1.3. Angriff der 287er über den Dnjestr

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Kapitel VI - 1 - Unterseiten

20.04.1944

Der Russe hatte seine Dnjestrfront geschwächt, um im Karpatenraum möglichst stark zu sein. Daher erhielt die 96.Inf.Div. den Auftrag, durch einen Angriff mit begrenztem Ziel über den Fluss nach Süden feindliche Kräfte zu binden. Dieser Vorstoß war gedacht als Ablenkungsangriff in Verbindung mit einem größeren Gegenangriff, der an und südlich der großen Dnjestrschleife bei Niezwiska stattfinden sollte. Der Div.Kdr. be- stimmte das G.R.287 für diesen Einsatz, für den zunächst der 20.April vorgesehen wurde. Oberstleutnant Lorenz machte Gefechtsstand- wechsel von Beremiany nach Szutromince und erkundete Bereitstellungsplätze am bewaldeten Ufer unweit einer Insel im Strom. Außer dem Pi.Btl.196 (Hauptmann Kopper) sollten noch Korps-Pioniere teilnehmen, die die Sturmboote und das übrige Übersetzmaterial mitzubringen hatten. Da sie bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht eintrafen, wurde der Angriff um einen Tag verschoben. Das kam der Ruhe für die Grenadiere und der gründlichen Vorbereitung aller Maßnahmen besonders für die Feuerunterstützung durch die Artillerie zugute.

21.04.1944 - 22.04.1944

Am 21.April gegen 23 Uhr rückte das G.R.287 in Bereitstellung. Es war stockdunkel und es goss in Strömen, die Verbindung konnte oft nur durch Tuchfühlung gehalten werden, recht ein Wetter, um den Feind zu überraschen. Bis 3 Uhr war die Bereitstellung beendet. Von einem vorge- schobenen Gefechtsstand des A.R.196 leitete Oberstleutnant Voigt das Feuer seiner Batterien und der Verstärkungsartillerie – insgesamt 80 Rohre – sowie von 2 Werferabteilungen. Nach einem Feuerschlag begann das Übersetzen um 3:30 Uhr, während die Artillerie weiter Störungs- feuer schoss.

Die Sturmboote der Pioniere setzten die Grenadiere rasch über, wenn auch einzelne Boote ausfielen wegen technischer Mängel. Die erste Morgendämmerung eines regnerischen Apriltages zog mit fahlem Licht über Strom und Ufer, als die 287er Grenadiere aus den Booten an Land sprangen, die russischen Sicherungen überrannten und die Höhe erstiegen, rechts I. (Hauptmann Grote) und links II.Btl. (Hauptmann Steins). Der 300 bis 400 m lange ziemlich steile Hang war bald überwunden. Dann drehten die Bataillone befehlsgemäß rechts auf Kolanki, I.Btl., und links auf Michailowce, II.Btl., ein. Sie erreichten in zügigem Angriff die gesteckten Ziele. In Kolanki waren die Rotarmisten so überrascht, dass sogar Gefangene in Unterhosen gemacht wurden. Unter anderer Kriegsbeute wurden 5 Pak, 6 m.Gr.W. und verschiedene Trossfahrzeuge eingebracht. Geschützbedienungen der 14.Kp. nahmen sofort die Beutepak in Gebrauch und setzten sie zum Panzerschutz ein. Es war schade, dass nicht mehr Kräfte eingesetzt waren, um diesen Überraschungserfolg weiter auszunutzen.

Unten am Dnjestr bauten die Pioniere eine große Fähre, die Nachr.Abt.196 streckte ein Kabel über den Strom, so dass bald eine gesicherte Sprechverbindung vom Gef.Std. des G.R.287 zurück zur Division vorhanden war. Auf dem Nordufer sicherte beiderseits der Übersetzstelle das Kann.Btl.196 (Major Franke).

Noch am Vormittag erschienen auf dem Gefechtsstand des G.R.287 General Wirtz und der Kommandierende General des LIX.A.K., General d.Inf. Schulz. Der Erfolg legte den Gedanken nahe, eine Brücke schlagen zu lassen und dem Brückenkopf weitere Kräfte zuzuführen, um ihn zu erwei- tern; aber zu mehr als diesem Gedankenaustausch sollte es nicht mehr kommen. Dem Russen erschien dieser Stromübergang wohl als ziemlich bedrohlich, denn eilig holte er von anderen Frontstellen im Kraftwagenmarsch Reserven heran. Damit war schon ein wesentlicher Zweck dieses Angriffes erfüllt.

Bald nach Mittag beobachtete das G.R.287 das Bereitstellen schwerer Waffen, motorisierter Infanterie und von Panzern. Gegen 16 Uhr begann der Gegenangriff durch etwa 3 bis 4 Regimenter unterstützt von 30 Panzern, schwere Artilleriebatterien, „Stalinorgeln“ und Granatwerfer nahmen das Feuer auf. Voigts Batterien und die Werferabteilungen griffen in den Abwehrkampf ein und wirkten hervorragend. Eigene Sturm- geschütze konnten zum Teil mit direktem Richten vom Nordufer feuern; auch Kölbls Panzerjäger beteiligten sich vom Nordufer an der Abwehr, so dass der Russe schwere Verluste erlitt. Die Grenadiere wehrten sich verbissen und zäh, nur an der Nahtstelle zwischen den beiden Bataillonen entstand eine Krise, als ein Zug des II.Btl. von Panzern überrollt wurde. Der Zugführer, ein altbewährter 287er, fiel. Auch die 4.Kp. (Hauptmann Siedschlag) musste ihren linken Flügel zurückbiegen, nachdem die Kämpfe bis zum Dunkelwerden angedauert hatten.

Oberstleutnant Lorenz war sich aber darüber klar, dass die Lage am nächsten Tag unhaltbar werden würde und erbat den Befehl zum Zurück- gehen auf das Nordufer. General Wirtz teilte seine Ansicht, aber es dauerte eine Zeit, bis das Generalkommando die Genehmigung erteilte. Wie richtig dieser Entschluss war, sollte sich am anderen Morgen zeigen.

Nach Eintreffen des Absetzbefehls wurde sofort mit der Rückführung des Regiments begonnen, es musste unbemerkt vom Feinde geschehen. Schwache Nachtruppen täuschten noch längere Zeit durch Feuertätigkeit die Besetzung des Brückenkopfes vor; auch die Artillerie schoss laufend eine Geräuschkulisse. Diesmal war der strömende Regen, der wieder eingesetzt hatte, sehr willkommen, da er wohl auch dem Russen die Lust zu einem Nachtangriff nahm.

Gegen 3 Uhr morgens setzten die letzten Teile des G.R.287 über den Strom Nass bis auf die Haut und hundemüde schleppten sich die Grenadiere nach Szutromince in ihre Quartiere. Und wieder musste so mancher liebe Kamerad zur letzten Ruhe gebettet werden. Aber der Auftrag war er- füllt, es waren beträchtliche feindliche Kräfte von entscheidender Stelle abgezogen worden.

Im Morgengrauen stellte der Russe sich zum Gegenangriff bereit, den er mit einem fast zweistündigen Trommelfeuer auf den verlassenen Brückenkopf einleitete. Mit lautem „Urräh“ brach seine Infanterie in die geräumten Stellungen ein. Auf diesen Augenblick hatten Voigts Artillerie- und Werferabteilungen gewartet und legten einen starken Vernichtungsfeuerschlag auf den Feind.

Das Unternehmen vom 22. April fand hohe Anerkennung durch Nennung der Division im Wehrmachtsbericht.