1.7. Kämpfe um Höhe 311,1
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Um die erwähnte Lücke an der Nahtstelle der beiden Divisionen zu schließen, sollte das rechte Bataillon der 291.inf.Div. das Dorf Belokrinitsche nehmen und damit eine Frontverkürzung erreichen, doch war diese Truppe durch die schweren vorangegangenen Kämpfe so geschwächt, dass das nicht möglich war. So wurde zur Lösung dieser Aufgabe das Füs.Btl.96 aus Titkoff herausgezogen und hinter dem linken Divisionsflügel bereitgestellt. Verstärkt durch eine Kompanie des G.R.283 sollte Hauptmann Pipo diesen Auftrag durchführen, für den Hauptmann Magawly am 07.02. die erforderlichen Erkundungen durchgeführt hatte.
08.02.1944
Es sollte, wie so oft im Krieg, wieder einmal ganz anders kommen. Gerade waren die Füsiliere beim Regimentsgefechtsstand 283 eingetroffen, als gegen 11 Uhr der Russe auf die Höhe 311,1 einbrach. Diesmal war es wirklich ernst, denn der Feind war mit 2 Bataillonen eingebrochen. Haupt- mann Magawly erkannte sofort, dass nun umgehend etwas geschehen musste, ehe der Russe sich auf der Höhe festsetzen konnte. Eine Ver- bindung zur Division bestand nicht zu dieser Zeit. So musste er selbst einen Entschluss fassen und setzte Pipos füsiliere zum Gegenstoß an. Der Kommandeur des Füsilierbataillons begriff sofort, um was es hier ging und seine Männer machten ihre Sache ausgezeichnet. Bis gegen 14 Uhr war die Lage glücklich bereinigt. Zu denken gab allerdings, dass alle 30 Gefangene übereinstimmend aussagten, hinter ihren zwei abgeschla- genen Bataillonen stünde noch ein weiteres in Reserve. So musste mit einem baldigen Wiederholungsangriff gerechnet werden.
Schmerzlich waren wieder die Verluste in diesem Kampf. Von den Füsilieren fiel unter anderem Oberleutnant Klingebühl. Durch den HVP der San.Kp. 1/196 in Koskoff gingen bis zum 11.02. 1419 Verwundete. Erstaunlich war, dass trotz der ungünstigeren Witterung und der schlechten Unterbringung der Gesundheitszustand der Truppe im Sanitätsbericht als gut bezeichnet werden konnte. Das war zweifellos ein Zeichen nicht nur für die Abhärtung der Männer, sondern auch für den guten Geist in der Truppe und den Willen jedes einzelnen, durchzuhalten und die Kameraden nicht im Stich zu lassen.
Am späten Abend konnte General Wirtz zur Stützung des Nordflügels einen Zug mit 4 Sturmgeschützen zum Gef.Std. des G.R.283 in Marsch setzen.
Kaum waren Hauptmann Magawly und der Sturmgeschützleutnant angekommen, als dort ein russischer Angriff, unterstützt von 3 Panzern, begann. Glücklicherweise traf eine Pak den einen Panzer, der mit heller Stichflamme brannte und eine gute Grundrichtung gab. Die 3./Pi.Btl.196 und die rechte Kompanie des III./G.R.283 bereinigten rasch den Einbruch. Hauptmann Magawly hatte aber den Eindruck, dass es sich bei diesem russischen Vorstoß nur um ein Ablenkungsmanöver handelte, seine Hauptsorge galt nach wie vor der Höhe 311,1 wo Oberleutnant Kaltesch im Vertrauen auf die Unterstützung durch seinen Regimentsführer hielt. Ihm wollte dieser den Sturmgeschützzug zuführen und gab durch die zufällig einmal heile Leitung den Befehl zum Reg.Gef.Std. durch.
