96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel V

Kapitel V - 1 - Unterseiten


Während die 96.Inf.Div. noch im Rahmen der Heeresgruppe Nord am Wolchow stand, hatte sich die Lage bei der Heeresgruppe Süd (Feldmarschall v. Manstein) Ende Dezember 1943 erneut erheblich angespannt. Die Heeresgruppe stand, sehr gegen den Wunsch des Oberbefehlshabers, mit weit nach Osten vorgestaffelten rechtem Flügel westlich Saporoshe nahe am Dnjepr, mit dem linken Flügel hatte sie nördlich Korosten lose Fühlung mit der Heeresgruppe Mitte. Die Front war dünn besetzt und verfügte nur über sehr geringe Reserven. Die Truppe war durch fortlaufende Kämpfe und Marschbewegungen weit unter Sollstärke an Menschen und Material, besonders Panzern.

An den Weihnachtstagen 1943 entstand eine neue schwere Krise durch den Angriff der 1.ukarainischen Front (Watutin) mit sieben Armeen aus dem Raum beiderseits Kiew gegen den schwachen Nordflügel Mansteins. Das Ziel des Angriffs war ein Stoß beiderseits der großen Straße Kiew - Shitomir auf Rowno, um aus dem Raum Shitomir - Rowno nach Süden eindrehend in die Tiefe der an sich schon zurückgestaffelten Nordflanke der Heeresgruppe Süd zu stoßen, während andere Kräfte durch Angriff in Richtung Winniza, Uman und Kirowograd den Zusammenhalt der deutschen Front erschüttern und ein Herausziehen von Divisionen verhindern sollten. Ziel dieser Operation war wohl, die deutsche Südfront gegen das Schwarze Meer zu drücken und zu vernichten.

Anfang Januar 1944 war in der nördlich der Linie Berditschew - Polonnoje klaffenden Lücke zur Heeresgruppe Mitte des schwache LIX.A.K. bis an die ehemalige polnisch-russische Grenze beiderseits Nowograd Wolynsk zurückgedrängt worden. Feldmarschall v. Manstein flog Anfang Januar zu einer sehr ernsten Aussprache zum Führer, konnte aber seine Vorschläge auf gründliche Umstellung der Kriegsführung in seinem Befehlsbereich nicht durchsetzen. Für seinen Nordflügel erhielt er jedoch einige Divisionen der Heeresgruppe Nord zugesichert, darunter auch die 96.Inf.Div. Doch reichten diese Kräfte nicht aus, um den Russen einen fühlbaren Gegenschlag zu versetzen; es wurde keine "ganze Lösung", sondern wie so oft bei Hitler, seit er in die Verteidigung gezwungen war, eine "Flickschusterarbeit". Das ganze Jahr 1944 sollte nun unter dem Zeichens der Führung in der Nachhand gegenüber dem Russen stehen. Für die 96.Inf.Div. wurde es das turbolenteste und an Kampfereignissen härteste und schwerste, aber auch ruhmreichste Jahr.

Als die 96.Inf.Div. am Nordflügel der Heeresgruppe Süd eintraf, hatte der Russe bereits Shitomir genommen und war im Vorgehen über die Linie Nowograd Wolynsk - Polonnoje nach Westen. Von Schepetowka bis zum Pripjet klaffte eine gefährliche Lücke in der Front, wo nur noch ver- einzelte zusammengeraffte Einheiten sicherten. Auf der ganzen Front der Heeresgruppe stand der Russe im Angriff, wenn auch gelegentlich durch Gegenangriffe zurückgeworfen. Bis Ende des Monats geleng es ihm, Teile der 8.Armee nördlich Swenigorodka einzukesseln (Tscherkassy-Kessel), da Hitler ein rechtzeitiges Zurücknehmen der Front nicht zugelassen hatte.

Im Raum Tosno - Ljuban wurde die Division verladen, die ersten Transporte rollten am 07.01., die Masse bis 10.01. und die letzten Teile ver- ließen erst 14 Tage später den Norden. Auch zwei weitere alte Wolchow-Divisionen begaben sich auf die Reise, die 1. und die 254.Inf.Div. Wie immer bei solchen Gelegenheiten liefen so allerhand Gerüchte über das Reiseziel bei der Truppe um und mancher Wunschtraum um angenehmere Kriegsschauplätze war im Umlauf. Zunächst ging es über Krasnowardeisk (Gatschina), Luga, Pleskau, Dünaburg, Wilna, Bialystock nach Lukow. Noch immer war das Reiseziel offen, doch als die Züge hinter Lublin scharf nach Osten abdrehten über Cholm, Kowel auf Rowno, da konnten auch die größten Optimisten keinen Zweifel mehr haben, dass man von Regen unter Umgeheung der Traufe auf "Shit-omir" zusteuerte. In Schepetowka und auf kleinen Bahnhöfen im Waldgebiet nordwesgtlich des Ortes wurden die Transporte ausgeladen. Von der nahen Front war Geschützfeuer zu hören, Partisanen- und Aufklärungsverbände der Roten Armee machten Wälder und Straßen unsicher, die russische Luftwaffe entfaltete eine lebhafte Tätigkeit. So wie die Transporte einrollten wurde sie sofort zum Einsatz geführt.