96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel II

Nach Durchführung ihrer Aufgaben im Raum um Widogeschtsch wurden die Infanterieregimenter 283 und 287 mit weiteren Truppenteilen der Division wieder auf die nun in nördlicher Richtung führende Vormarschstraße gesetzt. Das verstärkte I.R.284 bildete die Vorhut. Im Gros folgten I.R.283 und I.R.287, Artillerie, Pioniere und Panzerjäger waren möglichst weit vorn eingegliedert worden. General d.Inf. Wiktorin, dessen XXVIII.A.K. die Division nun unterstellt war, übertrug General Schede den Schutz seiner offenen linken Flanke. Die beiden anderen Divisionen des Korps, die 121. und 122.I.D. bekamen weiter ostwärts gelegene Vormarschstraßen zugewiesen, sie waren bisher weniger durch Waldkämpfe aufgehalten worden.



Vormarsch Sommer 1941

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 47 - 48 im Register

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 49 - 50 im Register

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 51 - 52 im Register

18.08.1941

In der Nacht bildete General Schede eine Vorausabteilung unter dem Kommandeur der Schnellen Abt.296 mit dem Auftrag, bei Petschkowo einen Brückenkopf zu gewinnen. Zur Vorausabteilung traten außer den Kompanien der Panzerjägerabteilung und der Radfahrschwadron die Radfahrzüge der I.R.283 und 284 sowie die auf Lastwagen verladene 10./I.R.284 verstärkt durch einen M.G.Zug der 12.Kompanie, ferner die 2./A.R.196 und ein Sturmgeschütz. Major Arntzen erhielt den Befehl, mit seinem II./I.R.284 beschleunigt zu folgen.

Wenige Kilometer vor Erreichen des Flusses erfolgte die erste Feindberührung. Nach kurzem, hartem Gefecht gelang es der Vorausabteilung Pautz, den feindlichen Widerstand zu brechen und die nur zum Teil beschädigte Brücke zu nehmen. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht. Die eigenen Verluste waren allerdings schmerzlich. Der Radfahrzug des I.R.283 verlor an Toten seinen Führer, Leutnant Rohr, sowie einen Unter- offizier und 15 Mann, von der Radf.Schw.196 fiel ein besonders bewährter Zugführer. Die 10./I.R.284 hatte an Verlusten 11 Tote, darunter allein 5 Unteroffiziere, und 21 Verwundete. Alle Gefallenen wurden unter militärischen Ehren an der Vormarschstraße beigesetzt.

19.08.1941

Der Fall von Nowgorod, die Umklammerung von Luga und die Wegnahme von Tschudowo traf die Russen empfindlich. Stärkere russische Kräfte wurden im Aufmarsch gegen Nowgorod gemeldet. Aus diesem Grund erhielt am 19.August die 96.Inf.Div. den Befehl, das am Ende der Division marschierende I.R.287 mit der II./A.R.196 zur Unterstützung des I.A.K. in Richtung Nowgorod abzudrehen. Mit diesem auf Kosten der Kampfkraft der Division gehenden Befehl schied am 20.August dieses Regiment unter seinem Kommandeur, Oberst Köchling, verstärkt durch Steubers II.Abteilung, aus dem Verband der Division aus. Die Division verlor damit ein Drittel ihrer infanteristischen Kräfte.


Kampfgelände am Oredesh und bei Kremeno

Skizze 10 im Register

19.08.1941 - 20.08.1941

Die Bahnlinie Nowgorod-Luga wurde überschritten und ohne Feindberührung über Rosheßtwjena, Kußoni, Samoßtje der Brückenkopf bei Petschkowa im Laufe des 19. und 20.August erreicht. Damit war den Lugatruppen endgültig die letzte rückwärtige Verbindung abgeschnitten.

Inzwischen war das I.A.K. nach der Einnahme von Nowgorod auf der großen Straße westlich des Wolchow nach Norden vorgegangen, hatte Stadt und Bahnknotenpunkt Tschudowo genommen und damit die Bahnlinie Moskau-Leningrad unterbrochen.

