96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel I
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Der 10.Mai brachte überraschend die Nachricht vom erfolgreichen Antreten der deutschen Westfront. Rasch wurden die letzten Marschvorberei- tungen getroffen und Urlauber zurückgerufen. Dann kam schon am 14.Mai der Vormarschbefehl. Fünf Marschgruppen wurde gebildet, die sich zunächst auf verschiedenen Marschstraßen bewegten, denn vorerst handelte es sich um reine Reisemärsche, bei denen Feindberührung auf der Erde nicht zu erwarten war.
- Marschgruppe I.R.283 mit III./A.R.196
- Marschgruppe I.R.284 mit Regts.Stab und II./A.R.196
- Marschgruppe I.R.287 mit I. und IV./A.R.196
- mot. Marschgruppe Thome mit Pz.Jg.Abt., Nachr.Abt., Feldlazarett und sonstigen mot. Einheiten
- Marschgruppe rückwärtige Dienste
Pioniere und Sanitätseinheiten wurden auf die Marschgruppen der fechtenden Truppen verteilt.
In der Nacht 14./15.Mai überschritten die Marschgruppen der 3 Infanterie-Regimenter den Rhein bei Maxau (284) und bei Speyer (283 und 287), in der Nacht 17./18.Mai folgte die mot. Marschgruppe bei Worms den Rhein überschreitend. Quer durch den frühlingsgrünen Wald, vorbei an Kaiserslautern und auf den Straßen nördlich davon führte der Marschweg über Berg und Tal mit hohen Anforderungen an die Marschleistungen von Mann und Roß. 44 km, 35 km, 45 km, 51 km, 30 km, 56 km usw.. so zählen Kriegstagebücher des I./283, des III./287 und des Artl.Regts. die Tagesstrecken auf, und nicht anders war es bei den anderen Einheiten, hatten sie doch alle dasselbe Ziel zu erreichen. Am Südrand des Huns- rück gab es den ersten vollkommenen Ruhetag, der den noch marschgewohnten Füßen wohl tat, zumal die Mehrzahl der Marschkranken auf Fahrzeugen der Truppe und Sanitätseinheiten mitgeführt wurde.
Vor- und Rückmarsch in Frankreich
War man bisher nur bei Nacht marschiert, so konnte ab dem 21.Mai zum Tagemarsch mit frühem Aufbruch übergegangen werden, nachdem die deutsche Luftüberlegenheit im Vormarschraum gesichert war. Der Hunsrück wurde überquert und das Moseltal in der Gegend von Trier erreicht.
Am 22. und 23.Mai überschritt die Division bei Echternach die luxemburgische Grenze und zog nördlich der Stadt Luxemburg weiter nach Westen, um am 25. die belgische Grenze zu überschreiten. Wie ein Deichbruch die Meeresfluten an sich zieht, so zog die von Kleists und Guderians Panzern geschlagene Bresche die deutschen Reservedivisionen in ihren Sog. Wie die 96. von Südosten her, so strömten zahlreiche andere mit ihr von Osten und Nordosten durch die Ardennen in Richtung auf die große Frontlücke des Gegners zwischen den historischen Schlachtfeldern Flanderns und der Somme. Noch hatte ja der Feind die Möglichkeit, im Rücken der Panzertruppe durchzubrechen. Daher die hohen Marschleis- tungen der Truppen, die Tag und Nacht alle Straßen und Nebenwege belegten, geleitet von der peinlich genauen Generalstabsarbeit besonders hierfür eingesetzter Generalkommandos. Bis zum 25. Mai hatte die 96.InfDiv. über 360 km zurückgelegt.
Am 26. und 27.Mai wurde bei Bouillon die französische Grenze in der Reihenfolge I.R.283, 287, 284 überschritten, das Schlachtfeld von Sedan überquert und der Raum südlich Guise erreicht. Das Bild hatte sich gewandelt, leer waren Dörfer und Städte, in sinnloser Flucht hatte ein Volk seine Heimstätten verlassen, kaum einige alte Leute in den Ortschaften, verlassenes Vieh in den Ställen und auf den Weiden. Zuweilen kamen die Marschgruppen über frische Gefechtsfelder mit zerstörten Gebäuden, gesprengten Brücken, zerschossenen Panzern, Geschützen und Fahr- zeugen, vorbei an frischen Soldatengräbern. Lange Züge von Gefangenen aller Hautfarben zogen vorüber.
In den letzten Tagen des Mai war die Entscheidung im Norden gefallen, nach der holländischen (15.Mai) hatte nun auch die belgische Armee die Waffen gestreckt, die Kämpfe in Flandern gingen ihrem Ende zu. Bis auf einen schmalen Küstenstreifen bei Dünkirchen war die Kanalküste bis zur Somme-Mündung in Deutscher Hand. Der zweite Abschnitt des Feldzuges begann sich abzuzeichnen und bedingte erhebliche Umgruppierungen. War bisher der Angriff der Heeresgruppen A und B in allgemein westlicher Richtung gelaufen, so sollte der weitere Angriff über die Linie Somme-Mündung, Amiens, Chemin des Dames, Rethel nach Süden fortgesetzt werden zur Zertrümmerung des französischen Feldheeres.
Grenzgebiet Luxemburg, Belgien, Nordfrankreich