Kaum war Magawly wieder auf seinem Gef.Std., als von 311,1 Gefechtslärm herüberschallte und der Russe mit Panzern die Höhe überrollte. Es war gegen 23 Uhr. Der Stellv. Regimentsadjutant, Oberleutnant Richter, wurde nur mit 2 Nachrichtenmännern zurückgelassen. Mit etwa 10 Mann für Hauptmann Magawly auf den Zugführergeschütz den drei anderen Sturmgeschützen nach, die den Weg nicht recht hatten finden können und erreichte nach etwa einer halben Stunde das II.Btl. Hier herrschte ein ziemliches Durcheinander, denn die russischen Panzer hatten inzwischen auch den Btl.Gef.Std. überrollt und die Schneehütten plattgewalzt. Oberleutnant Kaletsch hatte seine Grenadiere, soweit das in der Dunkelheit möglich war, wieder gesammelt und der Reg.Fhr. traf hier eine Truppe, die trotz der schwierigen Lage den Mut nicht verloren hatte. Der wackere San.Feldwebel Vierig zeichnete sich besonders aus, indem er unter erschwerten Umständen einen russischen Panzer knackte.
Langer Erkundungen bedurfte es nicht, denn alle kannten diese Höhe 311,1 gründlich. Mit den 4 Sturmgeschützen, umrahmt von den Grena- dieren des Bataillons Kaletsch, soweit diese zur Hand waren, ging es frontal auf den linken Teil des Höhenzuges, wo der Feind eingebrochen war, los. Der Mond war inzwischen aufgegangen, gab gute Sicht und nach etwa einer halben Stunde war die Höhe wieder in eigenem Besitz. Hauptmann Magawly wurde mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Ganz zum Schluss dieses Kampfes traf noch ein M.G.Garbe den Rgt.Führer. Durch drei Geschosse schwer verwundet, wurde der tapfere Hauptmann Magawly außer Gefecht gesetzt. Sein Ausfall bedeutete einen weiteren schweren Kommandeursverlust. Vorübergehend übernahm General Wirtz persönlich die Führung des Regiments, bis am 10.02. Major Lorenz dieses für 10 Tage übernahm, da hier der Schwerpunkt der Kämpfe lag. Hauptmann Grothe führte während dieser Zeit das G.R.287.
13.02.1944
Am Sonntag um 7:30 Uhr begann nach planmäßiger Vorbereitung und mit gründlicher Unterstützung durch das A.R.196 und die schweren Waffen der Gegenangriff. Nach hartem Ringen gelang es, die Höhe 311,1 wieder zu stürmen, bis zum „Bürstenwäldchen“ drang der Angriff an diesem Tag aber nicht mehr durch.
14.02.1944
Der Angriff des Vortages wurde um 5 Uhr früh wiederholt und nach anfänglichem Scheitern wurde das Ziel erreicht. Ein hartes Stück Arbeit war es gewesen und die Verluste waren schwer, allein 3 Kompanieführer waren ausgefallen. Wie wichtig dem Russen diese Geländepunkte waren, bewies die Tatsache, dass er bereits am Spätnachmittag wieder einen Panzerangriff gegen das „Bürstenwäldchen“ führte und es zurückgewann.
Flugblatt der Roten Armee
Das Ringen um die Höhe 311,1 stand in diesen Kämpfen, die bezeichnend für Art und Härte der Beanspruchung der Truppe waren, im Vorder- grund, wie hier der Schwerpunkt lag. So ähnlich aber waren auch das Erleben, die Verluste und Strapazen der anderen Regimenter. Auch hier wogte der Kampf hin und her, ein ausruhen gab es nicht. Die Gefechtsstärken schmolzen immer mehr zusammen, sie betrugen bei den Grenadierregimentern nur noch 150 bis 200 Mann, das bedeutete etwa 10% ihrer Sollstärken bei 2 Bataillonen nebst Regimentseinheiten. Und doch galt der „Haufen“ als Division und musste eine Divisionsbreite verteidigen.
Im Laufe der Zeit hatten fünf aufgefüllte russische Divisionen gegenübergestanden und waren im Feuer der Watzmänner zusammengeschmolzen. In der Zeit vom 11.01. bis Mitte Februar wehrte die Division 88 Feindangriffe in Kompanie- und Regimentsstärke ab, vernichtete 21 Panzer, schoss 2 Panzer bewegungsunfähig, erbeutete neben anderem Kriegsmaterial 6 leichte Pak und machte 200 gefangene. Die blutigen Verluste des Gegners überstiegen dir Gefangenenzahlen um ein Vielfaches.