1.8. Eintreffen von Ersatz und Feuertaufe
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15.02.1944
General Wirtz hatte die Freude das kampf-Marsch Bataillon 1014 unter Major Schlegel in Tschetyrboki begrüßen zu können. Es brachte über 800 Mann Ersatz mit, meist junge soldaten von 18 bis 20 Jahren, die hier unter recht schweren Verhältnissen ihre Feuertaufe erhalten sollten. Das Btl. Wurde auf die drei Grenadieregimenter verteilt, wobei das zusammengeschossene G.R.283 besonders gut bedacht wurde. Die Reste des Füs.Btl.96 wurden unter Leutnant Asmussen in der 1.Schwadron zusammengefasst, der Btl.Stab 1014 wurde Stab des Füs.Btl.96 unter Major Schlegel und die 4.Kp. stellte die übrigen fehlenden Füsilierkompanien auf. Das Füsilierbataillon hatte jetzt eine Gefechtsstärke von 6-40-354.
Der junge Ersatz war ausgezeichnet ausgerüstet und brachte viel guten Willen mit, aber die Wandlung vom Neuling zum Feldsoldaten ist ein schwerer, schmerzhafter Vorgang, der den Mann durch harte seelische Krisen führt, zumal wenn sich diese Wandlung nicht in langsamer Ge- wöhnung, sondern urplötzlich in harter östlicher Winterschlacht vollzieht.
Und dann kam der erste Feuerzauber, das erste „Urräh“ des Russen. Sollte man ihnen verargen, dass sie ratlos waren und dass sie wie aufge- scheuchte Hühner durcheinanderliefen? Was sollte man bloß tun? Das war ja nicht zum Ertragen! Das war ja die Hölle! Konnte man denn hier nicht fort?
Bei den jungen Grenadieren des G.R.283 kam der Regimentsführer in eine solche Lage hinein. Es war bei der Kompanie Liebenthal und es war gut, dass Major Lorenz kam. So ähnlich mag es sich auch bei anderen Einheiten abgespielt haben, hier mag es ein Hauptmann oder Leutnant, dort ein Feldwebel, Unteroffizier oder alter Obergefreiter gewesen sein, der das Beispiel gab und die Krise überwand. Jeder, der das erlebte, dachte später dankbar an seinen „Taufpaten“ bei der Feuertaufe zurück. Hier hatten sie den besten, den sie sich wünschen konnten. Major Lorenz kannte den „Rummel“ aus fas t 3 Jahren Osteinsatz. Sechsmal war er verwundet und dankte es immer nur einem gütigen Schicksal, dass er noch lebte.
Als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, nahm er seinen Selbstladekarabiner, der sein ständiger Begleiter war, von der Schulter und nachdem er seine jungen Kameraden kurz und energisch „zurechtgestaucht“ hatte, aber nur, weil es in einer solchen Lage nicht anders geht, lag er mitten unter ihnen in Stellung und schoss auf die anstürmenden Rotarmisten, die schon auf 150 Meter herangekommen waren.
Inzwischen hatten auch die schweren Waffen und die Artillerie in den Kampf eigegriffen. Und dann schrie der Rgt.Führer plötzlich laut „Hurra“ – eine altbewährte Methode – und die jungen Soldaten schrien unwillkürlich mit, sie schrien, als wollte die Seele aus ihrem Leib, es mag wohl Angst gewesen sein, jawohl, pure Angst, die da hinaus wollte. Doch es war gut so! Es gab Luft und dem Russen einen Schock, denn nun glaubte er, dass der Gegenstoß losbräche. So ging er denn selbst erstmal zu Boden und das sollte das hurra-Geschrei bezwecken. Die „braunen Haufen“ im Gelände boten wunderbare ziele. Hier und da sah man Hände hochfliegen, dann sprangen die ersten Rotarmisten zurück und eine Viertelstunde später war der ganze „Zauber“ vorbei.
Es war wieder ruhig geworden. Der Major steckte sich eine Zigarette an, schaute in die runde und erwartungsvoll blickten ihn die in der Nähe liegenden jungen Soldaten an. „Kerls, das habt ihr fein gemacht! Für heute habt ihr Ruhe vor dem Russen. Na, war es sehr schlimm?“ Zum Glück hatten sie trotz des tollen Feuerzaubers keinen Ausfall gehabt, langsam kamen sie wieder zu sich. Nun fühlten sie sich von einer zur anderen Stunde zu „uralten“ Kriegern geworden, nun gehörten sie erst richtig zum „Haufen“. Da sie mit den Tücken des Ostwinters noch nicht vertraut waren, gab es beim jungen Ersatz leider noch viele Erfrierungen.
