96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel V

Kapitel V - 2 - Unterseiten


„Im März 1944 schlug die Stunde, in der für den grundlegenden Fehler der obersten Führung die Rechnung zu begleichen war“, so leitet Feld- marschall von Manstein in seinem Buch „Verlorene Siege“ den Abschnitt über diese Zeit ein. Für den Fehler, niemals etwas preisgeben zu wollen, um an anderer Stelle stark genug für eine Entscheidung zu sein, für den Fehler, immer wieder die Fronten zu überdehnen, für den Fehler, die Kräfte der eigenen Truppe immer wieder zu überfordern. Ein Blick auf die Skizze (Nr. 27) der Heeresgruppe Süd zu dieser Zeit zeigt deutlich, was unter Überdehnung der Front zu verstehen war.

Lage bei der HGr Süd. Ende Febr. - Mitte April 44

Man muss sich das vergegenwärtigen, um zu verstehen, warum der Weg der 96.Inf.Div. im Laufe des März in den „Hube-Kessel“ führte. Die 17.Armee stand noch auf der Krim, die 6.Armee mit dem rechten Flügel an der Dnjepr-Mündung. Von Südosten nach Nordwesten lief die dünne Front der Heeresgruppe Süd und endete bei Schepetowka. Nördlich davon war das breite „Nichts“ bis zur Heeresgruppe Mitte nördl. der Pripjet- sümpfe. In dieses „Nichts“ strömte der Russe mit immer neuen Kräften und drückte auf Tarnopol, Brody und Kowel, von schwachen deutschen Kräften aufgehalten, aber nicht zum Stehen gebracht. Die Lücke zwischen Schepetowka und Tarnopol lud den Feind geradezu dazu ein, nach Süden auf Czernowitz durch zustoßen und den ganzem deutschen Südflügel einzukesseln. Und immer noch wollte Hitler seinen Südflügel nicht großzügig zurücknehmen, um eine kürzere Front aufzubauen, wie Feldmarschall von Manstein es immer wieder verlangte, da er die Lage klar überschaute.

Als um die Wende Februar auf März der bevorstehende russische Großangriff erkannt wurde, als an verschiedenen Stellen der Front starke Ein- brüche erfolgten und die Umfassung westlich an Schepetowka vorbei nach Süden sich abzeichnete, besuchte Feldmarschall von Manstein am 04.03. das LIX.A.K., das inzwischen General d.Inf. Schulz übernommen hatte und die vorderste Linie bei Schepetowka. Er befahl den Einsatz der 1.Pz.Div. (Oberst Marcks), die gerade herangekommen war, auf den linken Flügel und ordnete ein sofortiges Absetzen in Richtung Proskurow an.

Das Oberkommando der 4.Panzerarmee, dem das LIX.A.K. mit der 96.Inf.Div. so lange unterstanden hatte, bekam die Befehlsführung im Ab- schnitt Tarnopol, Kowel, wo Verstärkungen zugeführt wurden. An seine Stelle trat das Oberkommando der 1.Panzerarmee (General d.Pz.Tr. Hube). Die 96.Inf.Div. war in diesen Tagen nur von schwächeren russischen Fesselungsangriffen getroffen worden, sie sollte später eine billige Beute der Flankenangriffe rechts und links werden.

04.03.1944 - 05.03.1944

Für die Nacht war das Absetzen aus der nun schon beiderseits weit überflügelten Linie Labun, Schepetowka befohlen. Von rechts nach links waren eingesetzt: G.R.283 (Major Vaitel) mit Füs.Btl.96 (Major Schlegel), G.R.284 (Major Gehrke) und G.R.287 (Major Lorenz). Der Div.Gef.Std. des Obersten Fischer mit Major i.G. Heck verlegte von Lotowka über Koskoff nach Selenzy. Das A.R.196 (Oberstleutnant Voigt) räumte seinen Gef.Std. Ustjanowka über Koskoff ebenfalls nach Süden. Der HVP der San.Kp. 1/196 wurde über Staro Konstantinow, Kobylie nach Proskurow verlegt, von wo der Verwundetenabschub zunächst noch mit Behelfslazarettzügen und Flugzeugen durchgeführt werden konnte.

