96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel V
Kapitel V - 3 - Unterseiten
Im Zug der sehr ernsten Lage der 1.Pz.Armee brach für die 96.Inf.Div. wieder eine harte und entbehrungsreiche Zeit an. Die zunächst noch nach Süden gerichtete Bewegung drehte allmählich über Südwest auf West. Für diesen Stoß nach Westen setzte General Hube die verfügbaren Panzer des III., XXIV. Und XXXXVI.Panzerkorps an. Das klang nach einer beachtlichen Streitmacht, in Wirklichkeit sah es bei den Stärken der Panzerdivisionen ähnlich wie bei der 96.Inf.Div. aus. Feldmarschall v. Manstein bezifferte die Stärke eines Panzerkorps mit nur 24 Panzern, bei den anderen habe es nicht viel anders ausgesehen. Den Stoß von Westen ihnen entgegen sollte das II.SS-Panzerkorps unter General d.W-SS Hausser mit der 9.SS-Panzerdivision „Hohenstaufen“, 10.SS-Panzerdivision „Frundsberg“, 100.Jägerdivision und 367.Infanteriedivision führen.
Im Verband des LIX.A.K. gehörte die 96.Inf.Div. zu denen, die die Nachhut zu bilden hatten für diesen Wanderkessel. Aus der Stellung am Bozek sollte sie sich eigentlich schon am 18.03. absetzen, doch musste die Stellung dann noch bis zum 22.03. abends gehalten werden. Nur das G.R.283 rückte schon am 19.03. früh von Schpitschinzy über Parchomowzy nach Goloskowo über Feld- und Waldwege, die aber in gefrorenem Zustand ganz gut zu benutzen waren. Dort meldete sich Major Schlegel beim Kommandeur der 16.Pz.Div., Generalmajor Back, der das G.R.283 als Korpsreserve nach Lissagorka in Marsch setzte. Damit schied das G.R.283 für gut eine Woche aus dem Divisionsverband aus.
22.03.1944
Am Abend kam endlich das erlösende Stichwort „Amanda“ das den Befehl für das Absetzen in Kraft setzte. Es war auch höchste Zeit, denn beim G.R.284 war durch feindliche Einbrüche bereits eine recht unangenehme Lage entstanden. Sie brauchte nun nicht mehr bereinigt werden. Damit kam die Bewegung in Gang, die praktisch erst mit dem Ausbruch aus dem Kessel am 08.04. ihr Ende finden sollte. Es wurden sehr schwere und verlustreiche Tage, die an die Truppe äußerste Anforderungen stellten. Die 96.Inf.Div. wurde dem Pz.AOK 1 (General d.Pz.Tr. Hube) unmittelbar unterstellt.
Ein Anhalt für den Weg der Division sind die Verlegungen des Div.Gef.Std.:
- 22.03. von Stufschinzy nach Dawydowzy,
- 23.03. Überschreitung des Bug, nach Kolyban,
- 24.03. Über Jankowzy nach Michapol,
- 25.03. Eindrehen nach Westen, nach Scharowka,
- 26./27.03. Kurze Bewegungen nach Jarmolinzy, Staraja Sokolowka, sowie in das 10km südlich gelegene Solobkowzy.
- 27.03. Die division wurde dem XXIV.Pz.K. (General d.Pz.Tr. Nehring) unterstellt.
- 28.03. in südlicher richtung über Ternaja-Polnaja und Rudka
- 29./30.03. nach Smotrycz
- 30./31.03. nach Stefanowka
- 01.04. Überschreitung des tief eingeschnittenen Sbrutsch, einem linken Nebenfluss des Dnjestr.
- 02.04. über Iwankow
- 03.04. über Mußkatowze und Konstancia
- 05./08.04. Verbleib des Div.Gef.Std.
Damit war auch der Sereth, der westlich des Sbrutsch, parallel zu ihm, ebenfalls den Dnjestr zufließt, überschritten. Für den 08.04. unterstand die Division dem III.Pz.K. (General d.Pz.Tr. Breith) und ab 09.04., wo der Div.Gef.Std. nach Swidowa übersiedelte, dem XXXXVI.Pz.Korps.
Kampfraum im Hubekessel-Sereth-Strypa-Dnjestr
In und zwischen den Dörfern rechts und links dieser Rückzugslinie führten die Einheiten ihre schweren Abwehrkämpfe. Nachts wurde marschiert, am Tage gekämpft. In dieser Zeit war die ganze Division einschließlich der Trosse, Versorgungstruppen und Verwaltungsstäbe zur Kampftruppe geworden.
Die Strapazen stiegen von Kilometer zu Kilometer. Schlamm und Neuschnee, Kälte und Nässe zehrten an den Kräften. Tagelang hatte die Männer kaum Brot, kaum warme Verpflegung; wen die Feldküchen herauskamen, war es wie ein Festtag. Die Verpflegung musste im wesentlichen aus dem Land entnommen werden, soweit man nicht noch auf alte Heeresverpflegungslager stieß.
In der Nacht zum 23.03. ging die Division bei Kopystin über den Bug zurück, das I./I.R.287 (Hauptmann Grothe) bildete die Nachhut, verstärkt durch den Zug Meier der Pz.Jg.Kp.196. Am Strom fand die Truppe gut ausgebaute Stellungen vor, die aber nicht ausgenutzt werden konnten. Von Proskurow her, wo das G.R.283 bei der 291.Inf.Div. (Oberst Eckholt) eingesetzt war, war der Feuerschein der brennenden Stadt zu sehen und heftiger Kampflärm zu hören.
Das Pi.Btl.196 (Hauptmann Kopper) hatte harte Tage, es kämpfte an der Seite der Infanterie und hielt die Brücken im Feuer der Artillerie und Schlachtflieger instand. Die Pioniere waren die Letzten an den vielen Brücken, um sie in die Luft zu jagen, wenn die Nachtrupps herüberliefen. Am 25.03. hätte es beinahe eine unangenehme Lage gegeben. Kurz vor der befohlenen Sprengung war plötzlich Kettengeräusch von Norden zu hören. Sollten es russische Panzer sein? Die Wahrscheinlichkeit lag nahe. Im letzten Augenblick erkannte man deutsche RSO und es erschien das G.R.337 der 208.Inf.Div., von dessen Durchschleusen man nichts gewusst hatte. Reibungen des Krieges!