96.ID: Geschichte

Übersicht - Divisionsgeschichte

Übersicht - Kapitel II

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21.09.1941

In dem Befehl an die 96.Inf.Div., die nach dem Durchbruch der Ischorastellung bei Pawlowsk (Ssluzk) lag, war für die Ablösung der 20.Inf.Div. (mot) bei Schlüsselburg größte Beschleunigung gefordert worden. Es wurde daher sofort am 21.September mit dem Herausziehen des A.R.196 - ohne die II.Abt., die an der Wolchowfront stand - begonnen.

Außer der Artillerie wurden auch das Pi.Btl.196 und die Radf.Schw.196 in Marsch gesetzt. Auf der Rollbahn nördl. Tosno erlitt die Division durch den Tod des Kommandeurs des Pi.Btl.196, Major Boeddinghaus, einen schweren Verlust. Russische Tiefflieger fassten überraschend seinen Kraftwagen. Im Straßengraben Deckung suchen, erhielt er den tödlichen Kopfschuss. Am selben Abend wurde Major Boeddinghaus in Sablino beim Feldlazarett 196 am Bahndamm in Gegenwart des Divisionskommandeurs zur ewigen Ruhe gebettet.

Aufgrund der ungewöhnlichen, teils moorigen Wegeverhältnissen, musste für die III. und IV.Abt. des A.R.196 ein Umweg über Ljuban und Schapki genommen werden. Der Marsch der schweren bespannten Einheiten und Fahrkolonnen über Sablino, Tosno, Ljuban auf der Rollbahn konnte wegen Fliegergefahr nur Nachts erfolgen; er führte über Schapki, und Pogoreluschka bei Bahnhof Mga weiter, ingesamt über 70km. Die Fusstruppen marschierten über Krasny Bor und Otradnoje.

Flaschenhals von Schlüsselburg

22.09.1941

Während noch die letzten Teile der 96.Inf.Div. den Abschnitt westlich der Ischora bis zum 23.September verlassen sollten, traf nach anstren- gendem Marsch schon am 22. als erster Teil der Division das Pi.Btl.196 (Leutnant Schliep) in Mustolowo ein. Das ihm als erstes Regiment folgende I.R.283 (Oberst Zahn) wurde von der 20.Inf.Div. (mot) sofort an die bedrohte Front des Flaschenhalses befohlen und bei der 8.Pz.Div. eingesetzt.

23.09.1941

Am Brückenkopf Wyborg kam das III./I.R.284 (Hauptmann Hirthe) nach sehr kalter, im Freien verbrachter Nacht beim mot.I.R.90 in vorderster Linie, wo sich bereits die 7./I.R.287 (Oberleutnant Porteck) und andere Verbände befanden. Zur interistischen Verstärkung wurden vom Pi.Btl.196 der 1. und 2.Kp. zugeführt. Unzureichend unterstützt, kostete der mit viel zu schwachen Kräften geführte Angriff erhebliche Verluste. Besonders schmerzlich wurde davon das 1./Pi.Btl 196 betroffen.

24.09.1941

Der Divisionsgefechtsstand wurde in Gory eingerichtet, wohin auch der Stab des A.R.196 seinen Rgt.Gef.Std. gelegt hatte.

25.09.1941

Als das Div.Kdo.96 den Befehl über den Abschnitt an der Newafront von der 20.Inf.Div. (mot) übernahm, gliederte sich die Front der Division in den rechten Abschnitt Schlüsselburg des mot.I.R.76 in den mittleren Abschnitt Wyborg des mot.I.R.90 mit III./I.R.90, II. und III./I.R.284 und 7./I.R.287, und den linken Abschnitt Otradnoje des I.R.284, I.Btl., 13. und 14.Kp.

Als Divisionsreserve standen nur die Pz.Jg.Abt.196 und Hauptmann Pautz und Teile des Pi.Btl.196 unter Leutnant Schliep zur Verfügung, die außerdem zur Verminung des Newaufers und zum Wegebau eingesetzt war.

Das A.R.196 wurde in drei zum Teil gemischten Gruppen eingesetzt. Gruppe Nord (III.Abt.) südostwärts Schlüsselburg, Gruppe Mitte (IV.Abt., ohne 12.Bttr., mit 3.Bttr. und 5./mot A.R.20) nordostwärts Wyborg und Gruppe Süd (I.Abt., ohne 3.Bttr., mit 12.Bttr.) ostwärts Otradnoje.