Am Oredesh kam es darauf an, den Brückenkopf möglichst schnell zu erweitern. Der Division wurde der Artillerie-Regimentsstab 785 unterstellt. Über Bor, wo Major Boeddinghaus mit seinen Pionieren sicherte, trat das vorderste Regiment, I.R.284 (Oberstleutnant Chappuis) mit dem I.Btl. (Hauptmann Dr. Hillardt) und dem III.Btl. (Hauptmann Rutkowski), nach Norden an. Das II.Btl. (Major Artzen) ging zur Sicherung der linken Flanke auf Tscheremno vor, dass nach schwachem feindlichem Widerstand besetzt wurde. Die Artillerieabteilungen machten Stellungswechsel über die wiederhergestellte und durch Heeres-Flak gesicherte Brücke auf das Nordufer bei Petschkowo.

Das I.R.284 stieß bei Nikulkino auf starken Widerstand. Zur Unterstützung wurde rechts des Regiments das III./I.R.283 zum Angriff angesetzt. Erst nach schweren Gefecht, bei dem es 40 Tote und 51 Verwundete gab, gelang es diesem Bataillon unter Major Germann, dass heißumkämpfte Dorf in Besitz zu nehmen und den Weg nach Kremeno freizukämpfen.

22.08.1941

Erst am Abend gelang es dem III./I.R.284, Kremeno, an der Kremenke-Mündung am Oredesh, einzunehmen. Bei dem nun einsetzenden Nacht- gefecht, wobei das Dorf fast vollständig in Flammen aufging, verkrallten sich die Gegner so ineinander, dass sich Teile des Bataillons vor der Brandkulisse des Dorfes gegenseitig beschossen. Durch den Gefechtslärm alarmiert, führte Leutnant Stalzer seine in Reserve liegende 10.Kp. dem bedrängten Bataillon zur Hilfeleistung zu. Um in dieser unübersichtlichen Lage aber dem Bataillon weitere unnötige Verluste zu ersparen, entschloss sich Hauptmann Rutkowski, den Ort vorübergehend aufzugeben, um ihn mit dem Hellwerden wieder zu nehmen. Die Kompanien setzten sich daher aus dem brennenden Dorf ab.

23.08.1941

In der Morgenfrühe griff Rutkowskis Bataillon wieder an und drang mit der 10.Kp. an der Spitze nach hartem und verbissenem Ortskampf end- gültig in Kremeno ein. Leider hatte das Bataillon schmerzliche Verluste zu verzeichnen. Das I.R.284 richtete sich zunächst zur Verteidigung mit dem III.Btl. in der Mitte, rechts I.Btl. und links rückwärts gestaffelt das II.Btl. ein.

Bei Kremeno griff der Feind am Abend des 23. gegen 20 Uhr in Regimentsstärke von Nordwesten an. Bis gegen 3 Uhr morgens dauerte der Kampf. Unter Führung von Hauptmann Hirthe wehrte das III./I.R.284 alle feindlichen Angriffe ab. Auf deutscher Seite gab es keine Verluste.

24.08.1941

Am 24.August wurde bekannt, dass Luga von den Russen vollständig aufgegeben worden sei. Es wurde vermutet, dass Teile des geschlagenen Feindes nach Nordosten auf den Bahnabschnitt Tschaschtscha, Nowinka zurückgehen würden. Die 96.Inf.Div. hatte durch weiteren Vorstoß nach Norden diesen feindlichen Kräften den Rückzug zu verlegen. Die Pz.Jg.Abt.196 fuhr daher über Kremeno ein motorisiertes Aufklärungs- unternehmen den Kremenkafluss aufwärts gegen Bahnhof Tschaschtscha. Teile der 10./I.R.284 saßen mit auf, um am Bachgrund 2km nord- westlich Kremeno die Sicherung zu übernehmen.

25.08.1941

Die Division stieß in zwei Angriffsgruppen über Kremeno vor. Rechts marschierte I.R.283 mit 3./Pi.Btl.196, sowie Stab A.R.785 mit III. und IV./A.R.196 über Lyssowo, Tarassoni auf Pagost, Nesterkowo, wo Pioniere zum Wegebau eingesetzt werden mussten. Links marschierte I.R.284 mit 1./Pi.Btl.196, sowie Stab A.R.196 mit I.Abt. und schw.Art.Abt.843 über Wozkow, Olschowez auf Osereschno. Widerstand wurde gebrochen, er war stärker vor I.R.284 an der Bahnlinie, wo bei Bahnhof Tschaschtscha von der 1./Pi.Btl.196 Leutnant Graf fiel.


