96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel II

Die 96.Inf.Div. wurde dem I.A.K. (General d.Inf. v. Both) unterstellt. Die 16.Armee (Generaloberst Busch), zu der das Korps gehörte, hatte starke Kräfte für den Mschaga-Übergang bereitgestellt. Als nächste Ziele waren für das Korps gesteckt worden: Durchbruch durch die russischen Stellungen an Schelon und Mschaga, Einnahme von Nowgorod sowie die Unterbrechung der Eisenbahnlinie Moskau - Leningrad.

Der Kreml von Nowgorod vom Wolchow aus

10.08.1941

Hierzu waren dem Korps zusätzliche starke Heeresartillerieeinheiten unterstellt; außerdem war es auf Zusammenarbeit mit dem VIII.Flieger- korps des Generals d.Fl. Frhr. v. Richthofen angewiesen. Der Besitz Nowgorods war für die Fortführung der Operationen für beide Parteien von großer Wichtigkeit.

In der Nacht zum 10.08. konnten die Infanterieregimenter der 21. und 11.Inf.Div. ihre Bereitstellungsräume lautlos und ungestört einnehmen. Ab 4 Uhr morgens versammelte Richthofen hunderte von Flugzeugen in der Luft. Um 4:15 Uhr begann der Feuerschlag der gesamten Artillerie des Korps. Aus allen Rohren feuerten dabei die Batterien des A.R.196 (Oberst Holzhausen), ohne I.Abteilung. Von 4:25 Uhr bis 4:30 Uhr flog Welle auf Welle von Stukas an, deren Bomben in den gelähmten Feind fielen. Währenddessen trat die Infanterie an. Granatwerfer- und MG-Feuer setzte ein. Die Schlacht bei Nowgorod hatte ihren Anfang genommen.

Schon nach 45 Minuten hatte die 21.Inf.Div. übergesetzt und mit vorderen Teilen die aus dem Ort Mschaga nach Nordwesten führende Straße erreicht. In Mschaga wurde energisch Widerstand geleistet. Die 11.Inf.Div. setzte im Anschluss an die 21. über die Mschaga und war im Vor- gehen auf Iwanowskaja. Das gut liegende Feuer des A.R.196 trug wesentlich zum Gelingen des Angriffs der 23-er von der 11.Division bei. Im Laufe der folgenden Nacht konnte die Artillerie dem I.R.23 auf das Ostufer zu erneutem Stellungswechsel folgen.

Die noch nicht eingesetzten Teile der 96.Inf.Div. erlebten den Lärm des pausenlosen Artilleriefeuers und das Heulen der Stukaangriffe in ihren Rasträumen nahe dem Schlachtfeld mit. Sie erhielten gegen 10 Uhr den Vorbefehl zum Abmarsch. General Schede erhielt den Auftrag, in der Lücke zwischen 11.ID. und der weiter nördlich eingesetzten SS-Polizei-Division des LVI. (mot) A.K. über Mschaga anzugreifen und sich in den Besitz der Höhen bei und südostwärts Mjedwjed zu setzen. An die Truppen der 96.Inf.Div., die sich seit dem Nachmittag und Abend auf dem Marsch nach vorn befanden, ergingen noch spät in der Nacht zum 11.August die entsprechenden Befehle zum Abdrehen in Richtung Mschaga.

Mschaga-Übergang in der Schlacht von Nowgorod

11.08.1941

Die an sich schwierigen Bewegungen des Uferwechsels in den frühen Morgenstunden und am Vormittag des 11. gelangen trotz feindlichen Störungsfeuers auf die Übergangsstellen und ausgedehnter Minenfelder am ostwär- tigen Flussufer mit nur ganz vereinzelten Ausfällen. Die nördlichste Brücke lag ostwärts Kastkowa. Um 12 Uhr war die Bereitstellung der Division in dem befohlenen Raum, der von der Aufkl.Abt.11 gesichert wurde, einge-nommen. Noch während der Bereitstellung hatte die 10./I.R.284 (Leutnant Köhler) nach voraufgehenden Späh- truppunternehmen, einen Aufklärungsvorstoß unternommen, bei dem die Kompanie die ersten Toten und Ver- wundeten zu beklagen hatte. Das A.R.196, nunmehr wieder vollzählig bei der Division, meldete Feuerbereit- schaft.

