1.5. G.R.283 wieder im Brennpunkt der Kämpfe

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Das G.R.283 hatte mit seinem Stellungswechsel zum linken Divisionsflügel kein Glück. Schon nach wenigen Tagen griff der Russe mit starken Kräften bei den Grenadierregimentern 283 und 284 wieder an. Die 96.Inf.Div. stand fast am äußersten Nordflügel der Armee damit auch der Heeresgruppenfront und nur die 291.Inf.Div. war noch links neben ihr eingesetzt. Nördlich der Bahn bei Schepetowka erstreckt sich der breite Landrücken bis zu den Pripjetsümpfen, erst nördlich des Pripjet begann die Front der Heeresgruppe Mitte (Generalfeldmarschall Busch). Weit nach Westen zu, in der Gegend von Rowno, sicherten vereinzelte schwache Verbände. Sarny war schon am 12.01. in russische Hand gefallen. Nun wollte der Russe sich Straße und Bahn freikämpfen, die über Schepetowka, Ostrog auf Rowno führt. Für die deutsche Führung kam es darauf an, Bahn und Straße zu sperren. Diese Ziele sollten nun die nächste Kampfzeit bestimmend beeinflussen.

27.01.1944

Der Angriff brach in der Nacht los. Nach starker Artillerievorbereitung traten feindliche Infanterie und Panzer vor der ganzen Divisionsfront und vor der linken Nachbardivision an. Der Schwerpunkt lag beim G.R.283. Aus dem Waldgelände westlich Nitschpaly entwickelten sich immer neue Angriffswellen. Bald war die Front an der Bahnlinie aufgerissen. Die Verluste mehrten sich. Es wurde ein sehr sorgenvoller Tag für General Wirtz und seinen 1.Generalstabsoffizier, denn Reserven standen nicht zur Verfügung. Kräfte aus der Front konnten nicht herausgezogen werden, da das G.R.287 bei Labun und das Füs.Btl.96 bei Titkoff ebenfalls durch Angriffe gefesselt waren. Alarmeinheiten aus Stäben, Trossen und rück- wärtigen Diensten konnten zwar gewisse Sicherungsfunktionen übernehmen, aber die Lage an der Front konnte man mit ihnen nicht bereinigen. So konnte es nicht ausbleiben, dass Spannungen in der Führung auftraten, da bei allen Körper- und Nervenkräfte überbeansprucht waren.

Ausgesprochen kritisch wurde die Lage, als der Russe im Laufe des Tages in die Feuerstellungen der schweren Waffen und der nördlichen Batterien des A.R.196 (4. Und 5.Bttr.) einbrach. Für Voigt Artillerie wurde es hier ein schwarzer Tag, mehrere Geschütze fielen durch Beschuss aus, andere mussten gesprengt werden. Alleine 10 Offiziere verlor das Artillerieregiment, davon 2 tot, dazu etwa 30 Unteroffiziere und Männer.

Nur in Traulin hatte sich der tapfere und umsichtige Hauptmann Dumke mit seinen Grenadieren des II./G.R.283 behaupten können, so dass das Btl. In der Luft hing. Er blieb auch in der folgenden Nacht in seinen Stellungen in der Hoffnung, dass die Lage rechts von ihm bereinigt werden könnte.

28.01.1944

Der Feind setzte seine Angriffe mit unverminderter Kraft fort, so dass das II./G.R.283 nun am Vormittag über das offene Gelände nach Süden zurückgehen musste, um wieder Anschluss an das Regiment zu bekommen. Es wurde ein schwerer, verlustreicher Weg. In diesen Kämpfen verlor die Division wieder einen ihrer besonders bewährten Bataillonskommandeure in dem unerschrockenen Hauptmann Dumke, der die Verleihung des Ritterkreuzes nicht mehr erlebte. Für ihn übernahm der Chef der 14./G.R.283, Oberleutnant Kaletsch, die Führung des Bataillons.

Mit Panzern drang der Feind in Bol.Medwedewka ein und überrollte den im Westteil des Dorfes befindlichen Gefechtsstand der G.R.283.

Am Nachmittag erlebte das III./G.R.284 (Hptm Mensing) nach kurzem, aber umso heftigerem Feuerschlag einen Überraschungsangriff. Dem Russen gelang es, innerhalb weniger Minuten dem eigenen Feuer dichtauf folgend die äußerst dünn besetzte Stellung bis über den Bataillons- gefechtsstand zu überrennen. Das III./G.R.284 hatte schmerzliche Verluste. Unter den Gefallenen befand sich der so oft bewährte Chef der 14.Kompanie Oberleutnant Cassel sowie der besonders beherzte Feldwebel Hilgendorff der 10.Kompanie, der leider neben einer ganzen Anzahl von schwerverwundeten und gefallenen Kameraden in der Einbruchstelle zurückgelassen werden musste. Lediglich Oberleutnant Neumann (13./G.R.284) und der Bataillonsarzt, Ass.Arzt. Dr. Moro, konnten als Schwerverwundete durch Hauptmann Mensing und Oberleutnant Engler unter heftigem M.G.-Feuer geborgen werden.