Drei unserer Kameraden in kühler Erde - 1941

(Bildquelle: Herr Wolfgang O. - Privatbesitz) - Bild 57 im Register

26.08.1941

Die Angriffsziele vom 25.08. wurden am erreicht.

27.08.1941

Nach Erreichen der Angriffsziele stieß das I.R.283 weiter über Glebowo auf Sawkino und Poroschki vor. Bei Bol. Sludizy stieß das I.R.283 in dem versumpften Waldgebiet auf eine ausgedehnte Baum- und Minensperre. Das Regiment erreichte mit dem III.Btl. weit voraus den Bahnhof Sludizy.

28.08.1941

Früh morgens begann es zu regnen. Die Wege waren bald mit einer 30cm tiefen zähen Schlammschicht bedeckt. Nur Reiter und Fußgänger konnten sich noch vorwärts bewegen. Dem I.R.283 gelang es dennoch, bis Borissowo vorzustoßen. Es klärte Proletarskaja auf, um auch die dortigen Wegverhältnisse zu erkunden.

Hinter der Division drängten feindliche Abteilungen aus dem Lugakessel nach Osten und tauchten schließlich an der Rollbahn bei Tschudowo auf. Eine sichere Aufklärung über die Feindkräfte war in dem unzugänglichen Sumpfgelände nicht durchführbar. Die Lage war unübersichtlich. Selbst die Führungsstaffel des Div.Stabes war mit der Nachr.Abt.196 und San.Kp. 1/196, sowie dem Stab mit 3.Kp. des Pi.Btl.196 von Feindkräften bedrängt. Der 3./Pi.Btl.196 (Leutnant Schliep) gelang es schließlich, mit Unterstützung von 2 Sturmgeschützen den Feind von Süden her abzuhalten.

29.08.1941

Das I.R.283 arbeitete sich mühsam durch den unvorstellbaren Dreck nach Ustje Wedenskoje und Proletarskaja vor. Am Sujdaflussabschnitt gab es ein Halt. Nördlich davon aber winkte ein besserer Weg, der an den Ostrand von Wyritza führte.

31.08.1941

Es regnete noch immer. Es war kaum ein durchzukommen. Nur mit Pferdevorspann kamen einzelne Fahrzeuge vorwärts. Die schweren mot. Fahrzeuge und Befehlswagen der Division schleppte die schwere Art.Abt.843 mit ihren Zugmaschinen durch. In fieberhafter Eile wurden Knüppeldämme gebaut. Da Feindabteilungen von Süden drückten, wurden die Brücken und Knüppeldämme nach der Benutzung von den Divisionspionieren wieder gesprengt.

01.09.1941 - 02.09.1941

Das I.R.283 unter Oberst Zahn stieß, rechts mit dem I.Btl. und links mit dem II.Btl., über Gorki und Kauschta nach Nordosten gegen das wichtige Straßendreieck, den sogenannten Mercedesstern, vor, auf den von Südosten über Lissino auch die 121.Inf.Div. im Vorgehen war. Die schmale gerade Straße lag unter dem Feuer russischer Panzer. Artillerieunterstützung war schwierig. Rechts und links war dichter Wald, durch den sich, wie auch im Straßengraben, die Schützen mühsam vorschoben.

General Schede befand sich mit Major .i.G. Deegener vorn beim I.R.283. Endlich gelang es, mit Unterstützung von 8 Panzern der 8.Pz.Div., den wichtigen Straßenpunkt zu nehmen und nach Südosten eindrehend der 121.Inf.Div. in Richtung auf Lissino, in den Rücken des dem I.R.408 gegenüberliegenden Feindes, entgegen zu stoßen.


