96.ID: Geschichte
Übersicht - Divisionsgeschichte
Übersicht - Kapitel I
Noch wurden in Polen die Entscheidungsschlachten geschlagen, während ein Teil des Heeres am Westwall die Wacht bezogen hatte, da wurde im Reich mit der Aufstellung der 5.Welle von Divisionen begonnen. Am 14.September 1939 befahl das stellvertretende Generalkommando der XI.Armeekorps in Hannover:
"Zum 25.09.39 wird die 96. Infanterie Division nach anliegender Gliederung mit tschechischer Waffen- und Geräteausrüstung (t) in Bergen aufgestellt. Die Aufstellungen sind zum 30.09. durchzuführen. Die Zeit vom 01.10. bis 01.11. steht für die Ausbildung auf dem Truppen- übungsplatz Bergen zur Verfügung. Die Verwendungsfähigkeit als Feldverband ist bis zum 01.11. sicherzustellen."
So lautete in kurzen, klaren Worten die Geburtsurkunde der Division und sie löste sofort eine Unsumme von organisatorischen Maßnahmen auf allen Gebieten aus, denn nur die Aufstellung der 1. bis 4. Welle war im Frieden mobilmachungsgemäß bis ins einzelne vorbereitet gewesen. Aktive Felddivisionen, die hannoversche 19. und die braunschweigsche 31., sandten aus Polen Abstellungen, die Ersatztruppenteile des Wehrkreises Hannover, aber auch der Wehrkreis Stettin und Münster gaben Personal ab. Die Wehrbezirkskommandos dieser Wehrkreise beriefen Wehrpflich- tige ein und zum befohlenen Zeitpunkt liefen aus Niedersachsen, Pommern, Mecklenburg, Rheinland und Westfalen, hier besonders vom Nieder- rhein, die Transportzüge in Bergen, nördlich Celle, ein. Die Aufstellung der 96.Infanterie Division konnte beginnen.
Haupteingang TrÜbPl Bergen
Das IR 283 bestand hautsächlich aus Pommern und Mecklenburgern. Es wurden personell aufgestellt: I.Btl. und 14.Kp. in Stettin-Kreckow, II.Btl. in Schwerin und III.Btl. sowie 13.Kp. in Köslin. Beim IR 284 stammten das I. und II.Btl. aus dem Räumen Düsseldorf und Essen, sein III.Btl. und die Regimentseinheiten erhielten den Ersatz, wie auch das IR 287, aus den Räumen Hannover, Braunschweig und Magdeburg. Ähnlich setzten sich die anderen Einheiten der Division zusammen: Das AR 196 mit der I.Abt., ausgerüstet mit 8cm Kanonen (t), der II. und III.Abt. mit leichten Feldhaubitzen (t), und der IV.Abt. mit schweren Feldhaubitzen (t), die Panzerabwehrabteilung 196, das Pionierbataillon 196, die Nachrichten- abteilung 196 mit je einer Funk- und Fernsprechkompanie, die Radfahrschwadron 196, eine Abgabe des Kavallerieregiments 14 (Ludwigslust), ferner die Einheiten der rückwärtigen Dienste: die Sanitätskompanien 1 und 2/196, das Feldlazarett 196 und 2 Krankenkraftwagenzüge, die Veterinärkompanie 196, das Verpflegungsamt 196, die Bäckereikompanie 196 und die Schlächtereikompanie 196, das Feldpostamt 196, die Feld- zeugkompanie 196, die Kraftfahrzeug-Instandsetzuns-Kompanie, der Divisionsnachschubführer 196 mit seinen Kolonnen und Einheiten, endlich auch der Feldgendarmerietrupp 196 und die Kartenstelle der 96. Inf.Div. Bei den Infanterieregimentern bestanden die Regimentseinheiten aus je einer 13.Kompanie mit Granatwerfern (t) und einer 14.Kompanie mit Pak (t), alle bespannt.
Dieses war der ganze lebenswichtige Apparat, den eine Division im Felde braucht, um leben und kämpfen zu können, jeder Teil wichtig an seiner Stelle und unentbehrlich, alles in allem etwa 16.000 Mann und fast 5.000 Pferde.
An der Spitze stand ein im Truppen- und Generalstabsdienst besonders bewährter Kommandeur, Generalleutnant Vierow, kurz vorher Chef des Generalstabes des XI.Armeekorps. Alte in Krieg und Frieden bewährte Kommandeure übernahmen die Regimenter, die Obersten Zahn (I.R.283), Brinkmann (I.R.284), Köchling (I.R.287) und Holzhausen (A.R.196). Auch die Mehrzahl der Batl.- und Abt.-Kommandeure besaß noch Kriegser- fahrungen aus dem ersten Weltkrieg, zum Teil sogar noch Offiziere in anderen Dienststellungen und Kompaniechefs, von denen der Chef der 2./287, Hauptmann Ernst Jünger, sogar Ritter des Ordens Pour le Merite war. Die übrigen Offiziere waren zum größeren Teil Reserve-Offiziere, zum kleineren aktive Offiziere des neueren Heeres. Es sei an dieser Stelle als Merkwürdigkeit und als Zeichen der überaus hohen Offiziersverluste im Laufe des Krieges erwähnt, dass 1939 der älteste Regimentskommandeur ein Leutnantspatent von 1909 hatte, 1945 nach 5 1/2 Jahren Krieg aber hatte der jüngste Regimentskommandeur in der Division, ein Major, ein Leutnantsrangdienstalter von 1938.
General Vierow
General Vierow, der erste Divisionskommandeur. Er prägte die Truppe in Ausbildung und Erziehung, er führte sie im Westen zum Erfolg. (1939/40) (Bild 1 im Register)
In der ersten Zeit gab es unter den Unteroffizieren noch eine erhebliche Anzahl Weltkriegsteilnehmer. Im Übrigen entfielen bei den Unter- offizieren und Mannschaften der fechtenden Truppen die Masse auf die Jahrgänge 1908 bis 1918, von denen die Jahrgänge 1913 und älter im Allgemeinen eine dreimonatige Dienstzeit bei Ergänzungstruppenteilen hinter sich hatten. Bei den rückwärtigen Diensten war das Lebensalter etwas höher.
Im Laufe des Krieges verschob sich die landsmannschaftliche Zusammensetzung wiederholt durch Ersatzgestellung; vorherrschend blieb das niedersächsische Element des Wehrkreises XI, doch gab es wiederholt auch Ersatz aus fast allen Teilen des Reiches. Badener, Bayern, Württemberger und Österreicher, Männer aus Schlesien und dem Sudetenland, von Mosel und Saar stießen zur Truppe und fügten sich schnell in die Kampfgemeinschaft der Alten ein.