waffen und Trosse verluden auf die Bahn und rollten über Stanislau, Chodorow, Lemberg, Zloczow nach Zborow. Die Fußtruppen wurden auf LKW-Kolonnen verladen und fuhren ebenso wie die mot. Teile im Landmarsch über Buczacz, Monasterzyska, Podhajce, Brzezany, Pomorzany in den Raum Zborow. G.R.284 rollte von Koropiec (Dnjestr) über Stanislau, Halicz, Rohatyn, Przemyslany, Zloczow nach Zborow. Verladung und Landmarsch gingen nicht ohne Störung durch Ratas, die einige Verluste verur- sachten, vor sich.
Der neue Stellungsabschnitt, der der Division zugewiesen wurde, hatte eine Ausdehnung von gut 15 km. Er lag auf dem westlichen Ufer der Wysußka, eines Nebenflusses der Strypa, die westlich der Stellung durch Zborow floss. Der Bachgrund hatte zum Teil feuchte Wiesen und wurde von den umgebenden Höhen um 20 bis 35 m überragt. Das Gelände war vollkommen waldlos, ein flachwelliges Hügelgelände mit Mulden und verschiedenen Hohlwegen. Hinter dem rechten Flügel, der bei Slobodka stand, lag ein von der Strypa durchflossener See. Im nördlichen Teil der Stellung bildete die Ortschaft Jezierna den Schlüsselpunkt des Frontabschnitts, da hier die große Straße Tarnopol, Lemberg hindurchlief. Der Ostrand des Ortes mit einer Ausdehnung von etwa 2,5 km bildete hier die HKL A, die damit in der Bachniederung lag und somit von den feind- besetzten Höhen eingesehen werden konnte. Im Norden wurde der Div.-Abschnitt durch die Eisenbahnlinie begrenzt. Diese Ortschaft wurde von der höheren Führung für so wichtig angesehen, dass sie zeitweise sogar als „Fester Platz“ im Sinne der hitlerschen Kriegsführung bezeichnet wurde, d.h., also buchstäblich bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone gehalten werden musste. Zum Glück wurde dieser Befehl noch rechtzeitig aufgehoben, bevor der russische Angriff losbrach.
Nach vorheriger Verbindungsaufnahme und Erkundung durch die Kommandeure löste die 96.Inf.Div. in der Nacht vom 11. zum 12. Mai die bisherige Stellungstruppe ab. Es wurden eingesetzt: rechts G.R.283 (Major Vaitel) zwischen Slobodka und Koslow, dieses einschließlich, Mitte G.R.284 (Oberstleutnant Gehrke) bis 200 m südlich Jezierna, links G.R.287 (Oberstleutnant Lorenz) bis zur Bahnlinie nördlich Jezierna, dort schloss die 357.Inf.Div. nach Norden an. Im zweiten Graben westlich Jezierna ging das Füs.Btl.96 (Hauptmann Pipo) als Div.-Reserve in Stellung. Diese Linie, die sich etwa 2,5 km hinter der HKL A hinzog, wurde als HKL B bezeichnet. Zeitweise wurde die Div.-Reserve auch nach Zborow zurückverlegt, um dort ausbilden zu können. Die Pz.Jg.Kp.196 (Hauptmann Kölbl) wurde wieder aufgefüllt und stand zur Verfügung der Division.
Hinter diesen HKL lagen die Feuerstellungen einer ungewöhnlichen starken Artillerie, die unter dem Kommandeur der 18.Art.Div. als „Eingreif- truppe Toholte“ zusammengefasst war. Diesem unterstand aus das A.R.196 (Oberst Voigt). Eine Anzahl von Werferabteilungen war der Artillerie zusätzlich unterstellt. Panzer- und Sturmgeschützeinheiten, sowie weitere Divisionen standen in Reserve hinter dieser Front. Der Div.Gef.Std. lag vom 13. Mai bis 5. Juli in Jarozowce, in seiner Nähe der Gef.Std. des A.R.196.
Der Div.-Arzt, Oberstabsarzt Dr. Mühling, setzte seine Sanitätsdienste nach der tiefe gestaffelt ein. Die San.Kp. 1/196, die am 1. Juni Ober- stabsarzt Dr. Ratz übernahm, richtete einen HVP in Prodhrebce südlich Zlozow ein, der sehr gut ausgebaut wurde. Von hier brachten die Krankenkraftwagenzüge die Verwundeten zur Krankensammelstelle nach Zlozow oder zum HVP der San.Kp. 2/196, der weit ab von der Front und von Rollbahnen in Nowosiolka westlich der Zlota Lipa eingerichtet wurde und mehr die Funktion des fehlenden Feldlazaretts ausübte. Besonders schwere Fälle wurden unmittelbar nach Kriegslazaretten in Lemberg befördert. Die San.Kp. 1/196 hatte im Mai noch auf dem alten HVP Sokolow 536 Durchgänge gehabt, die aber wohl nicht alle aus dem Bereich der Division kamen, in Podhrebce waren es vom 12. bis 13. Mai 357.
