96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel II


Mit der Einnahme von Nowgorod hat das I.A.K. einen wichtigen Bahnknotenpunkt und den Brückenkopf über den Wolchow gewonnen. Der Russe unternahm daher heftige Gegenangriffe, um den Deutschen diesen Vorteil wieder zu entreißen. General v. Both hatte nur seine 11.Inf.Div. dort zurücklassen können, da die 21.Inf.Div. im Vorgehen nach Norden auf Tschudowo war.

So wurde am 20.August das verstärkte I.R.287 (Oberst Köchling) mit der II.A.R.196 (Oberstlt. Steuber) aus dem Vormarsch der 96.Inf.Div. ab- gedreht und marschierte – zum Teil auf Lastwagen verladen – über Ljuboljady und die Gefechtsfelder der Augustmitte auf Nowgorod. Hier wurde sie der 11.Inf.Div. (Generallt. v. Böckmann) unterstellt und auf der vom Wolchow und Kleinen Wolchow bebildeten Klosterinsel bei Chutyni eingesetzt. Die Trosse blieben in den Wäldern westlich Trubitschino.

Chutyni war eins der berühmten von den zahlreichen mittelalterlichen Klöstern, die Nowgorod im weiten Kreise umgeben. Etwa 10km nach Süd- westen sahen die 287er von der Höhe des Klosterberges die nun in Trümmern liegende Stadt, die im Mittelalter eine ganz besondere Rolle ge- spielt hatte.

Köchlings Regiment stand auf dem linken Flügel der 11.Inf.Div., auf dem anderen Wolchowufer nach Norden zu wurde nach Abzug der 21.Inf.Div. die 126.Inf.Div. eingesetzt.

Der Feind unternahm nunmehr größte Anstrengungen, Nowgorod zurück zu gewinnen. Alle Angriffe und Übersetzversuche über den Kleinen Wolchow wurden auch bei Chutyni vom I.R.287 unter Oberst Köchling, zum Teil im Gegenstoß, erfolgreich abgewiesen. Dabei zeichneten sich bei der 6.Kp. Feldwebel Kaiser, bei der 7.Kp. Stabsfeldwebel Winzer besonders aus. Die II./A.R.196 unter Oberstlt. Steuber hatte an den Abwehr- erfolgen im Brückenkopf entsprechenden Anteil.

Der Stellungsbau im Brückenkopf wurde bis Ende August so weit vorangetrieben, dass der Besitz Nowgorods einigermaßen gesichert war. Im Laufe der Zeit trat eine gewisse Beruhigung der Kampflage ein und immer mehr Kräfte wurden aus dem Raum um Nowgorod nach Norden gezogen. Während vor Leningrad die 96.Inf.Div. mit den Vorbereitungen für den Ischoraübergang begann, erhielt Oberst Köchling im Kloster Chutyni den Befehl, sein I.Btl. (Hauptmann Krause) am 4.September herauszulösen und zum Einsatz bei der 18.Inf.Div. (mot) in Richtung Tschudowo in Marsch zu setzen. Am 10.September musste auch das II.Btl. (Hauptmann Pfützner) herausgezogen und in Richtung auf Mga in den Kampfraum südlich des Ladogasees zur 20.Inf.Div. (mot) in Marsch gesetzt werden. Noch im September wurde schließlich auch die II./A.R.196 (Oberstlt. Steuber) zum Einsatz bei der 18.Inf.Div. (mot) abgestellt . So blieb Oberst Köchling noch mit seinen Regimentern und dem III.Btl. (Oberstlt. Andoy) alleine bei der 11.Inf.Div. zurück. Die Zeit der „Flickschusterarbeit“ hatte begonnen, Truppe und Kommandeure hatten dies Ausleihen zu fremden Divisionen nicht gerne.