Waldgelände zwischen Tschaschtscha und Tosno

Skizze 11 im Register

04.09.1941

Das I.R.284 hatte inzwischen sein II. und III.Btl. in den Raum von Mina und Wyritza herangezogen. Das I.Btl. war noch von Tschaschtscha aus im Anmarsch. Mit Unterstützung von Panzern stieß das Regiment, verstärkt durch 3./Pi.Btl.196, in nördlicher Richtung auf Krassnizy vor. Das I.R.283 stieß mit dem III.Btl. (Oberleutnant Nowakowski) am selben Tag von Kauschta aus in nordostwärtiger Richtung auf Peri vor. Der Feindwiderstand war dort schwach.

Mittags erhielt die Division den Befehl, die 12.Pz.Div. an der Straße von St. Petersburg nach Moskau im Einschließungsring von Leningrad abzu- lösen. So kam die 96.Inf.Div. wieder rechts von der 121. zum Einsatz.

05.09.1941

Der neue Abschnitt wurde von General Schede und Oberst Holzhausen erkundet. Das I.R.283 mit I. und IV./A.R.196 sowie das Pi.Btl.196 wurden sofort über Lissino nach Tosno in Marsch gesetzt. Das am Schluss der Kolonne marschierende Pi.Btl.196 hatte den Auftrag, die in den letzten Kämpfen eingebrachten 3300 Gefangenen nach Tosno mitzuführen.

Das I.R.284, das mit II. und III.Btl. in Krassnitzy zurück geblieben war, wurde erst nach Klärung der dortigen Lage nachgezogen. Es musste auf dem Marsch durch Lissino für Stunden angehalten werden, um in südlicher Richtung zu sichern. Weiter südlich gelang es stärkeren Kräften der Lugatruppen in diesen Tagen, nach Osten durchzubrechen.

Das I./I.R.284, das von seinem Einsatz bei Tschaschtscha an das Regiment heran gefunden hatte, musste von Gorki aus der 8.Pz.Div. zur Unterstützung ihrer bei Wyriza kämpfenden Teile zur Vernichtung der restlichen Lugatruppen geschickt werden. Der Feind drückte dort mit überlegenen Kräften aus Südwesten. Das Bataillon sollte noch bis zum 9.September in dem unübersichtlichen Waldgelände an der Bahnlinie südlich Wyriza erbitterte, aber erfolgreiche Abwehrkämpfe zu bestehen haben, wobei es schmerzliche Verluste erlitt. Im Nahkampf wurden dabei auch Hauptmann Dr. Hillardt, der Btl.-Kommandeur, die Leutnante Berkel und Doffke, sowie Assistenzarzt Dr. Klaußnitzer schwer verwundet. Leutnant Popp erlag seinen schweren Verletzungen im Lazarett. Hauptmann Kreutzer übernahm nun die Führung des I./I.R.284.

06.09.1941

Die Division, ohne ihr am Wolchow eingesetztes I.R.287 mit der II./A.R.196, und ohne das bei Wyriza kämpfende I./I.R.284, hatte Tosno, eine Stadt an der Tosna, 50km südostwärts von Leningrad, an der Straße und Eisenbahnlinie (Oktoberbahn) nach Moskau erreicht. Bei einer Erkun- dung im neuen Einsatzraum wurde der Kdr. der I./A.R.196, Hauptmann Großkreutz, sowie Leutnant Schröder durch Beschuss von russischen Panzern schwer verwundet. Hauptmann Großkreutz wurde als erster Soldat der 96.Inf.Div. mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Oberleutnant Reither, Adjutant des A.R.196, übernahm vorläufig die Führung der Abteilung.

07.09.1941

Der weitere Vormarsch der 96.Inf.Div. forderte auf der breiten und guten Straße bei Tosno einige Opfer durch feindlichen Tieffliegerbeschuss. Über Sablino wurde der Raum Krasny Bor erreicht. Das Divisionsstabsquartier zog in Sablino (Uljanowka) unter. Die Division hatte mit ihrem Vorstoß in Ingermanland den erst kurz zuvor gebildeten Einschließungsring von Leningrad erreicht und stand vor den Befestigungen der Stadt.


Immer weiter um Leningrad breitet sich die Zone vollkommener Vernichtung aus