1.2. Die ersten Kämpfe bei und ostw. Schepetowka
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Kapitel V - 1 - Unterseiten
Der gerade zum Generalleutnant beförderte Divisionskommandeur, General Wirtz, befand sich beim Abtransport der Division auf Urlaub in der Heimat und wurde unmittelbar nach Proskurow zur 4.Panzerarmee (Generaloberst Hoth) gerufen. Dort wurde er über die Lage orientiert und erhielt den Auftrag, in der Linie Polonnoje, Dubrowka den Eisenbahnknotenpunkt Schepetowka zu sichern.
War es schon ausgesprochen unangenehm, die Division auf unbekanntem Kriegsschauplatz bei ungeklärter Lage brockenweise aus der Ausladung einsetzen zu müssen, so wurde die Aufgabe noch dadurch erschwert, dass zunächst der Div.Stab und die Nachr.Abt.196 noch nicht eingetroffen waren. So konnte vorläufig nur gewalt- same Aufklärung durch einzelne Kompanien und Bataillone vorgetrieben werden, die sehr bald auf den Feind stieß und ergab, dass die befohlene Sicherungslinie Polonnoje, Dubrowka auf keinen Fall mehr erreicht werden konnte. Als der Div.Stab am 10.01. eintraf, wurde der Div.Gef.Std in Schepetowka eingerichtet, wo er bis zum 17.01. blieb.
Nördlich Schepetowka sicherten zunächst 2 Kompanien vom Pi.Btl.196, Pz.Jg.Kp. und das II./G.R.283 (Hptm Dumke) bei Rudnja Nowenka, die vorübergehend dem Stab des G.R.287 (Major Lorenz) unterstellt wurden. Sie standen in Gefechtsberührung mit russischen Truppen und Parti- sanen, wurden zeitweise vom Feind eingeschlossen und gingen später auf Sudilkoff zurück.
11.01.1944
Entlang der Straße nach Polonnoje war am 11.01. die 2./G.R.287 (Leutnant Becvar) zur gewaltsamen Aufklärung eingesetzt. Sie erreichte Kowitschi und musste sich dort russischer Angriffe erwehren, bis am Nachmittag des I./G.R.283 dort eintraf. In der Nacht setzte der Russe seine Angriffe mit weit überlegenen Kräften fort, so dass die Ortschaft wieder aufgegeben werden musste.
Teile der Division waren zunächst weiter Rückwärts ausgeladen worden und wurden dann nachgeführt, wie die Stäbe des G.R.287 und der I./A.R.196, die am 11.01. erneut in Ostrog verladen wurden. Die beiden Bataillone des G.R.287 waren inzwischen schon in Schepetowka ausge- laden und ohne den Regimentsstab nach Osten in Marsch gesetzt worden. Die zum Schutz der Nordflanke von General Wirtz angeforderten Panzer wurden nicht zur Verfügung gestellt.
Bis zum 12.01. war auch das G.R.284 (Major Gehrke) eingetroffen, sowie Artillerie und andere Einheiten. Die San.Kp. 1/196 richtete gerade noch rechtzeitig ihren Hauptverbandsplatz in Schepetowka ein, denn der Anfall von Verwundeten wurde bald recht erheblich. Bis zum 17.01., also in 5 Tagen, gingen 630 Verwundete durch den HVP, so dass Chirurgen und Operationsgruppen Tag und Nacht zu arbeiten hatten.