Das Oberkommando der Heeresgruppe Nord meldete, dass ihm mit seinen verbliebenen Kräften eine engere Abschnürung von Leningrad nicht mehr möglich sein. Nach Abgabe der Panzergruppe 4, zahlreicher Sturmgeschütz- und Artillerieabteilungen wurde dieser Plan aufgegeben.

Newa von Wyborg bis Iwanowskoje

25.-27.09.1941

Bei Schlüsselburg waren diese Tage Großkampftage, von denen am meisten das rechts benachbarte I.R.284 an der Newa betroffen war. Von See her drang zunächst ein starker feindlicher Stoßtrupp in die Uferstellungen ein, während an der übrigen Newafront, vor allem beim mot.I.R.76 starke Stoßtrupps abgewiesen wurden. Im Schutz einer Artillerie-Feuerglocke griff der Russe im Morgengrauen des 27.September mit Landungs- booten, unterstützt durch armierte Boote, über die Newa beim III./I.R.424 an und brach im zummengefassten Feuer schwerer Infanteriewaffen zusammen.

27.09.1941

Die feindliche Fliegertätigkeit war inzwischen reger geworden. Allein am 27. wurden im Divisionsabschnitt 10 feindliche Flugzeuge abgeschossen.

Bei Petruschino war es inzwischen unruhiger geworden. Rotarmisten, als Zivilisten getarnt, waren mit Unterstützung der Bevölkerung in die Wälder eingesickert. Zwischen dem 27. und 29.09. gelang es dem Feind die schwache Besatzung zu verdrängen.

29.09.1941

Der Division gelang ein wertvoller Fang, als morgens ein russisches Marineflugzeug abeschossen wurde. Zwei Männer, der Flugzeugführer und sein Beobachter und eine Frau, eine Schauspielerin, wurde aus dem eiskalten Wasser gezogen. U.a. transportierte das Wasserflugzeug ein wichtiges Dienstschreiben, dass nach Leningrad hätte befördert werden sollen.

30.09.1941

Am Brückenkopf Wyborg wurden örtliche Angriffe von der Artillerie zerschlagen. Die Radf.Schw.196 löste die 7./I.R.287 ab, die ihrem Regiment ostwärts Sinjawino zugeführt wurde.

Der vom II./SR der 7.Flieger-Division schwungvoll unternommene Angriff auf Petruschino führte zu keinem Erfolg und zeitigte erhebliche Ausfälle. Für die Fallschirmjäger war der Russe ein bisher unbekannter Gegner.

02.10.1941

Nur ein planmäßiger Angriff konnten den von den Russen gebildeten Brückenkopf Petruschino beseitigen. Zur artilleristischen Unterstützung wurde das gerade von ihrer Verwendung an der Wolchowfront eintreffende II./A.R.196 eingesetzt.

03.10.1941

Nach stärkster Artillerievorbereitung führte der Angriff der Fallschirmjager von Nordosten und des III./I.R.434 von Südosten mit Panzerunter- stützung zum Zerschlagen des russischen Brückenkopfes Petruschino. Der Feind hatte hohe Ausfälle. Gefangene meldeten einen Verlust von 3500 toten und Vermissten bei der roten 10.Schützen-Division.

Aber auch die angreifenden Bataillone hatten schwere Opfer zu bringen, dass Fallschirmjäger-Bataillon hatte fast 50% seines Bestandes ver- loren, darunter 21 von seinen 24 Offizieren. Der Kommandeur, Major Stentzler, Träger des Ritterkreuzes, wurde tödlich verwundet.

Auf den Weg nach Leningrad. Erste Schlammperiode Ende September 1941.

Die große Führerrede und auch die halbamtlichen Presseverlautugen Anfang Oktober ließen zweierlei erkennen: eine erhebliche Überschätzung der eigenen Erfolge hinsichtlich des Zerschlagens der russischen Widerstandskraft durch den Führer und seine nächsten Mitarbeiter sowie den Beginn eines neuen Operationsabschnittes.

Die Truppe und die Führungsstäbe der Front nahmen die ausgesprochene Anerkennung für ihre bisherigen großen Leistungen im Russlandfeldzug gerne entgegen, aber über den ungerechtfertigten Optimismus gab sie sich keinen Täuschungen hin. Der neue Operationsabschnitt wirkte sich an der Newafront nur dahingehend aus, dass Panzer- und motorisierte Divisionen zu anderer Verwendung abgezogen wurden, sei es an die Mittelfront zum Stoß auf Moskau, sei es an den Wolchow zum Angriff auf Tischwin. Die Zeit der operativen Bewegung war an der Newa vorbei und sollte erst wieder beginnen, als die 96. Division im Januar 1944 die Nordfront verlassen hatte.