2.2. Brigade Köchling III./I.R.284

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24.01.1942

Es bestand kein Zweifel mehr, der Deich der deutschen Abwehrfront am Wolchow war gebrochen, die Rote Armee drängte mit aller Gewalt durch die Lücke bei und südlich Mostki. Finew Lug war in russischer Hand und die Angriffspitzen der Gruppe Gussew erreichten bereits die Niederungen am Oredesh bei Nesterkowo mit einer Ausdehnung nach Norden bis Poroschki und nach Süden im Raum ostwärts Kremeno.

26.01.1942

Das III./I.R.284 (Hauptmann Hirthe), das zu der Zeit ostwärts der Tosnamündung in Stellung war, wurde herausgelöst und sammelte sich in Otradnoje.

27.01.1942

Das III./I.R.284 erhält den Abmarschbefehl und wird durch je einen Zug der 13./I.R.284 und der 14./I.R.284 (Leutnant Glag) verstärkt. Zunächst wurde bis Nikolskoje marschiert, unterwegs gab es bereits die ersten Erfrierungen.

Oberst Köchling, Kommandeur des I.R.287 erhielt den Befehl zur Bildung der Brigade Köchling. Gebildet wurde diese aus einem Teil des Rgt.Stab als Brig.Stab, vom I.R.284 den NachrZug (Leutnant Dobritz); 1.Generalstabsoffizier wurde Hauptmann i.G. Bielitz vom Stab A.O.K.18; die Auf- gaben des Brigadeintendanten übernahm Oberzahlmeister Schittke, Brigadearzt wurde Oberarzt Dr. Stephan (beide vom III./I.R.284). Adjutant war Oberleutnant Albrecht.

Die Brigade Köchling kam im Brennpunkt der Schlacht bei Spaskaja Polist im Rücken der 215.Inf.Div. in Stellung. Sie erhielt die Aufgabe, die Verbindung mit Mostki wieder angriffsweise herzustellen. Danach sollte der Rest der 12km breiten Lücke wieder geschlossen werden. Sie war unmittelbar dem Generalkommando des I. A.K. unterstellt.

Oberst Köchling führte das I.R.287 von der Aufstellung in Bergen bis zu den schweren Tagen am Wolchowkessel, wo er verwundet wurde (1942). (Bild 6 im Register)


30.01.1942

Oberstleutnant Becker (Kdr Pz.Jg.Abt.215) hatte in Spaskaja Polist die Kampfgruppe übernommen, die als erste der Brigade unterstellt wurde. Oberst Köchling wollte zunächst die Ausgangsbasis für die Fortsetzung des Angriffs in Richtung Mostki verbreitern und hierfür den Flugplatz Spaskaja wieder in Besitz nehmen. Er setzte zum Angriff nach Süden das ihm zugeführte I.R.377 (Oberst Schoepffer) der 225.Division ein, um den Russen über die „Kleine Rollbahn“ zu werfen.

OKH Lage Ost Januar 1942

31.01.1941

Die Kampfgruppe Becker konnte das Bahnwärterhaus nehmen, der Entsatz von Mostki gelang wegen der erheblichen feindlichen Abwehr jedoch nicht. Da auch dieser Versuch keinen Erfolg brachte entschloss sich Oberst Köchling den Angriff nicht mehr über die Rollbahn sondern durch den dichten Wald etwa 3km westlich des Bahndammes durchzuführen. Hierfür wurde eine neue Kampfgruppe unter dem Kdr. des I.R.423 (Oberst Köppel) gebildet. Sie bestand aus III./I.R.284, I./I.R.287 und Pol.Schützen-Regiment 3.

Das verstärkte III./I.R.284 (Hauptmann Hirthe) traf am Abend auf LKW verladen ein.

02.02.1942

Da Oberst Köppel mit seinem Stab und den beiden Bataillonen noch nicht eingetroffen warm musste das II./I.R.284 die der Kampfgruppe Köppel gestellte Aufgabe alleine lösen. Es ging daher in zwei Keilen, mit je einer Panzerspitze von zwei Panzern III, auf zwei Schneisen vor. Am Nach- mittag wurde die von Punkt 37,8 nach Westen laufende Schneise erreicht. Hier wurde unter Sicherungsschutz bei 50 Grad Kälte die Nacht in einem Waldbiwak verbracht. In dieser Nacht schloss Oberst Köppel auf.

Hauptmann Hirthe befahl die Einrichtung des Stützpunktes „Spinne“ und beließ dort zwei Gruppen der 10./I.R:284 (Unteroffizier O.A. Voigt), eine Pak der 14.Kp. und einen Panzer III zur Sicherung des Vormarsch- und späteren Versorgungsweges.

03.02.1942

Im Morgengrauen setzte Oberst Köppel den Angriff fort. Nach einem kurzem Gefecht erreicht die Kampfgruppe einen Raum 2km nordwestlich Mostki. Hauptmann Hirthe erhielt den Befehl, Mostki noch in der Nacht zu entsetzen. Er setzte zunächst einen Spähtrupp (Leutnant Balzer) ein. Als dieser um 21 Uhr noch nicht zurückgekehrt war, wurde nach mehrmaligen Nachfragen des Kampf.Grp.Fhr. schließlich über das Brigade- kommando der direkte Befehl des Führerhauptquartiers an Hauptmann Hirthe übermittelt, unverzüglich anzutreten. Um 23:30 Uhr folgte das Btl. der Spur des Spähtrupps.