Für den befohlenen Angriff wurden in vorderer Linie eingesetzt: rechts I.R.284 (Oberstleutnant v. Chappuis), links, angelehnt an die ostwärtigen Mschagahöhen, I.R.283 (Oberst Zahn). Das I.R.287 (Oberst Köchling), ohne das II.Btl., sollte zum Schutz der ostwärtigen Flanke rechts rückwärts gestaffelt dem Angriff folgen. Im Bereit- stellungsraum lag schwaches Artilleriestörungsfeuer, das aber zwei besonders schmerzliche Verluste forderte, Major Dr. Otto, Kommandeur des I./.I.R.287, und der junge Leutnant v. Hobe vom A.R.196 wurden tödlich ver- wundet, Hauptmann Krause übernahm das I./I.R.287.

Vom A.R.196 wurde die I.Abt. (Hauptmann Großkreutz) auf Zusammenarbeit mit dem I.R.284, die II.Abt. (Obstl. Steuber) mit dem I.R.283 angewiesen. III.Abt. (Hauptmann Ballschmieter) und die schwere IV.Abt. (Hauptmann Micheel) blieben als Schwerpunktartillerie zur Verfügung des Regiments.

Das I.R.284 setzte rechts das I.Btl. (Hauptmann Dr. Hillardt), links das III.Btl. (Hauptmann Rutkowski) in vor- derer Linie ein, auch I.R.283 nahm zwei Bataillone nach vorn, die anderen Bataillone blieben zunächst Regts- reserven.

Bei Beginn des Angriffes um 15 Uhr machte das A.R.196 zunächst einen Feuerüberfall vor dem I.R.283, das zuerst antrat, daraufhin einen vor dem I.R.284. Die Waldränder bei Kuwschkino in der ostwärtigen Flanke wurden vernebelt, um eine Gegen- wirkung zu erschweren. Der Angriff ging zunächst gut vorwärts. Beim Eindringen des I.R.284 in das niedere unübersichtliche Kusselgelände westliche Kuwschkino setzten russische Gegenstöße, unterstützt durch leichte und schwere Panzer, ein. 13 leichte Panzer wurden besonders von den Divisions- und Regimentspanzerjägern abgeschossen.


Einer der alten zerfallenen Glockentürme

Der überraschende, zum Teil flankierende russische Gegenstoß mit schweren Panzern führte zu erheblichen Verlusten und vorübergehend zu einer Gefechtskrise, so dass das Regiment zunächst nicht weiter vorwärts kam. Leutnant Popp von der 11./I.R.284 wurde tödlich verwundet. Beim Nahkampf in der Abenddämmerung wurden auch der Chef der 11.Kompanie, Oberleutnant Große, und Leutnant Teuteberg der 10.Kompanie verwundet. Ein eigenmächtiger Absetzbefehl des Chefs der 12.Kompanie auf dem linken Flügel des Bataillons hatte glücklicherweise keine schwerwiegenden Folgen.

Das I.R.283, auf das sich der russische Gegenstoß nicht auswirkte, kam dagegen gut vorwärts und erreichte am Abend den Kirchhof von Mjedwjed am Südostrand der Stadt. Während so das I.R.283 das erste Angriffsziel erreichte, lag das I.R.284 durch die feindliche, zum Teil flankierende Gegenwirkung aus dem Waldgelände von Kuwschkino noch fest. Das I.R.287 und die Pz.Jg.Abt.196 (Hauptmann Pautz) wurden daraufhin zur Abschirmung der rechten Flanke weiter vorgeschoben.


Am Tag vor dem Einsatz - 11.08.1941

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 37 im Register

12.08.1941

Der Angriff wurde fortgesetzt. Das A.R.196 legte zusammengefasstes Feuer auf Kuwschkino, um den dortigen feindlichen Widerstand zu brechen, und schoss dann einen Feuerüberfall auf das Kusselgelände vor dem I.R.284. Dieses Regiment kam nun auch nordwestlich Kuwschkino gut vorwärts, es drang im Verein mit einem Bataillon der 287-er in Nowoje Wierjetje ein. Das I.R.287 hatte den Wald ostwärts Kuwschkino von Russen gesäubert und beim Vorgehen dort mehrere schwere russische Panzer gefunden, die das zusammengefasste Feuer von Holzhausens Batterien vernichtet hatte. Mit einem Bataillon nahm das Regiment in ungestümem Vordringen Gornoje Wierjetje.

