1.1. Kampf um den Sereth-Brückenkopf westl. Bilcze
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10.04.1944
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug am Nachmittag der Alarmbefehl ein: „Sofort fertig machen zum neuen Einsatz!“. Schnell wurden die Verbände geordnet. Major Schlegel übernahm wieder das Füs.Btl. 96. Die Reste der G.R.283 wurden unter Oberleutnant Bülling als II./G.R.283 zusammengestellt. Kompanien – meist nur zwei je Btl. – Züge und Gruppen wurden zusammengefasst. Das A.R.196 hatte unter Major Franke aus überzähligen Geschützbedienungen und Munitionskanonieren das Kanonierbataillon 196 für Infanteristischen Einsatz zusammengestellt.
Während die Watzmänner sich ihrer nur allzu kurzen Ruhe erfreuten, hätten andere Truppen in Nachhutstellungen am Sereth weiter gehalten, denn der Besitz dieser Linie war vorerst noch notwendig für das weitere Gelingen der Absetzbewegung. Nun war es dem Russen geglückt, westlich Bilcze über den Fluss zu gehen und im Waldgelände auf dem Westufer einen Brückenkopf zu bilden. Diesen Brückenkopf sollte die 96.Inf.Div. durch Angriff zerschlagen. Noch bei Dunkelheit sollte die Bereitstellung beendet sein, damit am 10.April früh der Angriff beginnen konnte. Die Truppe hatte 20-25 km Anmarsch bis zu den Bereitstellungsräumen. So durfte keine Zeit verloren werden.
General Wirtz ritt mit den Oberstleutnanten Lorenz und Gehrke, sowie Major Schlegel auf Panjepferden durch die Nacht zur Erkundung der Bereitstellungsräume. Auf dem Höhengelände 1 km nordostwärts Blyßczanka sollten sich bereitstellen: vorne rechts G.R.287, links G.R.287, das Füs.Btl.96 als Reserve hinter dem rechten Regiment. Da die Truppe erst beim Hellwerden eintraf, verzichtete der Div.Kdr. auf planmäßige Bereitstellung und ließ die Regimenter aus der Bewegung heraus zum Angriff gegen das Waldgelände antreten. Die Grenadiere kamen zunächst gut vorwärts, schwächerer Widerstand wurde gebrochen und etwa 1 km Gelände gewonnen. Dann stießen die Regimenter auf starke Feind- kräfte, anscheinend eine größere Bereitstellung. Der Kommandeur des II./G.R.287, Hauptmann Porteck, wurde verwundet und mit ihm fiel fast der ganze Btl.Stab durch einen Volltreffer aus. Es gelang noch, den Feind bis auf wenige hundert Meter an das westliche Serethufer zu drücken, aber dann war die Angriffskraft erlahmt, die Unübersichtlichkeit des Geländes machte sich störend bemerkbar. Der Russe schob sich zwischen einzelne Bataillone, er schnitt die Verbindungen zwischen diesen und ihren Regimentsstäben ab, kurzum, es gab ein heilloses Durcheinander.
Major i.G. Heck hielt sich mit dem vorgeschobenen Div.Gef.Std. bei den dicht beieinander liegenden Gefechtsständen der Gren.-Regimenter 287 und 284 auf, aber weder Lorenz noch Gehrke hatten noch einen Einfluss auf die Führung ihrer Bataillone. Am unangenehmsten war die Lage auf dem rechten Flügel. Dort waren die beiden Bataillone des G.R.287 und das II./G.R.283 schon wieder regelrecht eingekesselt, während sich das III./G.R.284 auf dem linken Flügel in hartnäckigem Nahkampf aus der drohenden Umschließung befreien konnte. Die Ausfälle waren hoch, unter anderem wurde Leutnant Siebert (Nachr.Zug G.R.284) schwer verwundet. Auch bei Lorenz‘ Bataillonen mehrten sich die Verluste, Oberarzt Dr. Honnef und Oberleutnant Erne vom I./G.R.287 wurden schwer verwundet, der tapfere Oberfeldwebel Malitz (2./G.R.287), der schon zum Deutschen Kreuz eingegeben war, fiel.
Aber die Watzmänner, die soeben dem großen Kessel entronnen waren, ließen sich durch den kleinen nicht schrecken. Eine Funkverbindung zum Regiment bestand nicht mehr, die Bataillone waren auf sich alleine gestellt. Hauptman Grote raffte die 287er zusammen und entschloss sich, die dunklen Abendstunden vor Mondaufgang auszunutzen, um sich aus der Umklammerung zu befreien. Mit Hauptmann Grote und Feldwebel Gerstenberg (4.Komp.) an der Spitze, zogen die Grenadiere lautlos in Reihe zu einem durch den Wald an den Russen vorbei, ohne dass sich noch weitere Vorfälle ereigneten.
Oberleutnant Bülling, links von den 287ern, hatte keinen Anschluss zu Hauptmann Grote. Er führte seine 283er gegen Mitternacht aus dem Wald zurück. Er hatte 2 Offiziere und 37 Mann an Verwundeten, darunter ein Oberleutnant, der frisch aus Frankreich gekommen erst während des Vormarsches zum Gefecht zur Truppe gestoßen war. Bei diesen Kämpfen zeichneten sich besonders der Adjutant Leutnant Rahn, mit den Männern seines Stabes aus, ebenso Feldwebel Grafe, der trotz Verwundung am Kopf weiter bei seinen Männern blieb.
Das Wagnis war gelungen. In der Nacht verlegten die beiden Regimenter ihre Gefechtsstände nach Uhrynkowce, nur noch 10 km nördlich des Dnjestr. Die Bataillone richteten am Westrand des Waldes eine neue HKL ein, die am 11. April gehalten wurde. Division und Artillerieregiment hatten ihre Gefechtsstände in Chartanowce.
Inzwischen zeichneten sich neue Aufgaben für die Division ab, die General Wirtz veranlassten, den Gef.Std. noch in der Nacht etwa 12 km westlich Nagorzany zu verlegen. Major Schlegel rückte mit seinen Füsilieren ebenfalls nach Westen ab und bezog Stellung am Bachgrund bei Torskie. Nachdem er wegen der zahlenmäßigen Schwäche seines Füs.Btl.96 beim Divisionskommandeur ernste Bedenken erhoben hatte, stellte ihm dieser die Jagdschwadron der 96.Inf.Div. unter Oberleutnant v.Holtz noch zur Verfügung. Hauptmann Kopper stand mit seinem Pi.Btl.196 bei Usziesko am Dnjestr. Die Division befand sich etwa 50 Kilometer nördlich Tschernowitz, unweit der rumänischen Grenze.