12.01.1944 - 13.01.1944
In der Nacht und in den Morgenstunden stellte sich die Division befehlsgemäß zum Angriff nach Osten in der Linie Bolschaja - Medwedewka, Chrolin bereit, rechts das G.R.284, links G.R.287, II./G.R.283 und Füs.Btl.291 schützten bei Sawitschi die Nordflanke. Das A.R.196 stand in Feuerstellung im Raum Bol.Medwedewka, Traulin, Belokrinitsche. Außer den Panzerjägerkompanien der Grenadieregimenter verfügte die Division nur über die frisch aufgefüllte Pz.Jg.Kp.196 des Hauptmanns Kölbl. Sie wurde zunächst geschlossen bei Chrolin und Traulin eingesetzt, da hier auf dem Nordflügel gegenüber dem großen Wald die Panzergefahr am Größten erschien. In den nächsten Wochen wurde die Kompanie gelegentlich geschlossen, meist aber zugweise unter den Oberfeldwebeln Ehinger und Meier und dem Feldwebel Laatsch bei den Grenadier- regimentern eingesetzt. Sie führte 7,5cm-Pak mit Spreizlafette und Zugmaschinen sowie M.G.42.
In der Gegend Labun sollte die 19.Pz.Div. (Generalmajor Källner) als rechter Nachbar irgendwo im Kampf stehen, nach links entstand allmählich recht lose Fühlung mit der 291.Inf.Div. (Oberst Eckholt), die sich in schweren Rückzugsgefechten von Korosten her über Nowograd Wolynsk durch Partisanen und russische Panzertruppen auf Schepetowka hin durchkämpfte.
Kampfraum Labun - Schepetowka
13.01.1944
Gegen 12 Uhr mittags trat die Division zum Angriff an, erstes Angriffsziel war Rogowitschi, 10km westlich Polonnoje. Die Feuerunterstützung durch das A.R.196 (Oberstleutnant Voigt) war vorbildlich und so ging der Angriff trotz tiefen Schnees zunächst gut voran. Doch dann ging gegen Nachmittag der Höllentanz los! Aus dem Waldgelände westlich Nitschpaly trat der Russe mit straken Kräften zum Gegenstoß an. Den Hauptdruck hatte das I./G.R.287 (Hptm Grothe) zu überstehen, aber auch beim G.R.284 ging es bald heiß her. In Swinoje und auf der Signalhöhe konnte es sich behaupten. Beim G.R.287 hielt das II.Btl. (Hptm Magawly) Scheludki, während das I.Btl. nördlich davon mit zurückgebogenen linken Flügel an der Bahnlinie lag. Bis zum Abend wechselten kleinere Angriffe und Gegenstöße hin und her ein heißer Kampftag ging zu Ende beim G.R.287 war Leutnant Wessel gefallen, die Gesamtverluste betrugen etwa 70 Mann, beim G.R.284 war es ähnlich.
Als die Nacht hereinbrach, richteten sich die Grenadiere in ihren notdürftigen, meist aus Schnee hergestellten Deckungslöchern, die aber nur Deckung gegen Sicht boten, ein und froren. Wo es ging, wurde durch Ablösungen die Möglichkeit zum Aufwärmen in Häusern geboten. Feld- küchen kamen heran und Munition wurde ergänzt. Für die Führer aller Grade gab es ein wenig Ruhe, da der Angriff am nächsten Tag fortgesetzt werden sollte.
14.01.1944
Gegen 8 Uhr trat die Division erneut zum Angriff aus der am Abend gehaltenen Linie an, das Angriffsziel war das Gleiche wie am Vortag, Trennungslinie der beiden Regimenter der Bachgrund des Chomorez. Der Schwerpunkt des Angriffs lag beim rechten Regiment, G.R.284, dessen Bataillone von Hauptmann Ruprecht und Hauptmann Mensing geführt wurden. Vom linken Regiment, G.R.287, hatte nur das II.Btl. aus Scheludki heraus nördlich des Bachgrundes am Angriff teilzunehmen, das I.Btl. blieb in der erreichten Stellung an der Bahnlinie mit dem Auftrag, die linke flanke der Division zu schützen. Das Gelände war vollkommen offen und nur von einigen quer zur Angriffsrichtung verlaufenden Mulden unterbrochen, in denen sich der Russe festgesetzt hatte.
