3.3. Vorausabteilung Thome

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Übersicht - Kapitel I

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Am Abend des 12.Juni war die Zusammenstellung einer beweglichen Vorausabteilung unter Führung des Kommandeurs der Pz.Jg.Abt.196, Hptm. Thome, befohlen worden. Sie bestand aus 2 Zügen der Pz.Jg.Abt.196 unter den Leutnanten Sievers und Merten, der 5./I.R.287 unter Ober- leutnant Schrapel mit 1 s.M.G.-Gruppe der 4./I.R.287 des Unteroffiziers Ocierpke, der Radfahrschwadron 196 unter Oberleutnant Behm, 1 Zug der 3./Pi.Btl.196 unter Leutnant Wiebach, 1 Halbbatterie der I./A.R.196 unter Leutnant Bayr, dem Nachrichtenzug der Pz.Jg.Abt.196 unter Leutnant Schulze, dazu Assistenzarzt Dr. Reich, alles in allem 14 Offiziere und 436 Unteroffiziere und Mannschaften motorisiert oder auf Fahr- rädern.

Hauptmann Thome wurde zunächst der 88.Inf.Div. unterstellt und überschritt die Marne bei Treloup. Im Sumpfgelände des Pt.Morin, wo 1914 der Vormarsch zum Stehen kam, hatte die Vorausabteilung Thome gegen Mittag des 14.Juni ein lebhaftes Gefecht gegen stärkeren Feind zu führen. Thome griff zunächst bei Joches und Coizard an und holte dann westlich davon aus, um von Villevenard aus nach Süden durch das Sumpfgelände zu stoßen. Erst nach wechselvollem Kampf und Zuführung von Verstärkungen der Vorausabteilung der 88.Inf.Div. gelang es, das Südufer des Sumpfgeländes zu gewinnen. Reuves wurde von einem Bataillon Schwarzer hartnäckig verteidigt und musste im Kampf von Haus zu Haus unter Einsatz von Pak und Geschützen gestürmt werden. Hier fiel Oberleutnant Schrapel, der trotzt einer Armverwundung vorne geblieben war, an der Spitze seiner Kompanie, mit ihm 4 Mann der Vorausabteilung, 11 Mann wurden verwundet. Feldwebel Hofmann übernahm zunächst die Kompanie.

Stark waren die Verluste des Gegners, dessen zurückgehende Kolonnen von Geschützen , Pak und s.M.G. wirkungsvoll gefasst wurden. Gegen Mitternacht wurde die Straße Sesanne-Connantre erreicht.

Am 15.Juni früh setzte Hptm. Thome mit den Vorausabteilungen der 96. und 88.Division die Verfolgung fort und erreichte gegen 9:30 Uhr die Aube, wo er die Brücken bei Grange und Anglure zerstört fand. Auf eine Fliegermeldung, dass das Gelände zwischen Aube und Seine sowie die Brücken bei Marzilly feindfrei seien, holte Thome nach Westen über diesen Übergang aus und stieß dann von Romilly aus auf Mesgrigny vor, um das Teile des Pz.Regts.7 der 10.Panzer-Division im Kampf standen, und nahm den Ort wie auch Mery gegen 16 Uhr. Bald danach wurde die Vorausabteilung wieder der eigenen Division unterstellt und über Romilly nach Südwesten angesetzt, um den Vanne-Übergang bei Molinons zu gewinnen, der am Abend erreicht wurde. Endlich gab es mal wieder eine richtige Nachtruhe, seit drei Tagen der erste Schlaf.

Inzwischen hatte auch die Masse der Division ihren Vormarsch fortgesetzt und war dem I.R.284 am 14.Juni über die Marne auf der 8-t-Kriegs- brücke bei Dormans gefolgt. Noch war sie Reserve das XXXXIII. A.K., dessen beide anderen Divisionen. die 292. und 88., zwischen dem XVIII. und XXXXII. A.K. eingeschoben waren. Die Nachricht vom Fall Paris, das als offene Stadt übergeben worden war, gab der Truppe starken Auf- trieb und drängte sie, vor dem Sieg, der nur noch eine Frage von Tagen sein konnte, im geschlossenen Divisionsverband wenigstens einmal sich bewähren zu können. Am folgenden Tag kam der Befehl, über die 292.Inf.Div. hinaus in rücksichtsloser Verfolgung vorzustoßen.


Zwischen Vanne und Demarkationslinie bei Bourges

Es gab zahlreiche Marschstockungen, da außer den beiden Inf.Div. auch noch die 13.Inf.Div. (mot) auf den Seine-Übergang bei Marcilly ange- wiesen war. Die von der Division vorausgeworfene Pz.Jg.Abt. unter Hptm. Miltzow mit 2 verlasteten Kompanien von I.R.283 übernahmen am 16.Juni vormittags die Sicherung der Vanne-Übergänge und Thome konnte gegen Mittag die unzerstörten Yonne-Brücken von St.Julien und Joigny in die Hand nehmen. Nun waren auch die Dörfer und Städte nicht mehr so trostlos verlassen, aber noch oft wurden Flüchtlingstrecks überholt mit all ihrem Elend, andere zogen schon wieder der Heimat zu.