Das I.R.283, hervorragend unterstützt von Flammenwerfertrupps des Pi.Btl.196, drang in Mjedwjed ein. Der Feind leistete hartnäckigen Widerstand. Meschnik wurde genommen und in Richtung auf Tschelino vorgestoßen.

Das Westufer der Mschaga wurde von dem dort zur Täuschung belassenen II./I.R.287 (Hauptmann Pfützner) bis nördlich Nischni Prischon gesäubert. Das Bataillon zog sich danach, die Mschaga überschreitend, wieder an die Division heran.

Das Pi.Btl.196 hatte Teile bei den Infanterieregimentern und baute unter feindlichem Artilleriefeuer bei nur ganz geringen Verlusten eine Kriegsbrücke sowie eine Behelfsbrücke über die Mschaga. Die bei der Infanterie eingesetzten Teile verzeichneten stärkere Ausfälle. Der Divisionsgefechtsstand wurde in die Gegend 3km südostwärts Mjedwjed vorverlegt.


Überschreiten einer Kriegsbrücke

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 46 im Register

13.08.1941 - 14.08.1941

Die Infanterieregimenter 287, rechts, und 283 links, stießen weiter in nordwestlicher Richtung vor und rollten die feindlichen Feldstellungen auf dem Ostufer der Mschaga bei und nordwestlich Tschelino, auf, die die SS-Pol.Div. bisher nicht hatte nehmen können. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht, deren Aussagen vom Ic der Division, Major Deutsch, für die Führung ausgewertet wurden.

Das I.R.284 war, verstärkt durch die I./A.R.196, Radf.Schw.196 und 1./Pz.Jg.Abt.196, nach Nordosten über Minjuschi weiter vorgeschoben worden. Es sollte dabei auch das Ausbrechen feindlicher Kräfte nach Osten verhindern. Mit Ausnahme von Artilleriefeuer war der russische Widerstand schwach. Vorübergehend wurde das verstärkte Regiment dem I. A.K. direkt unterstellt, das mit 21. und 11.Inf.Div. sowie Korps- truppen westlich des Ilmensees im Vorgehen war.

Mit Nowgorod war ein wichtiges Angriffsziel des I. A.K. erreicht worden, so dass das Korps weiter gegen Tschudowo antreten konnte. Die 11.Inf.Div. und die Korpstruppen hatten den Angriff der 21.Inf.Div. durch Feuer und weiteres Vordringen nördlich und nordwestlich Nowgorod unterstützt. Das verstärkte I.R.284 schied aus dem Unterstellungsverhältnis des I. A.K. aus und erreichte über Widogotsch und Waschkowo vorgehend am 17.August Paglizy.

Die übrigen Teile der Division wurden hinter dem I.R.284 nachgezogen, nachdem die Kämpfe an der Mschaga abgeschlossen waren. Das Pi.Btl.196 übernahm dabei die Flankensicherung und bildete den Schluss des Groß.

15.08.1941

Mit dem Fall von Tschelino war hier der feindliche Widerstand endgültig gebrochen. Die Reste der dort eingesetzten russischen Kräfte wurden der 121.Inf.Div., die weiter westlich in nordostwärtiger Richtung im Vormarsch war, in die Arme getrieben. Unter hauptsächlicher Mitwirkung der 96.Inf.Div. war die Masse von 3 russischen Divisionen vernichtet oder gefangen genommen worden.


Seit dem 16.08. war die 96.Inf.Div. für den weiteren Vorstoß auf Leningrad dem XXVIII.A.K. unterstellt worden. Die Infanterieregimenter 283 und 287, unterstützt von der II. und III.Abt. des A.R.196, stießen aus dem Raum Widogotsch dann erneut in das weite Waldgebiet westlich der Vormarschstraße vor, das zwischen der 96. und 121.Inf.Div. lag und in dem sich noch zahlreiche versprengte Teile der Roten Armee befanden.