1.4. Abwehrkämpfe an der Strypa
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25.04.1944
Vor Zurücknahme in Strypa-Stellung ostwärts Beremiany wurden während des ganzen 25. April am Südostrand von Nagorzany von Englers III./G.R.284 schwere, von Panzern unterstützte Angriffe eines überlegenen Gegners abgeschlagen. Bis auf geringfügige Einbrüche konnte der Ort gehalten werden und mehrere Feindpanzer mit Hilfe von vier am Spätnachmittag eingetroffenen Sturmgeschützen vernichtet werden. Am Abend war ein Gegenstoß erforderlich, um sich von dem teils auf nächste Entfernungen gegenüberliegenden Russen befehlsgemäß lösen zu können. Bei diesen Kämpfen fiel unter anderen, tapfer als Infanterist kämpfend, Oberleutnant G. Koch, der eine Kanonier-Schützen-Kompanie der IV./A.R.196 führte. General Wirtz sprach dem Bataillon seine besondere Anerkennung aus.
Im Rahmen der allgemeinen Absetzbewegungen wurde die Division in die vorbereitete „Liesel-“ und „Martha-Stellung“ ostwärts Beremiany zurückgenommen, sie hatte nun weder Front nach Osten. Division und A.R.196 verlegten ihre Gefechtsstände nach Potok-Zloty, wo sie bis zum 7. Mai blieben. Die „Lieselstellung“, als vorderster Graben, wurde HKL. Es wurden eingesetzt: rechts G.R.287 (Oberstleutnant Lorenz) mit I.Btl (Hauptmann Grote) vorn und II.Btl (Hauptmann Steins) in Reserve, links G.R.284 (Oberstleutnant Gehrke) und II./G.R.283 (Oberleutnant Bülling). Das Füs.Btl.96 wurde Div.-Reserve. Major Schlegel war wegen Malaria ins Lazarett gekommen und hatte das Btl. abgegeben.
Der Russe drängte sofort nach und warf den als Gefechtsvorposten eingesetzten Pionierzug des G.R.287 von Höhe 397 ostwärts Chmiclowa auf die HKL zurück. Besonders stark war der Druck beim G.R.287, das mit rechtem Flügel am Dnjestrknie lag, so dass bald auch wieder das Reservebataillon eingesetzt werden musste.
26.04.1944
Am Morgen des 26. April stürmte der Feind den „Kastenwald“. Hierbei fiel bei der 4./G.R.287 der hochbewährte Feldwebel Gerstenberg, der sich im März das Ritterkreuz erworben hatte. Als am Nachmittag unter Einsatz von Sturmgeschützen der „Kastenwald“ wiedergenommen wurde, fiel auch sein Kompaniechef Hauptmann Siedschlag.
Einer der Schwerpunkte in den kommenden Kämpfen musste die beherrschende Höhe 389 nordostwärts Beremiany sein. Hier hatte Oberleutnant Engler seine besondere Sorge, weil er sie mit vorwiegend fremden Männern halten sollte. In der Stellung waren nämlich nur wenige der altbe- währten Grenadiere des III. Bataillons, das in der Dunkelheit mit soeben aus der Heimat eingetroffenem jungem Ersatz aufgefüllt wurde. Es waren durchweg junge Burschen, die daheim nur eine ganz kurze Grundausbildung erhalten hatten und nun an der Front ihren Mann stehen sollten. Sie hatten noch nie eine Feldstellung geschweige denn einen Russen gesehen.
Wie erwartet griff der Russe in den Morgenstunden an, der Feuerschlag, die anrollenden Panzer, alles wie üblich. Aber die Jungen standen ihren Mann im Schützengraben, sie schossen heraus, was die Läufe hergeben wollten. Fast wurde um die Vernichtung eines T 34, der nur wenige Meter vor dem graben sein Ende fand, gestritten. Die Höhe wurde gehalten.