17.02.1944
Das II./G.R.287 und das Füs.Btl.96 wurden von der Labunfront herausgelöst, wenig später auch das I./G.R.287. Sie lösten die beiden hart angeschlagenen Bataillone des G.R.283 ab, die dafür in die Stellungen bei Labun gingen. Das G.R.284 behielt weiter den mittleren Abschnitt der Division.
20.02.1944
Major Lorenz hatte wieder seine eigenen 287-er Grenadiere sowie Schlegels Füsiliere unter sich. Rechts lösten diese das III./G.R.283 (Steins) ab, das II./G.R.287 löste das II./G.R.283 auf Höhe 311,1 ab. Das I./G.R.287 wurde zur Verlängerung nach links von der Wegegabel südostwärts des „Bürstenwäldchens“ eingesetzt. Das G.R.283 übernahm Major Vaitel.
Das Pi.Btl.196 (Hptm Kopper) hatte, soweit Teile nicht zeitweilig infanteristisch eingesetzt waren, pioniertechnische Aufgaben, die 4. (Ostland) Kompanie war beim Wege- und Stellungsbau.
29.02.1944
Die Kämpfe gingen rastlos weiter, fast täglich griff der Russe irgendwo im Divisionsabschnitt an. Es gelang ihm vorübergehend ein Einbruch an der Nahtstelle zwischen den Grenadierregimentern 284 und 287 nördlich Soschki. Doch gelang es Major Gehrke unter Einsatz von Sturm- geschützen, den Feind wieder zu werfen. Die Pz.Jg.Kp.196 (Hptm Kölbl) war inzwischen auch wieder am Nordflügel eingesetzt und unterstützte die Abwehr.
02.03.1944
Starker Gefechtslärm war von der rechts benachbarten 19.Pz.Div. zu hören und man sprach von tiefen und breiten Einbrüchen dort. Bei der 1./G.R.287 auf der Höhe 313,8 nördlich Seredinzy musste ein russischer Einbruch von 2 Bataillonen im Gegenstoß bereinigt werden.
03.03.1944
Am Nachmittag flammte der Kampf an der Nahtstelle zwischen I. und II./G.R.287 wieder auf und ein Einbruch an der Wegegabel wurde erzielt. Hauptmann Grothe trat mit Unterstützung von Sturmgeschützen zum Gegenstoß an. Der Kampf zog sich bis in die Dunkelheit hin, dann war der Feind geworfen, Gefangene und Beute eingebracht.
An diesem Tag traf bei der Division als Vertreter im Kommando Oberst Fischer ein. General Wirtz hatte nach öfterem Hinauszögern endlich seinen schon im Dezember vorgesehenen Urlaub zugesagt bekommen, zumal er durch einen Todesfall in der Familie wichtige persönliche Angelegen- heiten zu erledigen hatte. Zu diesem Zeitpunkt konnte man das Ausmaß der bevorstehenden Kämpfe noch nicht übersehen. Erst in der Heimat erfuhr der General, dass seine Division später eingekesselt war. Alle Versuche, in den späteren Kessel einzufliegen scheiterten daran, dass die Genehmigung höheren Orts nicht erteilt wurde. So sollte Oberst Fischer die Division in einer harten und schweren Zeit führen.
Oberst Fischer
Oberst Fischer führte die Division von Schepetowka bis zum Ausbbruch aus dem Hube-Kessel im März und April 1944
Alle Gefangenen der letzten Tage bestätigten, was auch die Nah- und Fernaufklärung ergeben hatte, dass ein russischer Großangriff bevor- stand. Umgehend wurden alle Sicherheitsmaßnahmen noch einmal überprüft, Feuerschwerpunkteräume wurden festgelegt, aber es sollte in diesen Stellungen nicht mehr zur Annahme der Schlacht kommen.
Sie Abwehrschlacht zwischen Labun und Schepetowka war zu Ende. Die Watzmänner hatten ihren Mann gestanden wie einst im Norden zwisch- en Wolchow und Ladogasee. In dieser Zeit waren durch die 3 Hauptverbandsplätze der Division 3125 Verwundete gegangen, danach muss die Zahl der Gefallenen in dieser Zeit auf etwa 800 bis 900 Mann geschätzt werden.
(Anm.: Auch mein Großvater Johann Fritsch gehörte zu den Verwundeten der "Labunschlacht". Er wurde am 13.02. in Soschki so schwer verwundet, dass für ihn damit der aktive Wehrdienst im Pi.Btl.196 beendet war. Mein Großvater überlebte den Krieg und starb Anfang der 70er Jahre an den Leiden seiner Kriegsverletzung.)