96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel I
Statt der vorgesehenen Demobilmachung wurden die Divisionen 5. und 6. Welle nur zu Rahmeneinheiten umgewandelt. Die Masse der Reser- visten erhielt Wirtschaftsurlaub, die Pferde wurden zum großen Teil an die Landwirtschaft ausgeliehen. Die in der Stärke herabgesetzten Truppenteile betrieben Ausbildung auch mit Ersatz, hielten Lehrgänge ab und sorgten für Waffen und Gerät, die zum Teil ausgetauscht wurden.
Zunächst wurde in den Unterkünften des Truppenübungsplatzes Bergen, die von der Aufstellung her noch gut bekannt waren, besonders unter den jüngeren Offizieren und Soldaten zum Eintritt in die Luftwaffe für die vorgesehene Vermehrung der Fallschirmtruppe geworben, worauf sich eine Anzahl Divisionsangehöriger freiwillg meldete.
Inzwischen hatte es bereits eine Anzahl von Personalveränderungen gegeben. Am 9.Juli war der bewährte Generalstabsoffizier der Div., Major i.G. Schipp v. Branitz, zu anderer Generalstabsverwendung versetzt worden. Er wurde vom 2.Generalstabsoffizier, Hauptmann i.G. Hofmann, vertreten. Für den Intendanturassistenten Müller-Torgow wurde Stabsintendant Pohl Divisionsintendant. Anstelle von Oberarzt Prof.Dr.habil. Schreiber wurde Oberfeldarzt Dr. Hoffmann Divisionsarzt. Der Kommandeur der I./I.R.287, Oberstleutnant Vogler, wurde von Major Dr. Otto abgelöst, bereits im Juni hatte anstelle von Hauptmann Witt Oberstleutnant Steuber die II./A.R.196 übernommen, dessen IV.Abt. dafür jetzt Hauptmann Witt führte; für den gefallenen Kommandeur der III./A.R.196, die vertretungsweise kurzfristig von Hauptmann Großkreutz geführt worden war, war dann Hauptmann Ballschmieter zum Abteilungskommandeur ernannt worden.
Anfang August verließ der von allen hoch verehrte General Vierow seine Division, um das Kommando über die 9.Inf.Div. zu übernehmen. Mit ihm schied der Mann, der in vorbildlicher Weise die Division ausgebildet und erzogen und sie vom Oberrhein bis über die Loire geführt hatte.
Als besondere Überraschung für den scheidenden Divisionskommandeur brachte ihm in Anwesenheit des Offizierskorps ein in aller Stille aufge- stelltes Trompeterkorps des Artillerieregiments auf seinen Apfelschimmeln vor dem Offizierskasino Bergen ein Ständchen. Das Trompeterkorps war allerdings nur ein "schwarzer Bestand" des Regiments und in keiner K.St.N enthalten.
Als neuer Divisionskommandeur war Generalleutnant Schede ernannt worden.
Ein neuer Divisionskommandeur
General Schede, der zweite Div.Kdr., mit seinen Art.Kdr. Oberst Holzhausen und Oberstleutnant Augustin. Sommer 1941. (Bild 3 im Register)
Im letzten Drittel September marschierten die Rahmeneinheiten in ihren neuen Unterbringungsraum zwischen Harz, Weserbergland und Deister, wo man die Vorgänger vom vergangenen Winter, die Wiener 44. Infanterie-Division, die spätere "Reichs-Grenadier-Division Hoch- und Deutsch- meister" noch in guter Erinnerung hatte. Der Divisionsstab bezog in Einbeck Quartier, und in den Städtchen und Dörfern ringsum fühlten sich die Watzmänner bei ihren freundlichen Quartierwirten bald sehr wohl und heimisch. In diesen Raum zieht es sie noch heute, wenn sie in größerem oder kleineren Rahmen Kameradentreffen veranstalten. Dort bei Northeim steht heute der Gedenkstein, der an die gefallenen und vermißten Watzmänner gemahnt.
