96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel III
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Wie groß auch die Erfolge der deutschen Wehrmacht im Sommer und Herbst gewesen waren, sie hatten doch nicht den von Hitler erhofften entscheidenden Sieg über die Sowjetunion gebracht. Die Kraft des Feindes war angeschlagen aber nicht gebrochen, die eigene Kraft hatte sich durch Verluste und Materialverschleiß vermindert. Die eigenen rückwärtigen Verbindungen in dem verkehrsarmen Land waren außerordentlich lang und gefährdet geworden, die des Feindes hatten sich verkürzt. Der deutsche Angriff hatte seinen Kulminationspunkt erreicht, auch wenn Hitler das nicht wahr haben wollte. Die Ausdehnung der Fronten vom Schwarzen Meer bis zum Nördlichen Eismeer hatte die operativen Reserven aufgezehrt, ja selbst taktische Reserven waren kaum noch vorhanden. Damit ging das Gesetz des Handelns an den Gegner über.
Der Fehlschlag bei Rostow am Don war das erste Wetterleuchten der heraufkommenden Krise. Ihr folgte bald der Umschwung vor Moskau, der fast zu einer Katastrophe für die gesamte Heeresgruppe Mitte führte. Nur der eiserne Wille Hitlers und die restlose Hingabe von Führung und Truppe meisterten eine Lage, die in der Kriegsgeschichte fast beispiellos ist. Es liegt eine tiefe Tragik für die deutsche Wehrmacht darin, dass Hitler hieraus eine falsche Schlussfolgerung zog und glaubte, eine solche Überforderung der Kräfte der Truppe immer wieder verlangen zu können.
Ehrenfriedhof Otradnoje an der Newa für die Gefallenen des I.R.284 im Winter 1941/42 (Bild 5 im Register)
Die 18.Armee, nun bald unter General d.Kav. Lindemann, im Verband der Heeresgruppe Nord, die nach dem Ausscheiden des Feldmarschall Ritter v. Leeb Generaloberst v. Küchler übernehmen sollte, führte jetzt an der ganzen Front vom Wolchow bis zum Finnischen Meerbusen. Hieraus ergab sich die Wichtigkeit ihrer Aufgabe, die umso schwieriger war, als ihr die Kräfte an Truppen und Material nur im beschränkten Maße zugeführt werden konnten. So war General Lindemann auf eine äußerst wendige Führung und ein ständiges System von Aushilfen angewiesen.
Er musste Truppe und Führung in einem Ausmaß beanspruchen, das damals sicher oft nicht richtig verstanden und gewertet wurde. Es kam zu einem Zerreißen der Verbände, das höchste Anforderungen an die mittlere und untere Führung stellte, und zu einer Beanspruchung der Truppe durch Verluste und Entbehrungen, deren Er- tragen ein Ruhmesblatt für den deutschen Soldaten ist. All diese Kämpfe spielten sich in einem Winter von un- vorstellbarer Härte und mit einer hierfür ungeeigneten Bekleidung ab.
Die Zerreißung des Verbände traf die 96.Inf.Div. ebenso wie alle die anderen Verbände. Hieraus ergab sich die Notwendigkeit, die Darstellung der Kämpfe dieses Winters nicht rein zeitlich vorzunehmen, sondern aufgeteilt nach drei Haupteinsatzräumen: an der Newa, am Wolchowkessel und am Pogostjekessel.
Kampfraum zwischen Wolchow und Ladogasee
01.12.1941
Die Division wurde wieder dem XXVIII.A.K. (General Wiktorin) unterstellt. In den ersten Tagen des Monats kam Oberst Köchling von seinem Kommando zur 254.Inf.Div. zurück und übernahm sein Regiment.
02.12.1941 - 19.12.1941
Den schwersten Einsatz im Dezember verlebte das I./I.R.284 unter Hauptmann Kreuter, als es der 1.Inf.Div. zur Verwendung an dem russischen Brückenkopf Gorodok nördlich Dubrowka zur Verfügung gestellt wurde.
Der Winter hatte nun mit voller Macht eingesetzt und machte der Truppe viel Schwierigkeiten. Neben der mangelhaften Bekleidung für den Winter, die erst im Laufe der Zeit durch die „Wollsachenspende des deutschen Volkes“ aufgebessert wurde, gab es technische Schwierigkeiten an den Maschinenwaffen und bei den Kraftfahrzeugen. Bei der Artillerie ergaben sich Kurzschüsse, weil die Schusstafelmäßigen Entfernungen nicht mehr stimmten.
Von besonderer Bedeutung für die Kampfführung war das Zufrieren alle Flüsse, Seen und Sümpfe. Sie hörten damit auf, Kriegshindernisse zu sein, und der Russe war ein Meister darin, sich dieser Vorteile zu bedienen, während der Deutsche sich erst allmählich auf den Kampf in Sumpf- gebieten einstellen musste.
Aus diesen und anderen Gründen hatte auch der Vorstoß auf Tischwin mit einem Rückschlag geendet. Unter erheblichen Verlusten und Ein- bußen von Material gingen dort eingesetzte Truppen auf den Wolchow zurück.
An der Newafront kam es öfters zu kleineren Angriffen über das Eis, zweimal wurden auch eigene Spähtruppunternehmen in die russischen Stellungen am jenseitigen Ufer unternommen. Kurz vor Weihnachten erregte die Entlassung des Oberbefehlshabers des Heeres, Feldmarschall v. Brauchitsch, die Gemüter, doch war damals das Vertrauen zu Hitler so groß, dass die meisten sich keine sorgenvollen Gedanken machten.
Mitte Dezember
Die ersten Heimaturlauber durften über Krasnowardeisk zu den Ihren fahren. Die Truppe schickte sich an, ihr erstes Weihnachtsfest in Russ- land zu feiern. Wie erwartet, brachten die Weihnachtstage auflebende Kampftätigkeit vo allem im Abschnitt des I.R.287. Mit flankierendem Feuer von Stützpunkt Helgoland wurde ein starker feindlicher Stoßtrupp von der 11./I.R.284 bei Pella abgewehrt.
25.12.1941
Das Pi.Btl.196 wurde, ohne die 3.Kp. die im Divisionsabschnitt blieb, zu einem Stellungsbauauftrag bei der 269.Inf.Div. nach Schala in Marsch gesetzt.
Generalfeldmarschall von Küchler, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord
Ende Dezember
Generalmajor Zahn gab infolge der Ernennung zum Inspekteur der Wehrersatzinspektion Stuttgart sein I.R.283 ab. Obersleutnant Andoy, bisher Btl.Kdr. im I.R.287, wurde sein Nachfolger.
01.01.1942
Zur weiteren Verstärkung der 269.Inf.Div. musste die Division das hinter dem I.R.283 als Reserve stehende I./I.R.284 abgeben. Damit begannen die Abgaben an den Kampfraum Pogostje.