Die 18.Inf.Div. (mot) unter Generalmajor Herrlein befand sich im Vorgehen über Tschudowo nach Nordosten auf dem Westufer des Wolchows entlang der Eisenbahnlinie nach Swanka-Wolochwstroy. Das ihr am 5.September zugeführte I./I.R.287 kam zur Sicherung der Wolchowfront zum Einsatz bei Tigoda. Die II./A.R.196 wurde nach ihrem Eintreffen zur Verstärkung eingesetzt, als die Division mit ihren vordersten Teilen am Sokolisumpf nordwestlich Kirischi zum Stehen kam.

Oberst Köchling blieb mit den Restteilen seines Regiments noch bis Mitte September im Einsatz auf der Klosterinsel bei Nowgorod, dann wurden Stab und III.Btl. im Kraftwagenmarsch ebenfalls in den Kampfraum am Ladogasee nachgezogen, die Regimentskompanien marschierten hinterher.

Nowgorod

Für die Einschließung Leningrads war der Besitz des Südufers des Ladogasees, der Stadt Schlüsselburg und der Sinjawinohöhe von entschei- dender Bedeutung, damit war die letzte Landverbindung unterbrochen und ein Sprungbett zum weiteren Vorgehen in Richtung auf die Wolchowmündung gegeben. Die russische Führung hatte die Bedeutung dieses Raumes für ihre eigene Kampfführung ebenfalls erkannt. Sie setzte ihrerseits alles daran, ihn zurück zu gewinnen. Die Schlacht, die hier im September 1941 begann, sollte sich mit Pausen hinziehen bis zum Januar 1944.

Am 8.September war Schlüsselburg vom I.R.424 unter Oberst Hoppe im Sturm genommen worden. Der erste Versuch, sich in Lipki am Seeufer ostwärts von Schlüsselburg festzusetzen scheiterte an den russischen Gegenangriffen.

Das II./I.R.287 kam aus dem Einsatz im Brückenkopf Nowgorod am 11.September bei der 20.Inf.Div. (mot) an und wurde sofort dem mot.I.R.76 (Oberst Graf v. Schwerin) unterstellt. Die Russen unternahmen in der Nacht einen Überfall auf Posjelok 5 und besetzten diese 2km nördlich Sinjawino liegende Moorarbeitersiedlung. Am folgenden Tag, dem 12.September, nahm das Btl. Unter Hauptmann Pfützner P5 im Gegenangriff wieder. Anschließend wurde es dem I.R.424 unter Oberst Hoppe zum erneuten Angriff auf Lipki zugeführt, um auch dieses Dorf im Rücken der Newafront dem Feind wieder zu entreißen. Der Angriff fand zusammen mit dem I./I.R.424 unter Hauptmann Bauss am 14., dem „Blutsonntag von Lipki“, statt bei dem Oberleutnant v. Chamier, Chef der 6.Kp., schwer verwundet wurde. Der Versuch, die Linie „Rote Brücke“ bei P4 bis Lipki zu gewinnen, scheiterte zwar, aber die Stellung an der Röhrenleitung von P1 bis zu dem von den Rheinländern so benannten „Hübbelchen“ an der Uferstraße war nunmehr gesichert und wurde ausgebaut. Die 7.Kp. unter Oberleutnant Porteck musste einen Feindeinbruch bei Schlüsselburg bereinigen helfen und wurde dann vom mot.I.R.90 bei Wyborg eingesetzt.

Der Stab des I.R.287 mit III.Btl. wurde am 20.September nach Zuführung im LKW-Transport aus dem Nowgoroder Brückenkopf zusammen mit dem II.Btl aus dem Einsatz westl. Lipki, ohne 7.Kp., der 12.Pz.Div. unter Generalleutnant Harpe unterstellt. Damit befanden sich alle Teile des I.R.287 und die II./A.R.196, wenn auch nicht geschlossen, im Bereich des XXXIX.Panzerkorps.