Als ersten konnten die 287-er in Mostki Unteroffizier Reimann und Feldwebel Grieß die Hände reichen. Ohne Zwischenfälle marschiert das Btl. in Mostki ein und übernahm noch in der Nacht die Verteidigung von Mostki. Die bisherige Verteidiger verließen vor Morgengrauen das Dorf.

04.02.1942

Auch das SS-Pol-Btl. wurde in Mostki abgelöst. Dar I./R.377 igelte sich mit dem Gef.Std. des Obersten Köppel ein einem Waldlager westlich des Bahndammes ein.

Um gegen Panzerangriffe gesichert zu sein, wurde die Sprengung der Brücke über den Polist am Friedhofswäldchen befohlen.

In diesen Tagen hatte sich der Stützpunkt „Spinne“ der ersten feindlichen Angriffe erwehren müssen. Der Panzer III wurde leider zur anderen Verwendung abgezogen. Die etwa 25 Mann starke Besatzung hauste bis auf die Pak-Bedienung in einem Finnenzelt. Ca. 2km nördlich hatte sich an der Schneisenkreuzung ein Stützpunkt des SS-Pol.Btl. eingerichtet, der über eine 2cm-Fla verfügte. Eine Versorgungs-Schlittenkolonne unter Panzerschutz erreichte die Bataillone der Kampfgruppe Köppel.

06.02.1942

Besonders heftig wurde um Spaskaja gekämpft, wo das II./I.R.377 fast vollkommen aufgerieben wurde. Im vorbildlichen Zusammenwirken alle Waffen war in Spaskaja eine Gemeinschaft von Kämpfern entstanden, die durch die überragende Führerpersönlichkeit ihres Kampfkommandanten trotz schwerster Verluste glänzende Abwehrerfolge erzielte.


Auf dem Weg nach vorn (Bild 77) - Über die Leichen der gefallenen Sowjets zum Gegenstoß (Bild 78) - Einzeln arbeiten sich die Infanteristen vor (Bild 79)

07.02.1942

Die zum zweiten Mal vorfahrende Schlittenkolonne geriet südlich der „Spinne“ in eine inzwischen gelegte feindliche Minensperre und wurde angegriffen. Unter Verluste, auch Toten, mussten sie unverrichteter Dinge wieder umkehren. Die nun völlig eingeschlossen Kampfgruppe Köppel musste aus der Luft versorgt werden.

Der Stützpunkt „Spinne“ war ebenfalls abgeschnitten und alle 3 Tage musste sich ein unter Panzergeleit fahrender Schlittenkonvoi zu ihm durchkämpfen. Oberst Köchling unterrichtete sich über die Lage am Stützpunkt „Spinne“ persönlich, als er mit zwei Panzer vorgefahren kam und gab den Befehl zur sofortigen Zuführungen ein zweiten Pak, allerdings ohne Bedienung.

08.02.1942 - 09.02.1942

Der Feind griff Spaskaja von Süden und Südosten entlang der Bahnlinie an.

10.02.1942

Angriff aus Spaskaja von allen Seiten. In der Nacht drang der Feind mit etwa 100 Mann ein und wurde im Gegenstoß vernichtet. Die Front der nördlich benachbarten 215.Inf.Div. war inzwischen bis an den Polistbachgrund nahe der Rollbahn zurück gedrängt worden, so dass die Trosse im Abschnitt der Kampfgruppe Heun, zum Gewehr greifen mussten. Nach verlegung des Trosses des III./I.R.284 nach Tregubowo griff der Feind aber auch hier an. Der Tross musste nach Tschudowo ausweichen. Damit waren aber die Versorgungswege ungewöhnlich lang.

11.02.1942

Die Lage der Verteidiger in Mostki war zunehmend ernster geworden, besonders hinsichtlich der Verluste und der sich verschlechternden Versorgungslage. So konnte z.B. die 9./I.R.284 (Verpflegungsstärke 44 Mann) nur noch zugeteilt werden:

3 Brote
6 Tüten Bonbons
2 Pakete Kekse
6 Dosen Schokakola
1 Dose Schmalzfleisch
6 Dosen Eiserne Portionen
1 Dose Erbsenkonserve
1 Sack Zucker
1 Sack Tee
61 Zigaretten

Auch der Ausfall an Waffen, besonders an schweren, war ernst. Ähnlich sah es in Ljubino Pole, sowie beim I./I.R.377 aus.