Inzwischen war es Nachmittag geworden, da brandete der russische Gegenangriff mit voller Wucht gegen das G.R.284 an. Panzer und Infanterie stürmten nicht nur von vorne, sondern auch in der Flanke und Rücken des Regimentes. Ein tolles durcheinander entstand, Gehrkes Grenadiere igelten sich ein, versuchten mit Nahkampfmitteln sich der gepanzerten Ungetüme zu erwehren. Bald waren die letzten Reserven eingesetzt, Major Gehrke und seine Bataillonskommandeure konnten sich auch nur noch als Einzelkämpfer betätigen und durch ihr Beispiel ihren Männern halt geben, aber es half nichts, sie mussten zurück. Voigts Batterien schossen, was die Rohre hergaben und brachten Erleichterung, aber schlimm genug blieb es doch. Das G.R.287 nördlich des Baches sah die Not der Kameraden vom Nachbarregiment, hatte aber reichlich zu tun, sich des Druckes aus seine eigenen Stellungen zu erwehren, immerhin konnte es mit seinen leichten Infanteriewaffen durch Flankenfeuer Erleichterung geben.
An diesem Nachmittag war es, als die 284-er Grenadiere ihren tapferen Bataillonskommandeur Hauptmann Ruprecht verloren. Er fiel inmitten seiner schwer kämpfenden Soldaten. Es zeugte für die Schwere des Kampfes, dass seine Grenadiere ihren toten Hauptmann nicht mitnehmen konnten, um ihm ein würdiges Soldatengrab zu geben. Es fiel auch der Regimentsadjutant Oberleutnant Poetzsch, der sich als Adjutant und Kompaniechef stets bewährte.
Mit Aufbietung der letzten Kräfte gelang es Gehrkes Grenadieren, einen feindlichen Durchbruch zu verhindern, bis die heißersehnte Dunkelheit des frühen Winterabends Rettung brachte. Die feindlichen Panzer drehten ab, was von der eingebrochenen Infanterie nicht gefallen oder gefangen war, wurde auf Abstand verwiesen. Nun konnten die Verbände leidlich geordnet werden, die Verwundeten wurden zurückgeschafft, Verpflegung und Munition kamen heran. Ernst und gedrückt war die Stimmung an diesem Abend.
Das Ergebnis dieses Tages hatte auch der höheren Führung gezeigt, dass der Russe hier am Nordflügel der 4.Panzerarmee schon so stark war, dass an einen weiteren Angriff nicht mehr zu denken war. Noch am Abend konnte die Division den Befehl geben, dass die Regimenter auf ihre Ausgangsstellung zurückgehen sollten. Nach 4 Tagen und Nächten in denen es kaum Schlaf und Ruhe für die Männer gegeben hatte, bedurften sie dringend einer Entspannung. Aber auch der Feind war stark angeschlagen und setzte in den nächsten Tagen seine Angriffe nicht fort. Gegenseitiges Artilleriefeuer, Aufklärungstätigkeit von beiden Seiten und Feuer der schweren Waffen sorgten dafür, dass keine Ruhe eintrat.
16.01.1944
Aus südlicher Richtung war starker Gefechtslärm zu hören, wo die 19.Panzerarmee westlich und nordwestlich von Labun mit Stukaunterstützung angriff. Inzwischen war Oberst Andoy mit seinem G.R.283 geschlossen auf den rechten Flügel der Division eingesetzt worden, links von der 96.Inf.Div. war die 291. Mit stärkeren Teilen eingetroffen, ihr Füs.Btl.291 war vorübergehend Oberst Andoy unterstellt gewesen, während er die Nordflanke der Division schützte.
Unteroffizier Sievert wurde mit 10 ausgesuchten Männern vom G.R.283 zu einem Fernspähtrupp in das Feindgelände angesetzt. Der Spähtrupp legte über 40km zurück, hatte nur gelegentlich schwache Feindberührung und brachte wertvolle Ergebnisse mit.