27.04.1944
Der 27. April wurde wieder ein schwerer Gefechtstag. In der Nacht wurde das II./G.R.287 (Hauptmann Steins) nach vorne gezogen, wo auf dem rechten Flügel eine Kanonier-Kompanie und die 1./Füs.Btl.96 schon eingesetzt waren. Durch irgendein Missverständnis besetzte das Btl. einen falschen Graben in der „Marthastellung“. Dadurch hatte das I./G.R.287 eine offene Flanke. Als diese Panne am Morgen festgestellt wurde, befahl General Wirtz, den ersten Graben, in dem sich der Russe schon festgesetzt hatte, zu nehmen. Planmäßige Feuervorbereitung und Sturm- geschützunterstützung wurden eingeleitet. Dennoch gelang der Angriff gegen den Graben, der durch ein Waldstück am Dnjestr lief, nur zum Teil. Beim I./G.R.287 griff der Russe schon morgens mit 3 Panzern und 150 Mann an. Den ganzen Tag über flackerte der Kampf immer wieder auf. 3 Panzer wurden abgeschossen. Das G.R.287 hatte wieder beträchtliche Verluste. Hauptmann Steins wurde schwer verwundet, eine ganze Anzahl bewährter Unteroffiziere fiel, unter ihnen Oberfeldwebel Dömland, Träger des Deutschen Kreuzes in Gold, und Feldwebel Schlüsselburg. Das I.Btl. hatte in zwei Tagen wieder 30 Ausfälle. Die Gefechtsstärken schmolzen noch mehr zusammen, der einzige Ersatz, der etwas auffüllte, waren zurückkommende Urlauber.
Im Wesentlichen hatte die Division an diesem Tag ihre Stellungen halten oder wiedergewinnen können bis auf einige kleinere Einbrüche. Um aber wieder eine gerade, übersichtliche Frontführung zu bekommen, wurde in der Nacht der Befehl der Division die „Marthastellung“, der hinterste Graben dieses Stellungssystems, besetzt. Diese Linie wurde dann auch bis zum Herauslösen der Division am 7. Mai gehalten.
In den nächsten Tagen griff der Russe nicht mehr an. Die starken Verluste der letzten Zeit hatten ihn wohl auch erheblich mitgenommen. Die Watzmänner nutzten die ruhigeren Tage zum Ausbau der Stellung.
30.04.1944
In der Nacht zum 30. April lösten die ersten ungarischen Einheiten (Ungarische 20.Honveddivision unter Generalmajor Vitez Vasvary Frigyes) Teile der 96.Inf.Div. in der HKL. Nun standen über 600 Ungarn da, wo vorher 70 bis 80 Deutsche gestanden hatten und die Watzmänner sagten zum Scherz: „Die brauchen ja nur einen Knüppel in die Hand zu nehmen und zu warten bis der Iwan kommt!“. Bis zum 6. Mai waren die letzten Teile der Division von den Ungarn abgelöst.
04.05.1944
Am 4. Mai war endlich auch wieder Personalersatz in Gehalt eines ganzen Marschbataillons eingetroffen. Es waren allerdings eine ganze Anzahl Männer älterer Jahrgänge, 1905 und älter, dabei; aber immerhin konnten die Gefechtsstärken doch wesentlich erhöht werden und aus den Resten der 283er Grenadiere konnte wieder ein selbständiges Regiment gemacht werden. Major Vaitel, inzwischen genesen, wurde Regiments- führer mit Leutnant Rahn als Adjutant, das neu aufgestellte I.Btl. übernahm Hauptmann Fischer, das II.Btl. behielt Hauptmann Bülling. Das III.Btl. wurde nicht wieder aufgestellt. Im Zuge dieser Auffrischung wurde das III./G.R.284 in I.Btl. umbenannt, das seit Ostern 1944 von Oberleutnant Engler übernommen worden war und nun von ihm weiter geführt wurde. Bei allen drei Grenadierregimentern bestand jetzt jeweils nur ein I. und II. Bataillon. Dem A.R.196 wurde in dieser Zeit auch Ersatz an Geschützen zugeführt. Alles in allem hob sich zahlenmäßig die Kampfkraft der Division und man hoffte allgemein wieder einmal auf eine endlich wohlverdiente Ruhe- und Ausbildungszeit, um den Zusammenhalt zu festigen.
05.05.1944
Ein ganz besonderes Ereignis für die ganze Division konnte am 5. Mai feierlich begangen werden, als General Wirtz dem Oberstleutnant Lorenz die Verleihung des Eichenlaubs zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes als 467. Soldaten der Deutschen Wehrmacht bekanntgeben konnte. Es war niemand in der Division, der nicht anerkannt hätte, dass hier eine wohlverdiente Auszeichnung an den richtigen Mann gekommen war. Die Nacht von Tiranowka war nur eine in einer Kette von tapferen Taten dieses Vorkämpfers seiner Grenadiere. Auch die Kgl.-ungarische 20.Honveddiv. feierte die Verleihung mit einem ehrenden Tagesbefehl ihres Generals.