In mehreren Funksprüchen hatte Oberst Köppel die Genehmigung zur Räumung der schwer umkämpften Stützpunkte erbeten. Er war durch den Brigadeadjudanten, Oberleutnant Albrecht, der eigens dazu einen Panzerdurchbruch entlang der Rollbahn unternommen hatte, mündlich ein- dringlich auf die Bedeutung des Befehl zum Halten hingewiesen worden. Schwer drückten den Oberst Befehl und Verantwortung für die ihm anvertrauten Männer, im Gewissenskonflikt rang er sich am 11.02. zum Räumungsbefehl durch. Von der Eigenmächtigkeit seines Befehls erfuhren die Btl.-Kommandeure erst nach der Räumung bei Erreichen der Igelstellung der Kampfgruppe. Das Absetzen war in der Reihenfolge Btl. Becker, Btl. Hirthe nach Einbruch der Dunkelheit erfolgt.

12.02.1942

Gegen 2 Uhr hatte das Btl. Hirthe den Kampf.Grp.Gef.Std erreicht, von wo es als letztes Btl. abrücken sollte. Um im Morgengrauen nicht feind- lichen Angriffen ausgesetzt zu sein, trat es seine eigene Spur und überholte in den Vormittagsstunden das Btl. Becker, das sich mit Kampf.Grp.Stab und I./I.R.377 hinter die Watzmänner setzte.

Etwa gegen Mittag geriet das III./Pol.S.R.3 in ein ausgedehntes Waldlager der fernöstlichen 374.Sch.Div. nahe dem P.37,9 an der nordwestlich führenden Versorgungs- und Nachschubschneise der 2.Stoßarmee. Um der Vernichtung zu entgehen musste der Durchbruch das Waldlager und den ringsum in den Kampf eingreifenden Feind erzwungen werden. Es gelang, die gesamte Kampfgruppe Köppel der Umklammerung und Ver- nichtung zu entziehen.

Außerordentlich schwierig gestaltete sich beim Kampf die Bergung und der Transport nicht marschfähiger Verwundeter. Die Aufgabe konnte ausnahmslos gelöst werden.

Am Stützpunkt „Spinne“ waren inzwischen die 14./I.R.284 und Reste des III./I.R.271 ins Stärke von 2 „Kompanien“ von insgesamt 18 Mann eingetroffen. Später traf die gesamte Kampfgruppe Köppel, Nachzügler bis spät in die Nacht, ein. Das I./I.R.377 wurde der Kampfgruppe Schoepffer nach Spaskaja zugeführt.

13.02.1942

Oberst Köppel wurde für seinen eigenmächtigen Entschluss auf Befehl des Führers zur Rechenschaft gezogen. Drei Kriegsgerichte bewährter Wolchowkommandeure bestätigten ihm die Richtigkeit seines Entschlusses, ohne die Folgen der Ungnade des Führers von ihm abwenden zu können. Unter von der Truppe als dramatisch empfundenen Umständen übernahm der sehr energische Major Böhme vom I.R.271 am 13.02. die Kampfgruppe.


Drei Wolchow-Kämpfer (Bild 110)

15.02.1942

Der energische und um Abwehrerfolge an diesem Brennpunkt der Schlacht hochverdiente Oberst Köchling wurde verwundet, damit verlor auch das I.R.287 seinen verehrten Kommandeur. Die Brigade übernahm Oberst Hippel, der bald darauf fiel, dann wurde der Verband aufgelöst. Die 61.I.D. übernahm hier die Befehlsführung auch über die Kampfgruppe Schoeppfer.

15.03.1942

Der wegen ungünstiger Wetterverhältnisse fünfmal verschobene Großangriff begann. Das III./I.R.284, unterstützt von Artillerie, beteiligte sich mit begrenztem Ziel am Angriff im Zuge der Schneise nach Südosten. Stukas sollten den von der „Spinne“ 250m entfernten feindlichen Stütz- punkt angreifen. Die Zusammenarbeit zwischen Fliegern und Infanteristen war hervorragend. Als nach Bombardierung des feindlichen Stütz- punktes bei ihrem Scheinangriff die Maschinen mit Geheul niederstießen, sprangen die Watzmänner und Polizeischützen aus ihren Deckungen und nahmen den Stützpunkt im Sturm. Die Kampfstärke des III./I.R.284 betrug noch 70 Gewehre.

28.03.1942

Tauwetter wechselte mit Frost, die Wege und Schneisen standen schon unter Tauwasser und erschwerten den Nachschub, doch war jetzt die Versorgung der Truppe mit Verpflegung und Winterbekleidung reichlich. Dat Btl. bestand noch aus 52 Mann Kampfstärke einschl. Offizieren. In zwei Einsatzmonaten an der Wolchowfront gab es allein 175 Erfrierungen dritten Grades zu verzeichnen, bis zum 30.April davon 30 die tödlich verliefen.

21.04.1942

Hauptmann Hirthe wurde bei einem feindlichen Angriff verwundet. Auf dem Weg zum HVP machte er Meldung bei General d.Inf. v. Both (I. A.K.) und erreichte endlich die Ablösung der Reste seines Bataillons, die dem Regiment an der Newa wieder zugeführt wurden. Von den 400 Mann Gefechtsstärke gab es noch 2 Offiziere und 17 Unteroffiziere und Mann, die zurück kamen. Drei „Deutsche Kreuze in Gold“ (Hirthe, Ruprecht und Zwanzig) sowie 8 E.K. I und über 200 E.K. II bildeten die äußere Anerkennung für die tapfere Truppe.