Die Rückzugsbewegung der 96.Inf.Div. mit hinhaltender Kampfführung ging den ganzen Monat über in südlicher Richtung über Staro Konstantinow, ostw. an Proskurow vorbei über Jarmolinzy bis etwa 25km nördl. Kamenez-Podolsk. Die an sich natürliche Rückzugsrichtung nach Westen war von der 1.Ukrainischen Front, jetzt unter Marschall Schukow, mit starken Kräften seiner 3.Garde-Panzerarmee mit 3 Panzerkorps verlegt. Unter zusätz- lichen scharfen Druck von Norden und Osten schlossen sich dann im letzten Drittel des März die Zangenarme auch im Süden im Raum zwischen Dnjestr und Pruth und bis zum Sereth und zum Rande der Karpaten. So ent- stand dann der „Wanderkessel“ der 1.Panzerarmee, auch „Hube-Kessel“ genannt, dessen Seele der tatkräftige und stets unverzagte General Hube war. Einarmig seit dem ersten Weltkrieg, war er ein ausgesprochener Frontsoldat, Infanterist und Panzer- mann in einer Person.

Die erste Zwischenstellung war die von den rückwärtigen Diensten mit Unterstützung der Pioniere gut ausgebaute „Adlerstellung. Sie war als Auffangstellung gedacht gewesen und hätte sich gut verteidigen lassen. Auf dem rechten Flügel mit G.R.283 und Füs.Btl.96 wurden die Absetz- bewegungen durch den Druck der Russen erschwert, der der benachbarten 19.Pz.Div. (Generalmajor Källner) schwer zusetzte. Die Füsiliere mussten sich das Einrücken in die Stellung bei Mikulino erst erkämpfen, da der Feind schon vor ihnen dort war. Es gelang und auch zwei feind- liche Angriffe wurden abgeschlagen, wobei 9 M.G. und ein mittlerer Granatwerfer erbeutet wurden. Oberleutnant Franke wurde beim Gegenstoß verwundet.

Auf dem linken Flügel stieß der Russe beim G.R.287 in die beginnende Absetzbewegung hinein und nahm gegen 21 Uhr die Höhe 304,7 der 3./G.R.287 (Oberleutnant Menke). Ein tatkräftig geführter Gegenstoß warf den Feind wieder zurück. Nun konnte beim G.R.284 und G.R.287 das Loslösen planmäßig an laufen.

Jetzt wo der Russe merkte, dass die Front in Bewegung geraten war, drückte er überall lebhaft nach. So kam es im Verlauf des 05.03. zu mehrfachen Angriffen, die aber abgeschlagen werden konnten. Beim I./G.R.287 (Hptm Grothe) in Reschnewka Kossaja fanden sich Teile der 291.Inf.Div. und der 2.SS-Pz.Div. „Das Reich“ ein, die aufgenommen wurden.

06.03.1944

In der Nacht setzte sich die Division auf die ebenfalls gut ausgebaute Stellung „Reiherstellung“ ab, doch auch sie musste schon am Spätnach- mittag dieses Tages aufgegeben werden. Auf dem rechten Flügel war der Feinddruck wieder besonders stark. Das II./G.R.283 (Oberleutnant Kaletsch) wurde im Zug der Absetzbewegung von Feindkräften, die von Osten durchgesickert waren, abgeschnitten und musste sich unter schweren Verlusten zum Regiment durchschlagen. Hierbei fiel der tapfere Oberleutnant Kaletsch, der das Btl. Seit 6 Wochen führte. Die Verleihung des Ritterkreuzes, zu dem er schon für die Kämpfe um Höhe 311,1 eingegeben war, sollte er leider nicht mehr erleben. Oberleutnant Bülling übernahm die Führung.

Mitte und linker Flügel der Division konnten sich ohne Feindberührung lösen. Strömender Regen erschwerte den Nachtmarsch, der wegen der verstopften Straßen Kompanie- und Zugweise durchgeführt wurde. Das G.R.287 wurde vorübergehend der 1.Pz.Div. unterstellt.