1.9. Kämpfe des FErsBtl und von rückw. Diensten
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Kapitel V - 1 - Unterseiten
Als der Russe gegen Ende Februar zur Umfassung westlich von Schepetowka vorbei gegen die Eisenbahnlinie Tarnopol, Proskurow antrat, wurden ihm zusammengeraffte Kräfte verschiedener Verbände zur Abwehr entgegengeworfen. Unter ihnen war auch das Feldersatzbataillon 196 unter Hauptmann Böttger bei Jampol, etwa 60 km südwestlich Schepetowka, eingesetzt. Es kam zu schweren Abwehrkämpfen gegen überleg- enen Feind, der mit starken Panzerkräften die schwache deutsche Front angriff. Am 27.02. brach der Russe zunächst westlich des FEB 196 und später auch ostwärts davon durch. Vom 01.03. an versuchte das Bataillon, dem sich auch noch versprengte Einheiten, darunter mehrere Panzerspähwagen der 11.Pz.Div. und zwei 8,8cm-Flak auf Selbstfahrlafette, angeschlossen hatten, zu den eigenen Linien zurück zu kämpfen. Bis zum 04./05.03. konnte Hauptmann Böttger diese Kampfgruppe kämpfend zurückführen, dann waren Munition, Treibstoff und Verpflegung zu ende. Nun musste Hauptmann Böttger den schweren Entschluss fassen, die Auflösung der Kampfgruppe in kleine Trupps von 8 bis 10 Mann zu befehlen mit dem Auftrag, sich möglichst unbemerkt und kampflos zu den eigenen Linien durchzuschlagen. Er selbst konnte sich noch bis zum 11.03. mit einem Trupp behaupten, dann wurde auch er überwältigt und geriet in Gefangenschaft. Die meisten anderen Trupps wird es in jenen Tagen ähnlich ergangen sein. Das FEB 196 hatte abgetrennt von seiner Division sein Ende gefunden, ein großer Teil der Angehörigen dieses Bataillons war vermisst.
Schon während der Kämpfe ostwärts Schepetowka waren Teile der rückwärtigen Dienste immer wieder zu Sicherungs- und Aufklärungsaufgaben eingesetzt worden. Nun erforderte die bedrohte Lage auf dem freien Flügel des Korps westlich von Schepetowka noch weitere Notmaßnahmen. Außer dem FEB 196 wurden auch noch eine Werkstattkompanie und 3 Veterinärkompanien, darunter die der 196.Inf.Div. unter Stabsveterinär Dr. Böttger nach Westen zum Flankenschutz herausgestaffelt.
Es war ein ungewöhnliche Aufgabe für die Männer älterer Jahrgänge, aber sie taten ihr Bestes, um auch diesen Anforderungen gerecht zu werden. Zu ihren Karabinern und wenigen M.G. erhielten sie noch einige Granatwerfer. Zunächst führten sie berittene Aufklärung durch. Als der Feinddruck stärker wurde, übernahmen sie die Sicherung an einem Flusslauf. Anfang März begann auch bei ihnen der russische Angriff mit Einsatz von schwerer Artillerie und Panzern. Als diese auch in ihrem Rücken erschienen, bekam die Kompanie den Befehl sich 3km weiter rückwärts abzusetzen.
Es wurde ein schwerer, verlustreicher Weg. Die Kompanie Böttger war nun der SS-Division Langemarck unterstellt und sollte mit deren hier eingesetzten Teilen zu den deutschen Linien nach rückwärts durchbrechen. Teils aufgesessen, teils zu Fuß schlugen sie sich in Tages- und Nachtkämpfen mit feindlicher Infanterie und Panzern weiter durch. Nun musste der Versuch gewagt werden, sich in kleineren Trupps durch den Feind durchzuschlagen. Mit 17 Mann von seinen 95 gelangte Stabsveterinär Dr. Böttger nach tagelangen, schweren und anstrengenden Kämpfen zur Division zurück. Nur ein kleiner Bruchteil der braven Männer, die den Rückweg nicht gewinnen konnten, ist später über die Gefangenschaft heimgekehrt. Vor eine Aufgabe gestellt, für die sie weder ausgebildet noch ausgerüstet waren, haben auch Böttgers Männer gezeigt, dass sie sich vor dem Feind so wacker wie die Grenadiere schlagen konnten, wenn es sein musste.