Nachdem zunächst alle Arbeiten verrichtet wurden, die zur Pflege von Bekleidung und Waffen, sowie Gerät der Truppe erforderlich waren, und die Pferde zum größten Teil an die Landwirtschaft ausgeliehen waren, griffen die Watzmänner selbst zur Erntehilfe, für die Städter eine unge- wohnte und schwere Arbeit, aber die doch mit viel Freude und Begeisterung getan wurde und deren Krönung dann die Erntefeste auf den Dielen der alten Bauernhäuser mit den gekreuzten Pferdeköpfen an den Giebeln war. Außer diesen Arbeiten mussten verschiedene andere Aufgaben übernommen werden, wie Streifendienst in den kleinen Städten und Bahnhofswachen. Doch um den 26.September herum ging es auch wieder an eine geregelte Ausbildung. Ausbildungskompanien, sogenannte "A-Kp.", wurden innerhalb der Bataillone unter Führung eines Kompaniechefs gebildet, in denen alle Soldaten mit Ausnahme einiger Fahrer und des Schreibstubenpersonals zusammengefaßt wurden. Ähnlich war es bei der Artillerie und den anderen Einheiten. Auch hier wechselte Erntehilfe mit hartem Ausbildungsdienst. In Einbeck wurde eine Lehrkompanie der Division unter der Führung von Oberleutnant Pahl, Chef der 5./I.R.284, aus Anlaß eines Kompanieführerlehrgangs zusammengestellt, die vom 28.September bis 18.Oktober dort lag. Etwa um den 9.Dezember herum wurden in den Regimentern usw. Unterführerlehrgänge durchgeführt, die bis Anfang Februar 1941 dauerten. Das Weihnachtsfest verlebten die meisten bei ihren Familien daheim; darüber hinaus wurde stets großzügig Wochenendurlaub gewährt und von Kreiensen aus in allen Richtungen auf Magdeburg, Hannover und Essen gefahren.
Anfang Februar wurde die erneute Mobilmachung der 96.Division befohlen. Schon im Januar hatte der neue 1.Generalstabsoffizier, Major i.G. Deegener, seine Dienstgeschäfte übernommen. Bis zum 15.Februar sollte Marsch- und Verwendungsfähigkeit wiederhergestellt sein. So wurden die zahlreichen Urlauber zurückgerufen, auch Ersatz traf ein.
Verschiedene organisatorische Änderungen erfolgten. So erhielten die Infanterieregimenter anstelle der aufgelösten Granatwerferkompanien neue Infanteriegeschützkompanien von der 246.I.D. aus dem Wehrkreis XII. Die Männer dieser Kompanien stammten zumeist aus dem Raum Mannheim-Heidelberg-Darmstadt, und zwar kamen: 13./I.R.283 von I.R.313, 13./I.R.284 von I.R.253 und 13./I.R.287 von I.R.404. Am 10.Februar hatte die Pz.Jg.Abt.196 von der 298.Inf.Div. als neue 2.Kompanie die bisherige 3./Pz.Jg.Abt.198, meist Süddeutsche, erhalten. Der Pz.Jg.Abt. wurde vorläufig die Radf.Schw.196 (Oberleutnant Behm) unterstellt. Anstelle des bewährten Majors Thome übernahm Major Pautz die Abteilung.
Noch weiterer Personalwechsel hatte inzwischen stattgefunden: Für Major König hatte Hauptmann Tadewald schon im September des I./I.R.283 übernommen, zur gleichen Zeit wurde Oberstleutnant Schlee als Kommandeur des III./I.R.283 von Hauptmann Teßmann abgelöst, Hauptmann Witt, der nur kurz die IV./A.R.196 geführt hatte, hatte diese inzwischen ebenfalls an Hauptmann Micheel abgegeben. Zum größten Teil wurden Bewaffnung und Ausrüstung auf neuzeitliche Waffen umgestellt, so erhielten die Schützenkompanien jetzt auch je 3 leichte Granatwerfer 5cm, weshalb jeder Zug einen 2.Gr.W.-Trupp aufzustellen hatte. Leider gab es reichlich viel Beutefahrzeuge verschiedener Muster, was sich auf die Ersatzteilbeschaffung recht ungünstig auswirken sollte.
Die Tage bis zur Verlegung wurden benutzt, um sich wieder aneinander zu gewöhnen, sich mit neuen Waffen vertraut zu machen, zu exerzieren und im Gelände zu üben. Während der ganzen Zeit ihrer Verwendung im Heimatkriegsgebiet unterstand die Division dem Stellvertretenden Kommandierenden General und Befehlshaber des Wehrkreises Hannover (XI), General d.Inf. Muff.
Am 16.Februar 1941 wurde die Division auf den verschiedenen Bahnhöfen im Unterbringungsraum verladen und rollte, herzlich von der Bevölker- ung verabschiedet, durch das Ruhrgebiet über Köln, Aachen, Lüttich nach Westen.