Ohne Feindberührung konnten am folgenden Mittag (17.Juni) die Quanne-Übergänge bei Villers St.Benoit und Dracy besetzt werden. An diesem Nachmittag ging wie ein Lauffeuer durch die ganze Division die Nachricht vom Waffenstillstandsangebot Frankreichs; der Abschluss des Feld- zuges stand greifbar bevor, aber noch durfte es nicht Ruhe noch Rast geben. So wurde auch die Vorausabteilung, die durch weitere Geschütze der I.Abt. unter Hptm. Großkreutz verstärkt war, noch am Abend an die Loire vorgeworfen, die gegen Mitternacht bei Bonny erreicht wurde. Dort machte Lt. Mertens mit dem verstärkten Spitzenzug nach kurzem Gefecht 180 Gefangene, die Loire-Brücke fand er zerstört vor. Bei unge- klärter Lage igelte sich die Vorausabteilung über Nacht ein. Am nächsten Morgen holte man noch etwa weitere 500 Gefangene aus dem Ort, der zudem, wie überall vor den zerstörten Loire-Brücken, von Flüchtlingen zu Fuß und mit allen Arten von Fahrzeugen überfüllt war.

Am 18.Juni gegen 12:30 Uhr erreichten die vordersten Teile der Division, II./287 mit dem Rgts.Kdr., Oberst Köchling, die Loire bei Bonny. General Vierow war schon vorher gegen 11 Uhr hier eingetroffen und befahl nun den Übergang 500 m oberstrom der zerstörten Brücke unter Führung von Major Meyer (Kdr. II./287). Ab 13 Uhr setzte die Radfahrschwadron schwimmend über den Strom und blieb nur mit Badehose, Helm, Koppel und Stiefeln "bekleidet" im Vorgehen auf Beaulieu, das kurz vorher von 1 1/2 Komp. Franzosen geräumt worden war. Die Kanalbrücken waren heil, II. und III./287 folgten.

Am 19.Juni gegen Mittag setzte der Div.Kdr. die Vorausabteilung erneut an mit dem Auftrag, den Übergang über den Kanal du Berry bei Plainpied südlich Bourges in Besitz zunehmen. Hier kam es am Nachmittag noch einmal zu einem kurzen Gefecht, nachdem der Spitzenzug Mertens in den Ort eingedrungen war. 5./287 säuberte den Ort, wobei 60 Gefangene gemacht wurden bei einem eigenen Verlust von 1 Toten und 6 Verwundet- en. Am 20.Juni wurden dann noch die Cher-Übergänge beiderseits Chateauneuf in Besitz genommen, und der Spähtrupp des Leutnant Sievers brachte aus Issoudun rund 600 Gefangene mit, während Ass.Arzt Dr. Reich und San.Fw. Schäfer in Lignieres durch schneidiges Vorgehen aus der mit 500 bewaffneten Franzosen besetzten Stadt 6 deutsche Flieger befreite.

An diesen beiden Tagen überschritt die Division mit Teilen auf Fähren bei Bonny und mit der Masse auf einer Kriegsbrücke bei Chatillon die Loire und setzte den Vormarsch auf Bourges fort. Mit den Regimentern 283 und 284 wurde die Sicherung an der Demarkationslinie südwestlich der Stadt übernommen. I.R.287 lag in der Stadt selbst.

Über 1200 km hatte die 96.Inf.Div. in 40 Tagen im Fußmarsch bei Sonne und Regen, bei Tag und oft bei Nacht, vielfach auf überfüllten Straßen zurückgelegt. Als höchste Marschleistung in 24 Stunden verbucht ein Tagebuch des I./283 75 km am 15.Juni, denen nach 2 1/2 Stunden Rast am 16. noch weitere 24 km folgten. Mit Recht konnte die Divsion stolz sein auf ihre Marschleistungen und wählte später den marschierenden Infanteristen (Watzmann) zu ihrem Divisionsabzeichen. Bewunderungswürdig waren die Marschleistungen der anspruchslosen Infanterie, die geduldig Kilometer um Kilometer marschierte auf den breiten und gut gepflegten, oft schnurgeraden Straßen, die zu Teil noch Napoleon I. hatte anlegen lassen, mit dem für die französischen Landschaften charakteristischen Pappelreihen.
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Im Laufe des 22.Juni traf im Lkw.-Transport das I./I.R.287 (Oberstleutnant Vogler) von seiner besonderen Verwendung in Laon und Romilly sur Seine wieder bei der Division in Bourges ein. Es hatte am 9.Juni von der Division abgegeben werden müssen und unterstand vorübergehen direkt dem Oberkommando der 9.Armee für die Besatzung von Laon.