Der Feind hatte an der Newa verzweifelte Ausbruchsversuche gemacht, die schon zur Bildung des Brückenkopfes bei Wyborg geführt hatten, und verstärkte seine Entsatzangriffe für Leningrad an der Ostfront des Flaschenhalses. Mit starken Kräften hatte er dort ebenfalls einzelne Einbrüche erzielen können. Das I.R.287 wurde den beiden Bataillonen von Sinjanwino beiderseits der von Mga nach Osten auf Swanka-Wolchowstroy führenden großen Straße eingesetzt, wo ein solcher Einbruch erfolgt war. Das Regiment warf am 23.September unter Oberst Köchling den Feind im ungestümen Angriff aus der Einbruchstelle wieder über die Tschernaja zurück. Dabei wurde vom Regimentsstab Leutnant Menzel verwundet. Es folgten schwere Abwehrkämpfe, besonders am 24./25.September, wobei auch der Chef der 5.Kp., Oberleutnant Cimander, tödlich verwundet wurde.

Am 26.September traf beim Regiment nun auch wieder das I.Btl. von seinem Einsatz bei Tigoda ein. Lediglich die 13. und 14.Kp., die den Lkw.- Transport nicht mitgemacht hatten und sich auf dem Fußmarsch über Tschudowo befanden, hatten an die 96.Inf.Div. heran gefunden, die gerade an der Newafront eingetroffen war. Die Infanteriepanzerjäger der 14.Kp. unter Leutnant Grote waren sofort von der 20.Inf.Div.(mot), die hier noch den Befehl führte, am Brückenkopf Wyborg eingesetzt worden. Dor wurde am 30.September Portecks 7.Kp. von der Radf.Schw.196 abgelöst und kehrte nach schweren Kämpfen am Wyborger Brückenkopf zum Regiment an der Tschernaja zurück.

Mit dem Herauslösen der 12.Pz.Div. zu anderer Verwendung übernahm die 227.Inf.Div. die Tschernajafront etwa von der Bahn Mga-Wolchowstroy bis zum Seeufer halbwegs zwischen Lipski und Schlüsselburg. Damit wurde I.R.287 dieser Division unterstellt. Die HKL des Regiments zog sich durch den Wald beiderseits der Straße Ssinjawino-Wolochwstroy etwas 4km ostwärts des zuerst genannten Ortes. Rechter Nachbar war die Aufklärungsabteilung 227, linker Nachbar im Torfgelände und nach Posjelok 8 das I.R.328. Das III./Fallschirmjäger Regiment 1 war Oberst Köchling zeitweise unterstellt und lag südlich der Straße. Das II./I.R.283 zwar vom 29.9. bis 10.10. ebenfalls dem I.R.287 unterstellt und kam dann an die Newa zum eigenen Regiment.

Das Regiment hatte wiederholt starke und mit Panzerunterstützung vorgetragene Angriffe abzuwehren. Hierbei vernichtete Oberleutnant Lorenz, Chef der 10.Kompanie, im Nahkampf einen schweren russischen Panzer mit einer Handgranate. Dass hier einer der Schwerpunkte des feindlichen Angriffs lag, zeichnete sich ab, als vor Köchlings Regiment drei Regimenter der 3. Roten Garde Division Nr.153 und ein Regiment der 4. Garde Division Nr.161 festgestellt wurden. Bei diesen Kämpfen wurde am 21.Oktober der Kdr. des I.Btl., Hauptmann Krause, verwundet, vorübergehend führte Oberleutnant Erichson, der es dann am 30. an Oberleutnant Rogahlen abgab. Am 25.Oktober war Leutnant Kennecke tödlich verwundet worden.

Endlich wurden die 287-er mit dem Ausgang des Oktobers aus dem Verbande der 22. Division herausgelöst und mit dem 1.November der eigenen Division wieder zugeführt. Die Zeit des Einsatzes bei fremden Verbänden war vorüber, doch sollte dieser Zustand nur wenige Monate dauern.