In dieser für die G.R.283 und 284 gefährlichen Lage brachte ein Vorstoß von Teilen der 7.Pz.Div. (Oberst Friebe) von Westen nach Osten über das flache Gelände zwischen dem Höhenzug und der Straße eine gewisse Entlastung und brachte das russische Vorgehen zum Stehen, aber an ein Wiedergewinnen des Geländes bis zur Straße war nicht zu denken. Die Truppenstärken waren stark abgesunken, obwohl man Stäbe, Trosse und dergleichen bis zum letzten Mann ausgekämmt hatte.

Die Division hielt nun eine Linie von südl. Labun über des Ostteil dieser Ortschaft mit G.R.287, Titkoff und nördl. mit Füs.Btl.96, Kochanowka und Höhen ostw. Bol.Medwedewka mit G.R.284, Höhengelände bei Bol.Medwedewka, Höhe 311,1 und westlich des G.R.283. Bei Belokrinitsche schloss die 291.Inf.Div. an. Das A.R.196 stand jetzt mit seinen Feuerstellungen am Südrand des Höhenrückens und südlich davon.

Ein Feindnachrichtenblatt gab ein ziemlich klares Bild über die gegenüberstehenden feindlichen Verbände. Die russische 336.Schützendivision stand mit 3 Regimentern von Dadeuschpol über Dobrya Losy, ostwärts und im Nordteil Labun und von Titkoff bis zur Höhe 284,8. Die russische 322.Schützendivision stand mit 3 Regimentern von Kalenitschi, südostwärts und bei Bol.Medwedewka und von der russ. 351.Schützendivision stand ein Regiment vor der Höhe 311,1, während die anderen zwei Regimenter schon der benachbarten 291.Inf.Div. gegenüberlagen. Außerdem verfügte der Gegner noch über das XXV.Panzerkorps mit den Panzerbrigaden 162 und 175 sowie der 20.Schützenbrigade mot. Alles in allem eine erhebliche Überlegenheit, von der eine Fortsetzung der Feindangriffe zu erwarten war.

Oberst Andoy war an Lebensalter bei weitem der Älteste unter den Kommandeuren und seit Beginn des Krieges im Osten fast ununterbrochen im Fronteinsatz. Nun waren ihm die körperlichen und seelischen Beanspruchungen der letzten Wochen gesundheitlich zu viel geworden und er mus- ste sich krank melden. Hauptmann Magawly übernahm die Führung des G.R.283, sein II./G.R.287 übernahm inzwischen Oberleutnant Porteck. Es war für Magawly eine ungemein schwierige Aufgabe, in einer solchen Lage das Regiment zu übernehmen und es bedurfte des ganzen Einsatzes seiner Persönlichkeit. Wie es ihm gelang, beweist das Ritterkreuz, das er in jenen Wochen erhalten hat.

30.01.1944

Die Bataillone wurden nochmals durch Auskämmen von Stäben und Trossen etwas aufgefüllt. Aber auch dadurch kamen die Bataillonsstärken nicht über 300 Mann. Westlich Titkoff standen die Batterien bereits ohne Frontalschutz durch Infanterie und mussten sich in der Front selber sichern.

Der Höhenzug, den die 283-er und 284-er Grenadiere jetzt verteidigten, ist mit seinem Nordrand etwa 3km von der Bahn und Straße entfernt, daher beherrschte er diese so, dass der Russe sie zumindest am Tag nicht nutzen konnte. So musste es dem Feind daran liegen, ihn in seinen Besitz zu bekommen. Hierbei spielte die Höhe 311,1 westlich Bol.Medwedewka eine besonders wichtige Rolle, sie sollte in den nächsten Wochen einer der Brennpunkte des Kampfes werden und es gab Tage, an denen sie mehrfach den Besitzer wechselte.

Das G.R.283 gliederte sich jetzt wie folgt: auf dem rechten Flügel stand die 1./Pi.Btl.196 unter Oberleutnant Wingenroth, daran schloss sich bei Bol.Medwedewka das III./G.R.283, das Oberleutnant Fischer bis zum 11.02. führte. Links stand das II./G.R.283 unter Oberleutnant Kaletsch und verteidigte hartnäckig die Höhe 311,1 und das anschließende Höhengelände.