Im Mai und Juni rechnete man anscheinend mit der Möglichkeit des Einsatzes von chemischen Kampfstoffen seitens des Russen, denn der Bericht der San.Kp 1/196 sprach von einer außergewöhnlich intensiv betriebenen Gasschutzausbildung, Aufstellung eines Entgiftungszuges und dergleichen mehr. Für den 15. Mai erwartete man in der höheren Führung einen großen russischen Angriff. Während der ganzen Nacht vom 14. auf den 15. Mai schoss die Artillerie unter Einsatz erheblicher Munitionsmengen auf die feindlichen Stellungen, Batterien, Anmarschwege und möglichen Bereitstellungsräume. Doch der Russe kam nicht, er antwortete nur in der Nacht vom 17. zum 18. Mit starken Feuerüberfällen seinerseits. Solche schweren Feuerüberfälle der eigenen Artillerie wurden in der Folgezeit öfters geschossen, wenn russische Bereitstellungen vermutet wurden.
Die ganze Zeit bis in den Anfang des Juli führte die Division hier einen normalen Stellungskrieg. Aus der vorderen Linie wurden zahlreiche Stoßtrupp- und Spähtruppunternehmen durchgeführt, kam es doch darauf an, mit dem Feind Fühlung zu halten und durch Gefangene rechtzeitig Angriffsplanungen zu erfahren. Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Truppe lag im Ausbau der Stellungen.
In der Stellenbesetzung gab es verschiedene Veränderungen. Ende Mai gab Hauptmann Grote sein I./G.R.287 an Hauptmann Jordan ab, da er zu einem Bataillonsführerlehrgang nach Antwerpen kommandiert wurde. Während eines vierwöchigen Urlaubs von Oberst Voigt, inzwischen hierzu befördert, führte Major Fietz, Kdr. Der IV.Abteilung, das A.R.196. Anfang Juli übernahm Hauptmann Sehnert, einer von den alten 284er Grenadieren, das II./G.R.284, freudig begrüßt von seinen Männern, die ihn noch von der Newa und von Pogostje her kannten. Auch Major Schlegel fand sich nach 8 Wochen Lazarettaufenthalt wieder ein und stellte in Zborow das Feldersatzbataillon 196 neu auf, nachdem das alte bei Jampol im März zerschlagen wurde. Das FEB 196 hatte 4 Kompanien, ihre Führer waren Oberleutnant Ansorge, Leutnant Oster, Leutnant Cicewski und Oberleutnant Rieß. Die Kompanie Ansorge war Divisions-Kampfschule. Beim II./G.R.283 fiel am 14. Mai Hauptmann Bülling durch Verwundung aus. Hauptmann Engler gab wegen Erkrankung sein I./G.R.284 an Hauptmann Thos als Vertreter ab.
Das Feldpostamt 196 (Feldpostmeister Langeheine) erhielt im Juni den Befehl zur Umstellung der Feldpostnummern für die Masse der Division. Die Umstellung zog sich mehrere Wochen hin und wurde in den Einheiten verschiedentlich erst im Laufe des Juli bekanntgemacht.
Kampfraum Jezierna - Zborow
Skizze 29 im Register
Neu zur Division kam die aus der 2./Zerst.Abt.473 hervorgegangene Sturmgeschützabteilung 1196 unter Hauptmann Graf v. Hardenberg, die zunächst neben der Pz.Jg.Kp.196 unter Hauptmann Kölbl organisatorisch selbständig war.
Im Verlaufe des Stellungsbaues wurde im Raum um Zborow eine zweite Stellung und im Raum von Pomorzany eine dritte, die „Rudolfsstellung“, von den Regiments- und Bataillonskommandeuren erkundet und abgesteckt. Reserven und rückwärtige Dienste übernahmen dann den Ausbau. Kurzum, es geschah alles, was geschehen konnte.
In Laufe des Juni lösten auch die Grenadierregimenter 284 und 287 sich gegenseitig ab, so dass nun 284 mit II.Btl. rechts und I. links die Jeziernafront hielt, während 287 den mittleren Abschnitt gegenüber Pokropiwna übernahm.